10. November 2016 / 18:26 Uhr

Bundesliga, Knast und Kreuzbandriss: Die Achterbahn-Karriere des Süleyman Koc

Bundesliga, Knast und Kreuzbandriss: Die Achterbahn-Karriere des Süleyman Koc

Jan Sternberg
Dresdner Neueste Nachrichten
Süleyman Koc (r.) will in der Winterpause in die Türkei wechseln.
Süleyman Koc (r.) will in der Winterpause in die Türkei wechseln. © dpa
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Nach Kreuzbandriss und Haftstrafe will der Profi in die Türkei wechseln – der 27-Jährige macht sich in Potsdam fit.

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Süleyman Koc ist wieder zurück in Berlin-Moabit, wo alles anfing. Verletzt und vereinslos, aber guter Dinge. Mit Zwangspausen kennt sich der 27-Jährige Fußballprofi aus. Die Verletzung jetzt ist nur ein weiteres temporäres Tief auf der Achterbahnfahrt seiner Karriere. Das nächste Hoch hat er fest im Blick: Koc will im Winter in die Türkei wechseln. Der Berliner mit deutschem und türkischem Pass will sich endlich in den Blick des türkischen Nationaltrainers Fatih Terim spielen. Erste Kontakte gab es bereits, Terim riet dem schnellen Spieler zum Wechsel in die erste türkische Liga. Zuletzt spielte Koc zweieinhalb Jahre beim SC Paderborn, stieg in dieser Zeit einmal auf und zweimal ab. Nach dem Absturz der Paderborner in die Dritte Liga hatte er alle Chancen zum Absprung. Der Flügelflitzer wäre ablösefrei zu haben gewesen, mehrere deutsche und türkische Vereine waren an ihm dran. Doch wieder einmal kam etwas dazwischen: ein Kreuzbandriss im linken Knie stoppte ihn, auch Innen- und Außenmeniskus waren beschädigt.

Auf seinen rechten Arm hat sich Süleyman Koc die Namen seiner Familie und Handschellen stechen lassen.

Es war eine gute Zeit in Paderborn“, sagt er, „bis auf die Abstiege natürlich. Mir hat es gefallen in einer Stadt, in der die Bürgersteige um 19 Uhr hochgeklappt wurden.“ Im südlichen Ostwestfalen hat Koc es geschafft, das Image des „Knast-Kickers“ hinter sich zu lassen. In Berlin wäre das nicht gegangen. Zu nah ist alles noch, auch jetzt, wenn er auf dem Sofa der elterlichen Wohnung sitzt und sich bei einem Yakuza-Film entspannen will. Als seine Karriere beim damaligen Drittligisten Babelsberg 03 begann, machte Koc den Fehler seines Lebens. Von seinem Bruder Sedat und einigen Kumpels ließ er sich als Fahrer für Casino-Überfälle anheuern. „Ich habe nie gelernt, nein zu sagen“, meinte er damals. Nach der Haft hatte er es gelernt. Babelsberg gab ihm eine zweite Chance. Koc wurde der Freigänger im gegnerischen Strafraum. Mit dem Wechsel nach Paderborn ging es aufwärts: „Ich hatte es geschafft. Ich sehe mich als Beispiel für all die Jungs, die auch ihre zweite Chance verdient haben“, sagt Koc. Er sitzt auf dem heimatlichen Sofa. Alles wirkt wie früher. Doch Koc ist ein anderer geworden.

„Sülo, die Maschine“

Er wird seinen alten Kiez nicht los, will ihn aber auch nicht allzu nah an sich heranlassen. Koc hätte im Sommer auch wieder in die Hauptstadt wechseln können, der Zweitligist Union Berlin wollte ihn unbedingt haben. Aber Koc traute sich noch nicht wieder zurück in seine alte Heimat. Und schließlich gab es noch Fatih Terims Angebot. Er wurde mit Trabzonspor einig, dann kam die Verletzung dazwischen. Ein Rückschlag, den er besser wegsteckt als andere. Er trainiert jetzt wieder mit seinem alten Physiotherapeuten bei Babelsberg, abends geht er zusätzlich laufen. 

Süleyman Koc ist nicht mehr der Knast-Kicker, er ist jetzt „Sülo, die Maschine“. Bis zum Winter ist es nicht mehr lang, mehrere türkische Erstligisten zeigen Interesse. Auch die unsichere politische Lage bringt Koc nicht davon ab, seinen Traum fest im Blick zu haben. Ohne zu vergessen, was vorher war. Er hat sich ein neues Tattoo stechen lassen. Wo vorher nur der Name seines Vaters Yasar stand, prangen nun auch die seiner Mutter Tülin und des Bruders Sedat. Familie bleibt immer Familie. Mit dem Fernsehturm und dem Schriftzug „Moabit 21“ trägt er seine Stadt und seinen Kiez auf dem Körper. Handschellen erinnern an die längste seiner Zwangspausen. Die Vergangenheit bleibt. Die Zukunft wartet.

Dreieinhalb Jahre beim SV Babelsberg 03

  • Süleyman Koc begann beim SC Minerva 93 Berlin mit dem Fußballspielen und kam über Tennis Borussia Berlin, den Berliner AK 07 und Türkiyemspor Berlin 2010 zum SV Babelsberg 03.
  • Beim damaligen Drittligisten absolvierte der 27-Jährige zunächst 26 Spiele (zwei Tore).
  • Nachdem er am 28. April 2011 festgenommen wurde, spielte er ab der Saison 2012/13 wieder für den Kiezclub.
  • Im Januar 2014 schloss er sich dem Zweitligisten SC Paderborn an, mit dem er in die Bundesliga aufstieg. Der Verein stieg anschließend zweimal ab und spielt nun in der 3. Liga.
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