14. März 2020 / 17:31 Uhr

Anwalt erklärt nach Bundesliga-Shutdown: So könnten die Klubs reagieren - "Es drohen Klagen"

Anwalt erklärt nach Bundesliga-Shutdown: So könnten die Klubs reagieren - "Es drohen Klagen"

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Leere Stadien und der ausgesetzte Bundesliga-Spielbetrieb werden womöglich weitreichende Folgen für den FC Bayern, Borussia Dortmund und Co. haben.
Leere Stadien und der ausgesetzte Bundesliga-Spielbetrieb werden womöglich weitreichende Folgen für den FC Bayern, Borussia Dortmund und Co. haben. © imago images/Jan Huebner/DFL (Montage)
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Die Aussetzung der Bundesliga hat für die DFL und die Klubs erhebliche finanzielle Folgen. Doch welche Möglichkeiten haben die Vereine, um nach der Coronavirus-Krise entschädigt zu werden? Der auf Sport spezialisierte Jurist Andreas Jens klärt gegenüber dem Fachmagazin "Sponsors" auf.

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Wie geht es nach dem Coronavirus in der Bundesliga weiter? Dass der ökonomische Schaden für die Bundesliga und ihre Klubs in Folge der Corona-Krise extrem hoch sein dürfte, verdeutlicht eine am Samstag von der dpa veröffentlichte Zahl: Rund eine dreiviertel Milliarde Euro würde die Deutsche Fußball Liga (DFL) und damit die Teams der ersten und zweiten Liga die Komplett-Absage der Saison kosten. Diese Summe wurde aus Ligakreisen bestätigt - und verdeutlicht, wie bedrohlich die wirtschaftliche Lage einiger Vereine sein dürfte.

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Ein Versicherungsschutz besteht demnach nicht. Nun kommt es also darauf an, inwiefern der zunächst bis 2. April eingestellte Liga-Spielbetrieb fortgesetzt wird. Am Montag gibt es ein Meeting zwischen der DFL und allen 36 Erst- und Zweitligisten. Der auf Sport spezialisierte Anwalt Andreas Jens hat sich zu den zentralen Fragen geäußert, mit denen sich die Klubs beschäftigen. Dabei geht es derzeit akut um "die arbeitsrechtlichen Konsequenzen aus Spielverlegungen oder gar der endgültigen Absage der noch ausstehenden Spiele", sagte Jens dem Fachmagazin Sponsors.

Anwalt Jens: "Bloße Verschiebung" mit überschaubaren Folgen

Der Jurist betonte, dass die spätere Fortsetzung des Liga-Betriebs ein eher kleineres Problem darstellen würde. "Im Hinblick auf Verträge mit Ticketinhabern, Sponsoren und Dienstleistern dürften die Auswirkungen einer bloßen Verschiebung regelmäßig überschaubar sein", meinte er und fügte hinzu: "Grundsätzlich können die Leistungen zu einem späteren Zeitpunkt erbracht werden und sind entsprechend zu vergüten. Im Einzelfall können aber andere vertragliche Abreden greifen."

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Sollte die von der UEFA erwägte Verlegung der Europameisterschaft in den Sommer 2021 umgesetzt werden, ist eine Fortsetzung der Bundesliga und 2. Liga im Sommer durchaus möglich. Dies würde es der Liga einfacher machen. Falls es zu einem vorzeitigen Ende der Saison kommen sollte, würde sich die Lage erheblich erschweren. Eine Annullierung der laufenden Spielzeit scheint möglich - aber auch, dass der jetzige Tabellenstand über Meisterschaft sowie Auf- und Abstieg entscheidet. Jens erklärte: "Gleich welche Variante man aber wählt, stets werden Klubs sich ungerecht behandelt sehen – sei es durch Nichtaufstieg, Abstieg, im Rahmen der Ausschüttung von TV-Geldern oder mangels Berechtigung an internationalen Wettbewerben teilzunehmen. Es drohen Klagen."

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In diesem Fall wäre auch der wirtschaftliche Schaden weitaus höher. "Im Falle einer endgültigen Absage werden jedenfalls eine Vielzahl von Klubs mit weitreichenden Einnahmeverlusten aus Ticketing, Sponsoring und TV-Geldern bei weitestgehend gleichbleibenden Kosten, insbesondere aufgrund von Spielergehältern, konfrontiert sein", sagte der Anwalt. "Ohne finanzielle Unterstützung werden einige Klubs diesen Kraftakt nur schwer meistern."

Hilfsfonds oder Gehaltsverzicht der Profis?

Bei Spielergehältern besteht für die Vereine laut Jens allerdings die Möglichkeit auf Entschädigungszahlungen. Das Infektionsschutzgesetz beinhaltet demnach Regelungen, die im Falle eines beruflichen Tätigkeitsverbots bei Erkrankten ebenso eintreffen wie bereits im Verdachtsfall. "In diesem Fall kann der Klub von der zuständigen Behörde Erstattung verlangen", betonte der Jurist. Ob ähnliche Bestimmungen auch für entstandene Schäden durch Geisterspiele oder Veranstaltungsverbote gelten, "ist indes keinesfalls sicher", erklärte Jens. Stattdessen schlägt er einen Hilfsfonds sowie einen teilweisen Gehaltsverzicht der Profis als mögliche Optionen vor.