20. Dezember 2019 / 11:45 Uhr

Bult-Jockey Wladimir Panow im Interview: "Die Power des Rennsports ist unglaublich"

Bult-Jockey Wladimir Panow im Interview: "Die Power des Rennsports ist unglaublich"

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Würde gern noch zehn weitere Jahre im Rennsattel sitzen: Bult-Jockey Wladimir Panow (38). 
Würde gern noch zehn weitere Jahre im Rennsattel sitzen: Bult-Jockey Wladimir Panow (38).  © Steffen Manig/imago/Frank Sorge
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Die NP-Sportlerwahl 2019 - am 21. Januar küren wir unsere Topathleten bei der Sportlergala im Theater am Aegi. Sie bestimmen mit ihrer Wahl, wer oben steht. Wir stellen täglich einen Kandidaten vor. Heute: Bult-Jockey Wladimir Panow (38). 

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Wladimir Panov, freuen Sie sich nach einer langen Saison schon auf den Winterurlaub in ihrer Heimat bei Ihrer Mutter in Russland?

Ja, sehr. Die Weihnachtstage bin ich noch hier. Im Januar bin ich dann in der Heimat. Man sieht sich meistens nur einmal im Jahr. Mein Bruder kommt dann auch, wir gehen wandern, fahren Snowboard. Wir haben ja Berge da ohne Ende. Ich liebe die Berge. Da kann ich abschalten. Das ist meine Welt. Beim Skifahren oder Wandern fühle ich mich frei.

Während der Saison bleibt dafür kaum Zeit?

Ja, das ist schwierig. Vielleicht mal an einem der wenigen freien Wochenenden. Dann verabrede ich mich mit meinem Kumpel Eugen Frank, der ist Ex-Jockey. Wir sind beide verrückt nach Bergen. Dann fahren wir zur Zugspitze und gehen wandern.

Ihre erste Leidenschaft bleibt der Galoppsport, Ihr Beruf. Was ist so faszinierend daran?

Diese Power des Sports ist unglaublich. Die Emotionen eines Renntages. Wenn ich nicht reite oder ich mit meinen Ritten durch bin an dem Renntag, dann gucke ich von der Seite zu und fiebere mit. Da kriegt man Gänsehaut. Das ist Begeisterung pur. Ich weiß nur: Diejenigen, die mal auf einer Rennbahn waren, kommen gerne wieder. Besonders die Bult in Hannover ist bekannt für die tolle Stimmung.

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Dennoch ist Galopp immer noch eine Sportart, die vielen unverständlich und fremd ist. Woran liegt das?

Das betrifft Deutschland, ja. Ich glaube, es gibt hierzulande immer noch zu wenig Werbung dafür. Zum Beispiel in Asien und Amerika – da machst du den Fernseher an, und es läuft Rennsport.

Für Sie lief es in diesem Jahr fantastisch. 32 Siege bei 275 Starts, Platz neun der Jockey-Championatswertung – ist es das erfolgreichste Jahr Ihrer Karriere?

Das nicht. Aber eines der erfolgreichsten auf jeden Fall. Ich hatte schon mal mehr Siege. Ich bin sehr zufrieden mit 2019. Ich bin ohne Strafen und Verletzungen durchgekommen. Das war schon gut. Die Höhepunkte waren natürlich die Siege in Gruppe-Rennen mit den Sprintern Waldpfad in Hamburg und Namos in Baden-Baden. Das sind beides tolle Pferde.

Beide werden von Dominik Moser auf der Bult trainiert, am Stall, bei dem Sie angestellt sind. Wen würden Sie lieber reiten, wenn beide mal im selben Rennen starten sollten?

Puh, das lässt sich schwer sagen. Die Entscheidung überlasse ich lieber dem Trainer (lacht). Namos hat als Dreijähriger eine Riesenleistung gebracht. Bombastisch. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr mit ihm, wenn er noch reifer ist. Waldpfad ist sehr erfahren und macht sein Ding. Auch bei ihm bin ich sehr zuversichtlich.

Namos haben Sie auch in Frankreich geritten. Waldpfad in England jedoch nicht – weil Sie nicht durften ...

Ja, das war sehr ärgerlich. Zwei Wochen vor dem Start, habe ich erfahren, dass er in England laufen soll. Dafür brauche ich als Russe aber ein Visum, also habe ich bei der Botschaft angerufen. Die Antwort: Wir brauchen leider drei Wochen. Der Italiener Andrea Atzeni durfte dann reiten – und Waldpfad hat wieder gewonnen.

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Haben Sie es dem Jockey gegönnt?

Ich habe es dem Pferd gegönnt. Und meinem Stall (lacht).

2019 haben Sie 350 000 Euro Preisgeld zusammengeritten, in Ihrer Karriere 3,5 Millionen. Aber selber Millionär sind Sie nicht?

(lacht) Schön wär’s. Wir Jockeys bekommen 5 Prozent von der jeweiligen Gewinnsumme bei einem Rennen. Aber als Angestellter hier am Stall von Dominik Moser bekomme ich ja ein Grundgehalt. Reich geworden bin ich als Jockey nicht, aber es reicht. Ich verhungere nicht.

Apropos verhungern. Als Jockey müssen Sie stets penibel auf das geringe Gewicht achten. Wie groß ist die Belastung, ständig hungern zu müssen?

Ich habe das Glück, dass ich keine Probleme damit habe. Mein Grenzwert sind 53 Kilogramm. Das schaffe ich, ohne mich zu quälen. Ich treibe viel Sport, verzichte nicht aufs Essen. Aber natürlich futtere ich mich nicht voll. Ich fahre sehr gerne Rad zur Arbeit und zurück, da komme ich auf 25 Kilometer. Plus Laufen jeden Tag oder alternativ noch Touren mit dem Rennrad.

Früher hatten Sie nur eine Waage zu Hause. Wie viele sind es jetzt?

Mittlerweile drei, verteilt auf die Zimmer. Wenn eine zu viel anzeigt, gehe ich auf die andere. Im Ernst: Ich gehe einmal in der Woche auf die Waage. Immer am Freitag. Da weiß ich, dass ich leicht bin – und fühle mich auch so.

Sie werden im März 39. Wie lange tun Sie sich den Knochenjob eines Jockeys noch an?

Da können sie jeden Jockey fragen, da gibt es nie eine klare Antwort drauf. Ich wünsche mir, dass ich noch zehn Jahre reiten kann. Es kommt schlicht darauf an, wie man sich fühlt. Es gibt genug Jockeys, die über 50 sind und in Topform sind.

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