29. Juli 2021 / 16:21 Uhr

Noch ohne Sieg: Deshalb hakt es beim FC Bayern unter Neu-Trainer Julian Nagelsmann

Noch ohne Sieg: Deshalb hakt es beim FC Bayern unter Neu-Trainer Julian Nagelsmann

Jens Strube
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Beim FC Bayern läuft es unter Neu-Trainer Julian Nagelsmann noch nicht rund.
Beim FC Bayern läuft es unter Neu-Trainer Julian Nagelsmann noch nicht rund. © IMAGO/MIS
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In rund zwei Wochen startet die neue Bundesliga-Saison mit der Partie Gladbach gegen den FC Bayern. Am Mittwoch testeten beide Klubs bereits die Generalprobe, wobei die Fohlen mit 2:0 bei den Münchnern gewannen. Damit blieb Nagelsmann auch in seinem dritten Testspiel ohne Sieg. Der SPORTBUZZER hat analysiert, warum es beim Rekordmeister aktuell noch nicht läuft.

Der FC Bayern München kommt unter Neu-Trainer Julian Nagelsmann noch nicht in Fahrt. Die bislang ernüchternde Bilanz der Sommer-Vorbereitung mit einem sehr jungen Team: drei Spiele, kein Sieg. Auf die 2:3-Pleite gegen die Fast-Absteiger vom 1. FC Köln folgte ein 2:2 gegen Ajax Amsterdam und jüngst das 0:2 gegen Gladbach. Jenes Team, auf das der deutsche Rekordmeister auch in rund zwei Wochen (13. August) im Bundesliga-Eröffnungsspiel trifft.

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Am Samstag steht gegen die SSC Neapel aus Italien der letzte Härtetest an, bevor die Saison mit dem DFB-Pokalspiel am 6. August gegen den Bremer SV offiziell startet. Bis dahin haben die Bayern allerdings noch viel Arbeit vor sich, das weiß auch Nagelsmann: "Wir müssen natürlich dann, wenn die Pflichtspiele losgehen, auch langsam anfangen zu gewinnen", forderte er nach dem Gladbach-Test bei Magenta Sport. Der SPORTBUZZER analysiert: Darum läuft es aktuell noch nicht rund beim Rekordmeister.

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EM-Fahrer-Dilemma

Wegen der diesjährigen Europameisterschaft musste Nagelsmann bislang auf einen großen Teil seiner Stars verzichten. Folglich konnte der Neu-Coach Taktik, Abläufe und Co. erst mit der zweiten Garde und zahlreichen Nachwuchstalenten trainieren, von denen nur wenige eine wichtige Rolle im Laufe der Saison übernehmen werden. Während Manuel Neuer, Thomas Müller (ist bereits freiwillig zurück) und Joshua Kimmich noch bis zum 31. Juli Urlaub haben, kehrten die übrigen zehn EM-Fahrer in dieser Woche zurück.

"Ich freue mich, dass wir jetzt alle langsam integriert kriegen", kommentierte Nagelsmann die Rückkehr und verdeutlichte: "Die brauchen wir auch. Das sieht man." Lange eingewöhnen können sich die Stars nicht. Gegen Neapel sollen die zurückgekehrten Stars um Robert Lewandowski, Leon Goretzka oder Leroy Sané zumindest eine Halbzeit wieder spielen. Ob das am Ende schon direkt für den ersten und dann einzigen Testspielerfolg reicht, wird sich zeigen. "Bei so wenig Zeit kannst du nicht viel Inhalt trainieren", machte Nagelsmann klar: "Wir müssen uns sukzessive über den Liga-Alltag entwickeln."

Verletzungs-Misere

Mit der Rückkehr der EM-Fahrer kann Bayerns Neu-Trainer auf den Großteil seiner Mannschaft zurückgreifen. Verzichten muss er dagegen noch auf vier Spieler, die aktuell wegen Verletzungen und Krankheit ausfallen. Neben dem Ausfall von Linksverteidiger Alphonso Davies, der mit einer Knöchelverletzung von der kanadischen Nationalmannschaft beim Gold Cup zurückkehrte, schmerzt vor allem die Zwangspause vom französischen Abwehrmann Lucas Hernandez. Der bayrische Rekordtransfer (kam 2019 für 80 Millionen Euro von Atletico Madrid) entwickelte sich nach holprigen Start unter Ex-Trainer Hansi Flick in der vergangenen Saison zum Leistungsträger.

