16. August 2019 / 15:00 Uhr

Einwurftor, Lichtausfall, Doppel-Hand: Die verrücktesten Saison-Eröffnungsspiele der Bundesliga

Einwurftor, Lichtausfall, Doppel-Hand: Die verrücktesten Saison-Eröffnungsspiele der Bundesliga

Udo Muras
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
In Eröffnungsspielen der Bundesliga ist meistens einiges los, wie die Historie zeigt. 
In Eröffnungsspielen der Bundesliga ist meistens einiges los, wie die Historie zeigt. 
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Der 1. Spieltag einer Bundesliga-Saison hält oft ganz besondere Vorkommnisse für die Fans bereit, teilweise sind sie bereits in Pannenshows aufgetaucht. Was passiert am Freitag zum Saisonstart zwischen dem FC Bayern und Hertha BSC?

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Der Anpfiff zur Bundesliga erfolgte am 24. August 1963 um Punkt 17 Uhr. So stand es auf allen Plakaten und in den Zeitungen. Aber ihr erstes Tor fiel schon um 16.59 Uhr, Schiedsrichter Klaus Ott nahm es in Bremen nicht so genau. Als Bild-Reporter Jürgen Eilers seine Redaktion pflichtgemäß vom ersten Tor telefonisch informierte, wollten sie ihm nicht glauben und reagierten unwirsch. Als der Treffer dann über Agentur lief, mussten sie sich bei Eilers entschuldigen. Einen Fotobeweis vom ersten Treffer, den Dortmunds Timo Konietzka nach 35, 51 oder 58 Sekunden schoss, (auch das bleibt rätselhaft) konnte indes niemand erbringen, auch nicht als Konietzka selbst 1000 Schweizer Franken Belohnung auslobte. Denn alle Fotografen saßen hinter dem anderen Tor.

Die Geschichte vom verschollenen ersten Tor ist nur eine von vielen kuriosen, die sich aus mysteriösen Gründen bevorzugt zum Saisonstart ereigneten. Was gab es noch?

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Offenbachs Erwin Kostedde (l.) traf 1974 beim 6:0-Sieg gegen Meister FC Bayern.
Offenbachs Erwin Kostedde (l.) traf 1974 beim 6:0-Sieg gegen Meister FC Bayern. © imago/WEREK
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1974: Rekordpleite für die Bayern

Meister Bayern München tritt mit sechs frisch gekürten Weltmeistern in Frankfurt gegen Kickers Offenbach an und verliert mit 0:6 – es ist noch immer die höchste Niederlage eines amtierenden Meisters. Besonders demütigend: Offenbachs Erwin Kostedde trifft per Hacke.

1977: K.o. durch den Schiri

Alarm auf dem Betzenberg, Schiedsrichter Wilfried Burgers gibt Elfmeter für Kaiserslautern und wird von Braunschweiger Spielern umringt. Er macht eine Abwehrbewegung und trifft Rainer Hollmann mit dem Ellenbogen am Kehlkopf. Der bricht besinnungslos zusammen und kommt ins Krankenhaus. Paul Breitner, Neu-Braunschweiger, zetert im TV: „Ich wusste nicht, dass in Deutschland Schiedsrichter Spieler niederschlagen dürfen.“ Der DFB verdonnert ihn zu 5000 DM Strafe, lehnt den Protest der Eintracht gegen die Wertung ab.

Bayerns Torwart Jean-Marie Pfaff wird in seinem ersten Bundesligaspiel durch das Einwurftor von Bremens Uwe Reinders düpiert.
Bayerns Torwart Jean-Marie Pfaff wird in seinem ersten Bundesligaspiel durch das Einwurftor von Bremens Uwe Reinders düpiert. © imago/WEREK

1982: Das erste Einwurftor

In Bremen fällt das erste von bisher zwei Einwurftoren der Bundesliga. Mit Windunterstützung wirft Uwe Reinders den Ball in den Fünfmeterraum der Bayern, deren neuer Torwart Jean-Marie Pfaff berührt ihn noch mit den Fingerspitzen. Dadurch zählt der kuriose Treffer, der auch den Sieg bringt (1:0).

