16. Mai 2020 / 12:34 Uhr

Vor historischem Geister-Spieltag: Das sind die zehn verrücktesten Bundesliga-Spieltage

Vor historischem Geister-Spieltag: Das sind die zehn verrücktesten Bundesliga-Spieltage

Udo Muras
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Bundesliga hat bereits viele kuriose Spieltage erlebt. Das ist die Top 10!
Die Bundesliga hat bereits viele kuriose Spieltage erlebt. Das ist die Top 10! © imago images/Ottke/Werek/Jan Hiebner
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Ein Bundesliga-Spieltag ausschließlich mit Geisterspielen? Das gab es noch nie. Der 26. Spieltag der Saison 2019/2020 wird in jedem Fall in die Geschichte eingehen – so wie die zehn Spieltage, die SPORTBUZZER-Statistik-Experte Udo Muras zusammengetragen hat. Vom Spieltag ohne Tore bis zum Spieltag, der zu drei Trainerwechseln führte: Diese Spieltage haben Geschichte geschrieben:

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1.) Saisonschluss Sonntagnacht

Vor Bundesliga-Gründung wurde in der Regel nur sonntags Fußball gespielt. Erst danach wurde der Samstag zum Fußballtag. Eine einmalige Renaissance erlebte der Sonntag jedoch am letzten Spieltag 1969/1970, als alle neun Partien auf den Feiertag fielen. Noch ungewöhnlicher: Alle Spiele begannen um 20 Uhr, um die Amateurfußballer zu schützen. Grund für die Verschiebung: Der strenge Winter mit 42 Spielausfällen brachte große Terminnot und hatte sogar das Saisonende verschoben. Der 33. Spieltag musste am Donnerstag davor stattfinden, sodass die Saison nicht am vorgesehenen Samstag abschließen konnte. So musste Mönchengladbach seine Meisterschaft am folgenden Montag feiern. Günter Netzer persönlich erwirkte, dass die Kinder schulfrei bekamen.

2.) Der Spieltag ohne Tore

Der Winter 1970 sorgte für ein weiteres Kuriosum. War der 18. Spieltag noch komplett ausgefallen, wagten sich am 17. Januar 1970 immerhin sechs Mannschaften auf die schneebedeckten Plätze. Doch wenn sie zu Hause geblieben wären, wären auch nicht weniger Tore gefallen. Schalke – Frankfurt, Oberhausen – Kaiserslautern und Aachen – Essen hatten auch das Ergebnis gemein: 0:0.

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3.) Der 53-Tore-Tag

Die Saison 1983/1984 ist die vorletzte, die die 1000-Tore-Marke knackte. Und mit 1097 Treffern unerreicht. Das ist wesentlich den Spielern zu verdanken, die am 12. Mai 1984 so eifrig einnetzten: 53 Tore sind weiterhin Bundesliga-Rekord. Die meisten fielen schon Freitagabend unter Flutlicht am Bieberer Berg, wo der Abstieg von Kickers Offenbach (3:7 gegen Werder Bremen) besiegelt wurde. Dabei scheiterte Bremens Uwe Reinders sogar noch mit einem Elfmeter an Oliver Reck.

4.) Der doppelte Dreikampf

Am letzten Spieltag der Mammutsaison 1991/1992 – nach Aufnahme der besten zwei DDR-Teams spielten 20 Mannschaften jeweils 38 Spiele – war fast nichts geklärt. Einmalig: Drei Teams an der Spitze waren punktgleich. Eintracht Frankfurt, VfB Stuttgart und Borussia Dortmund mussten am 16. Mai alle auswärts antreten. Frankfurt (in Rostock) und der BVB (in Duisburg) bei Abstiegskandidaten. Von vier Absteigern war erst einer ermittelt. Und VfB-Gegner Leverkusen kämpfte noch um die Uefa-Cup-Teilnahme. Der „Kicker“ titelte: „Hitchcock macht den Meister.“ In der Tat, es wurde ein Krimi. Alle drei Kandidaten waren mal oben in der Blitztabelle, Guido Buchwalds Treffer in Leverkusen (86.) entschied das Drama für den VfB. Dank Rostock, das die Eintracht schlug (2:1) und trotzdem abstieg. Hitzfelds Dortmunder waren am längsten oben (77 Minuten), aber das 1:0 in Duisburg reichte nicht. Nach Abpfiff in Duisburg gab es nur Verlierer.