Für den 25-Jährigen, der im Sommer am Meniskus operiert wurde, kommt der Saisonstart in Gladbach zu früh. Genauso für Davies, der aktuell auch noch Reha macht. Auch auf Marc Roca (Außenbandriss im Sprunggelenk) und Hernandez' französischen Nationalmannschaftskollegen Corentin Tolisso (Corona) wird Nagelsmann wahrscheinlich am ersten Spieltag verzichten müssen.


Abwehr-Umbruch

Nach den Abgängen der Abwehrroutiniers Jerome Boateng und David Alaba (ablösefrei zu Real Madrid) müssen nun die Jungen in die Presche springen. "Ein Übergang von erfahrenen zu jüngeren Spielern ist meist ad hoc. Ich denke aber, dass wir dafür gut aufgestellt sind", sagte Nagelsmann bei seiner Vorstellung am 7. Juli. Rechtsverteidiger Bouna Sarr (29) ist aktuell zwar der älteste Verteidiger, dennoch dürfte er nur eine untergeordnete Rolle spielen. Neben dem verletzten Lucas Hernandez (25) bringt aktuell Benjamin Pavard (25) das größte Stammplatzpotenzial mit. Auch Neuzugang Dayot Upamecano (22, kam für 42,5 Millionen Euro), den der Trainer aus Leipzig gut kennt, dürfte mit seiner Erfahrung aus 102 Bundesliga-, 20 Champions-League- und zehn Europa-League-Spielen gesetzt sein.

Auf der linken Seite könnte Neu-Bayer Omar Richards (23, ablösefrei aus Reading) die Lücke von Alphonso Davies (20) schließen. Ebenso dessen Namensvetter Chris Richards (21), der von seiner Leihe aus Hoffenheim zurückkehrte. Während die Zukunft von Niklas Süle (25) beim Rekordmeister strittig ist, hält Nagelsmann große Stücke auf dem 19-jährigen Tanguy Nianzou. Dieser bringe "alle Fähigkeiten mit, ein herausragender Spieler zu werden", prophezeite er ebenfalls bei seiner Bayern-Premiere. Inwieweit diese junge Abwehr jedoch gerade gegen die international stark aufrüstende Konkurrenz bestehen kann, wird erst die Saison zeigen.

Transfer-Stopp

Mit Upamecano hat sich der FC Bayern trotz der namhaften Abgänge um Jerome Boateng und David Alaba nur mit einem gestandenen Spieler verstärkt. Dabei wird es in diesem Sommer voraussichtlich auch bleiben. Wegen der finanziellen Einbußen in der Corona-Pandemie will der FCB vorsichtig agieren und kleinere Brötchen backen – ganz im Gegensatz zu Vereinen, wie Manchester United oder Paris Saint-Germain, die in diesem Sommer viel Geld in die Hand genommen haben. "Es ist keine einfache Situation, wenn man sieht, wie einige Klubs investieren können", gestand Sportvorstand Hasan Salihamidzic Mitte Juli. "Wir werden versuchen, kreativ zu bleiben und eben anders für die Spieler sexy zu sein. Gegen manche finanziellen Kräfte ist aber zumindest im Moment nichts zu machen."

Den Erfolgsdruck auf Nagelsmann schmälert das jedoch nicht. Neben der zehnten Meisterschaft in Folge soll Bayern auch um den Champions-League-Titel mitspielen, gab der neue Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn bei seiner Vorstellung als klare Vorgabe aus, mit dem Ziel "absoluten Weltklasse-Fußball zu zeigen". Dem war sich Nagelsmann in seiner ersten Pressekonferenz bereits bewusst, was sich aber mit seinen Ambitionen deckte: "Ich bin mir bewusst, dass man hier Titel gewinnen muss. Ich will Titel gewinnen."