1985: Eigentor des Monats

Wieder ein irres Eigentor der Bayern, diesmal in Uerdingen. Verteidiger Helmut Winklhofer will den Ball nur über den Fuß seines Gegenspielers lupfen, drischt ihn aber aus 25 Metern ins eigene Tor. Der Schütze: „Ich dachte nur: ‚Mann, geht der aber weit.’“ Leidtragender: wieder Pfaff! Schlimmer noch: erstmals wird ein Eigentor von ARD-Zuschauern zum Tor des Monats gewählt. Manager Uli Hoeneß verbietet das Abholen der Medaille, „verarschen können wir uns selbst.“

Wegen einer beschädigten Stromleitung funktionieren nicht alle Flutlichter im Bremer Weserstadion einwandfrei.
Wegen einer beschädigten Stromleitung funktionieren nicht alle Flutlichter im Bremer Weserstadion einwandfrei. ©

1986: Mill und der Pfosten

Wieder ein Bayern-Spiel, wieder ist Pfaff beteiligt. Doch zur Lachnummer wird Dortmunds Frank Mill, der vor dem leeren Tor überhastet den Pfosten trifft. Bayern-Coach Lattek nach dem Spiel (2:2): „Ich überlege noch, welche Prämie ich ihm gebe.“ Die Szene erscheint jahrelang in Pannenshows.

2004: Carola macht das Licht aus

Das Eröffnungsspiel zwischen Werder Bremen und Schalke beginnt wegen Flutlichtausfalls mit 66 Minuten Verspätung. Damals sind alle ratlos, heute wissen wir es: Der Schuldige war eine Kabelmuffe namens Carola, die Erdkabel verband, und jetzt im Werder-Museum zu besichtigen ist. In Stadionnähe fanden nämlich Straßen-Bauarbeiten statt und ein Bagger hatte sie beschädigt. Bis die Spezialisten der Bremer Elektrizitätswerke aus dem Feierabend zurückgeholt sind, bleibt es schummrig und die Fans zücken ihre Feuerzeuge. Am Ende feiern sie einen 1:0-Sieg durch das späteste Bundesligator aller Zeiten, das Nelson Valdez um 23.13 Uhr erzielt. Dank Carola.

Gladbachs Alvaro Dominguez verursachte gleich zwei Handelfmeter gegen den FC Bayern. 
Gladbachs Alvaro Dominguez verursachte gleich zwei Handelfmeter gegen den FC Bayern.  © imago sportfotodienst

2013: Dominguez spielt Doppel-Hand

Das nächste Startkuriosum in München spielt in der Allianz-Arena. Am 9. August 2013, Spiel eins von Pep Guardiola, wehrt sich Mönchengladbach gegen den Triple-Sieger mit Händen und Füßen. In der 68. Minute unterläuft Verteidiger Alvaro Dominguez ein Handspiel im Strafraum, doch Thomas Müller verschießt den Elfmeter. Doch Dominguez ist für eine zweite Chance, 83 Sekunden später wirft er sich in einen Schuss und verursacht erneut einen Handelfmeter. Einmalig in der Bundesligageschichte! Alaba trifft, Borussen-Manager Max Eberl tritt in eine Werbebande.

2014: Bellarabi schockt BVB

In Dortmund fällt das früheste Tor aller Zeiten, Leverkusens Karim Bellarabi trifft schon nach 9,08 Sekunden. Ein Jahr bleibt er Blitzstarter, dann löst ihn Hoffenheims Kevin Volland ab – an einem 2. Spieltag, der wohl auch mal zur Geltung kommen will.

2017: Müller und die Eckfahne

Dann war da noch der Torjubel des Nicolai Müller vom HSV, der 2017 das goldene 1:0 gegen Augsburg allzu schwungvoll tanzend an der Eckfahne feiert, umknickt und sich das Kreuzbandriss reißt. Er fällt zwar bis Saisonende aus, schafft es aber in jeden Jahresrückblick.

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