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5.) Der Spieltag nach dem 11. September

Am sechsten Spieltag 2001/2002 wurden vor Anpfiff zahlreiche Signale der Solidarität mit den USA, die am 11. September Ziel eines Terroranschlags mit vielen Todesopfern geworden waren, gesetzt. Bremen lief mit „Keine Macht dem Terror“ auf der Brust auf, in vielen Stadien bildeten Spieler beider Teams einen Kreis, die Funktionäre von Schalke und Dortmund hielten in der Stadionkapelle vor dem Revierderby eine Andacht, von allen Anzeigetafeln leuchtete der gleiche Text, der die „ungeteilte Solidarität“ mit dem amerikanischen Volk unterstrich. In Nürnberg lagen Kondolenzlisten aus. Die Trainer Schaaf und Lienen schwänzten die Pressekonferenz.

6. ) Pfostenbruch und Tabubruch

Der 3. April 1971 brachte dem DFB-Sportgericht mehr Arbeit als andere Spieltage. In Mönchengladbach brach beim Spiel gegen Werder Bremen zwei Minuten vor Abpfiff ein Torpfosten. Da kein Ersatztor vorhanden war und Reparaturversuche vonseiten Borussias nur halbherzig ausgeführt wurden – der Tabellenführer spekulierte auf Wiederholung –, brach der Schiedsrichter beim Stand von 1:1 ab. Ein Präzedenzfall! Erst 26 Tage später stand das Urteil fest: Der DFB wertete das Spiel als verloren für den Gastgeber (0:2). Schneller erhielt Frankfurts Friedel Lutz sein Urteil. Der erste Bundesliga-Spieler, der am Tag, als der Pfosten brach, eine Rote Karte sah, wurde für seinen Tritt in den Hintern eines Braunschweigers für zwei Spiele gesperrt.

7.) Nur ein Heimpunkt

Im Fußball spricht man vom Heimvorteil, und tatsächlich werden 50,65 Prozent aller Bundesliga-Spiele vom Gastgeber gewonnen, für den Gast beträgt die Siegchance 23,71 Prozent. So weit die Statistik. In der Realität sah es nach dem sechsten Spieltag der laufenden Saison so aus: ein Unentschieden und acht (!) Auswärtssiege. Nur Borussia Dortmund verlor nicht, aber das 2:2 gegen Werder fühlte sich auch wie eine Niederlage an. Es war zwar schon der siebte Spieltag ohne Heimsieg, aber nur ein Heimpunkt und acht Auswärtssiege waren Rekord. So geschehen am Wochenende des 27. bis 29. September 2019.

8.) Nur Heimsiege

Außer Spesen nichts gewesen – das konnten die Gästeteams geschlossen schon siebenmal in der Bundesliga-Geschichte feststellen. Zuletzt allerdings vor 30 Jahren, am 1. und 2. Dezember 1989. Erstmals „alle neune“ gab es am 30. Spieltag 1967/1968, als auch die Bayern auswärts unter die Räder kamen und nach dem 0:3 in Stuttgart praktisch aus dem Titelrennen ausschieden.

9.) Meiste Unentschieden, wenigste Tore

Ende Februar 1999 wurde den torhungrigen Fußballfans in fast allen Stadien Magerkost serviert. Gleich fünf Partien endeten 0:0, was zur Einstellung des Minusrekords von elf Treffern (wie am 26. Spieltag 1989/1990) führte. Einmalig war indes die Anzahl der Unentschieden, zu den fünf 0:0 kamen schon am Freitagabend zwei 1:1-Partien. Aus dem Rahmen fiel nur Bayerns 4:0 in Rostock.

10.) Drei Remis = drei Trainerwechsel

Nach dem 19. Spieltag 2006/2007 überschlagen sich die Ereignisse. Trainerwechsel sind unmittelbar nach der Winterpause eher ungewöhnlich, doch vor 13 Jahren kommt es zum größten Trainerbeben der Ligahistorie in unmittelbarer Folge eines Spieltags. Man kann ein Muster beobachten: Drei Traditionsklubs mit höheren Ansprüchen spielen zu Hause unentschieden, der Trainer geht. In Gladbach (Jupp Heynckes) kommt er dem Rauswurf zuvor, in München (Magath) und Hamburg (Doll) ziehen die Klubs die Reißleine.