22. Mai 2021 / 19:00 Uhr

Kommentar zur Bundesliga: Die Tradition verabschiedet sich – und ist selbst schuld

Kommentar zur Bundesliga: Die Tradition verabschiedet sich – und ist selbst schuld

Tom Vaagt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Bundesliga ohne Werder Bremen, Schalke 04 und den Hamburger SV: Die Traditionsvereine sind selbst schuld, meint SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt.
Die Bundesliga ohne Werder Bremen, Schalke 04 und den Hamburger SV: Die Traditionsvereine sind selbst schuld, meint SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt. © IMAGO/Team 2/Osnapix/RHR-Foto/Montage
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Nach Schalke 04 geht es auch für Werder Bremen in die 2. Liga. Dort treffen die beiden Traditionsklubs auf alte Bekannte. Eine Entwicklung, die die Vereine aufgrund ihres eigenen Verständnisses und von Fehlentscheidungen selbst zu verantworten haben, meint SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt.

Nun also auch Werder Bremen. Ein weiterer Klub, der sich in den vergangenen Jahren fast nur noch über seine Tradition definierte, muss den Gang in die 2. Liga antreten. Die Hanseaten werden eine Klasse tiefer auf reichlich alte Bekannte treffen. Moin, HSV. Glück auf, Schalke. Servus, Nürnberg. Man kennt sich seit Jahren, duellierte sich einst um Titel und steht sich nun in einem Umfeld gegenüber, das dem Selbstverständnis nicht recht entsprechen will. Möglicherweise kann man demnächst auch noch den 1. FC Köln begrüßen, der in der Relegation noch um den Bundesliga-Verbleib kämpfen darf.

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Mögliche Gegner der Rheinländer sind dann unter anderem Holstein Kiel oder die SpVgg Greuther Fürth. Zwei aufstrebende Klubs, die in der Gegenwart leben – und nicht verzweifelt der Vergangenheit hinterherrennen. Ein Wettlauf, dem sich der HSV, Schalke, Werder und auch Köln seit Jahren stellen und den sie nicht gewinnen können. Jetzt ist hier. Und keine Titel auf dem Briefkopf. Andere Klubs mit weniger gewachsenem Renommee gehören mittlerweile zum Bundesliga-Inventar. Weil sie gute Arbeit leisten. Weil sie im Rahmen ihrer finanziellen Verhältnisse wirtschaften. Weil sie auch in kritischen Situationen besonnen handeln. Man frage nach in Freiburg, Mainz und Augsburg.

Bei Werder, Schalke, dem HSV und Co. entschied man sich hingegen, einen Preis für seine Tradition zu zahlen. In Millionenhöhe. Immer wieder investierte man Unsummen in Gehälter und Ablösen, um an die guten alten Zeiten anzuknüpfen, und traf dabei die falschen Entscheidungen. Die Folge: Die Schuldenspirale griff, die eigene Konkurrenzfähigkeit sank, die 2. Liga wird nun zum Treffpunkt. Selbst schuld. Klar, man kann dem entgegnen: Es gibt Emporkömmlinge wie die TSG Hoffenheim oder RB Leipzig, die dank – sagen wir, anderer wirtschaftlicher Strukturen – einige der nur 18 Erstliga-Plätze besetzen und den Verdrängungswettbewerb erhöhen.

Aber: Wären die Traditionsklubs wirklich so groß und so stabil, wie sie in der Vergangenheit zu oft dachten, hätten sie auch diese Angriffe abwehren können. Man frage nach in Frankfurt, Dortmund oder Gladbach. Immerhin: Die DFL hatte wohl schon eine Vorahnung. Statt die Topspiele des Unterhauses am Montagabend zu "verstecken", wird ab der nächsten Saison am Samstagabend um 20.30 Uhr gekickt. Dann heißt es Werder gegen den HSV und vielleicht sogar Schalke gegen Köln. Echte Klassiker – mit zweitklassiger Etikette.