10. März 2020 / 18:07 Uhr

Kommentar: Einzelne Geisterspiele wegen Coronavirus sind zu wenig – die DFL handelt inkonsequent 

Kommentar: Einzelne Geisterspiele wegen Coronavirus sind zu wenig – die DFL handelt inkonsequent 

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Einzelne Geisterspiele wegen dem Coronavirus sind zu wenig, meint SPORTBUZZER-Redakteur Christian Müller. 
Einzelne Geisterspiele wegen dem Coronavirus sind zu wenig, meint SPORTBUZZER-Redakteur Christian Müller.  © imago images / Martin Hoffmann/imago images / Sven Simon/Montage
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Die ersten Geisterspiele in der Bundesliga als Reaktion auf die steigenden Infektionszahlen mit dem neuartigen Coronavirus sind verhängt. Das ist grundsätzlich richtig, geht aber nicht weit genug, meint SPORTBUZZER-Redakteur Christian Müller.

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Nun also doch: Unter dem Eindruck steigender Infektionszahlen ringen sich die politischen Entscheidungsträger in dieser Woche Stück für Stück an immer mehr Bundesliga-Standorten dazu durch, wegen des neuartigen Coronavirus "Geisterspiele" anzusetzen und die Partien ohne Zuschauer austragen zu lassen. So geschehen unter anderem für das Rhein-Duell zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln und für das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04. Bremen zog kurz darauf nach. Werder darf am Montag also - wenn überhaupt - nur vor leeren Rängen gegen Bayer Leverkusen spielen. Und auch der Freistaat Bayern folgt inzwischen der entsprechenden Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, hat inzwischen alle Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmenden untersagt, was Heimspiele unter anderem des FC Bayern München einschließt.

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Dass all das passiert, ist gut und schlecht. Gut, weil es in der aktuellen Lage - bei aller erforderlichen Besonnenheit im Umgang mit der Epidemie - schlichtweg nicht zu verantworten ist, Tausende und Zehntausende Menschen auf oftmals engstem Raum aufeinandertreffen zu lassen und so womöglich ein weiteres sprunghaftes Ansteigen der Infektionszahlen zu provozieren. Geisterspiele oder im Zweifelsfall auch Absagen zu verhängen, ist insofern konsequent. Schlecht ist aber, dass derlei bislang politischen Entscheidungsträgern auf Landes- oder kommunaler Ebene überlassen blieb. Logischer wäre, wenn die Deutsche Fußball-Liga (DFL) den Spielbetrieb für die 1. und 2. Bundesliga so wie die Serie A in Italien entweder vorerst komplett stoppen würde oder flächendeckend Geisterspiele anordnen würde - auch, damit kein Klub Vor- oder Nachteile aufgrund regionaler Gegebenheiten hat.

DFL ist in der Verantwortung

Denn: So plausibel und gerechtfertigt es sein mag, verschiedene Interessen - die von Spielern, Trainern und Vereinen einerseits, die von Sponsoren, Rechteinhabern, aber auch Zuschauern andererseits - vereinen zu wollen: Die DFL könnte in der in jeder Hinsicht misslichen Coronavirus-Lage zwei Akzente setzen: Der eine bestünde darin, gesellschaftlich verantwortungsvoll zu agieren. Nichts anderes würde eine vorläufige Bundesliga-Unterbrechung bedeuten. Schließlich hatte Spahn am Montag betont, jeder Einzelne sei gefordert, seinen Beitrag dazu zu leisten, dass sich die Verbreitung des Virus möglichst verlangsamt. Das schließt selbstverständlich auch die Entscheidungsträger der DFL ein.

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Der zweite mögliche Akzent: Die Offiziellen würden damit nicht nur möglicher Wettbewerbsverzerrung einen Riegel vorschieben, sondern auch mit dem Vorurteil von Teilen der Fans aufräumen, dass es der DFL stets hauptsächlich darum gehe, Geldflüsse zu schützen. Dieser Vorwurf war zuletzt im Nachgang der vor allem in der Wortwahl unangebrachten Anfeindungen gegen Mehrheitseigner Dietmar Hopp von der TSG Hoffenheim einmal mehr laut geworden.