11. Januar 2021 / 19:00 Uhr

Die Bundesliga-Leihspieler im Ausland: So läuft es für Eggestein, Cuisance und Co.

Die Bundesliga-Leihspieler im Ausland: So läuft es für Eggestein, Cuisance und Co.

Constantin Paschertz
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Joannes Eggestein (Linzer ASK), Dejan Joveljic (Wolfsberger AC) und Mickaël Cuisance (Olympique Marseille) sind drei von einigen ins Ausland verliehenen Bundesliga-Profis.
Joannes Eggestein (Linzer ASK), Dejan Joveljic (Wolfsberger AC) und Mickaël Cuisance (Olympique Marseille) sind drei von einigen ins Ausland verliehenen Bundesliga-Profis. © imago images/Michael Weber/GEPA pictures/PanoramiC/Montage
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Nicht alle jungen Bundesliga-Profis steigen so kometenhaft auf wie Jamal Musiala oder Giovanni Reyna. Sie müssen sich deshalb über Leihen für ihre Stammvereine empfehlen. Der SPORTBUZZER zeigt, wie es für die Bundesliga-Leihspieler im Ausland läuft.

Nicht jedes Bundesliga-Talent startet kometenhaft durch wie Giovanni Reyna, Jamal Musiala, und Florian Wirtz. Manch ein hochveranlagter Kicker muss sich über eine Zwischenstation für höhere Aufgaben empfehlen und sein Glück zunächst bei einem anderen Klub als seinem Stammverein suchen. So auch in dieser Saison. Seit der Sommer-Transferphase im zurückliegenden Jahr treiben einige junge Profis ihre Karrieren bei Leih-Klubs im Ausland voran.

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Manchem ist es schon gelungen, sich reif für die Bundesliga zu präsentieren. Andere hingegen müssen noch mächtig zulegen, um sich bis zum Saisonende nachhaltig zu empfehlen. Der SPORTBUZZER zeigt, wie sich die Leihspieler des FC Bayern, von Borussia Dortmund & Co. bisher geschlagen haben.

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Johannes Eggestein (22, von Werder Bremen an Linzer ASK)

Seit 2013 steht der jüngere Bruder von Werder-Profi Maximilian (24) am Osterdeich unter Vertrag. Wegen seiner starken Torquoten in der Junioren-Bundesliga und im DFB-Nachwuchs galt er als kommender Top-Stürmer. Eggestein zeigte gute Ansätze, setzte sich aber als Profi nicht voll durch. Wegen der vermeintlich starken Konkurrenz ließ sich der U21-Nationalspieler im Oktober nach Linz verleihen. Seitdem geht es steil bergauf. In bisher 16 Pflichtspielen für den LASK war Eggestein an 15 Toren beteiligt (zwölf Treffer, drei Vorlagen). Sowohl in der Bundesliga als auch im ÖFB-Cup und der Europa League schlug der 22-Jährige konstant zu. Da die Bremer finanziell keinen großen Spielraum für Transfers haben, dürften Eggestein nach der Saison mit guten Perspektiven zurückkehren.

Mickaël Cuisance (21, vom FC Bayern Olympique Marseille)

Der junge Franzose wurde 2017 von Borussia Mönchengladbach als Perspektivspieler in die Bundesliga geholt. 2019 entschied er sich für einen Wechsel zum FC Bayern – obwohl die Fohlen ihm eine konkrete Perspektive aufzeigten. In München musste er sich unter Ex-Trainer Niko Kovac und dessen Nachfolger Hansi Flick zunächst in der 3. Liga bei Bayern II empfehlen. Er schaffte es zurück zu den Profis, setzte sich aber nicht abschließend durch und wurde 2020 per Leihe zu Olympique Marseille abgegeben. Dort kommt er auf bisher 17 Einsätze (eine Torvorlage) in der Ligue 1 und der Champions League. Die Marseillaise besitzen außerdem eine Kaufoption zwischen 10 und 18 Mio. Euro. Trainer André Villas-Boas hatte Anfang November bereits gesagt, er wünsche sich einen Kauf des jungen Mittelfeldspielers.

Ademola Lookman (23, von RB Leipzig an FC Fulham)

Im Januar 2018 hatte Leipzig Lookman für ein halbes Jahr ausgeliehen und der Youngster überzeugte auf der linken Außenbahn. Eine Verpflichtung im Sommer lehnte der FC Everton genau deshalb ab. Im Sommer 2019 gelang der Kauf dann doch, aber auch wegen Verletzungen konnte sich Lookman gegen die namhafte Konkurrenz nicht mehr durchsetzen. Deshalb folgte 2020 die Leihe zum Premier-League-Aufsteiger FC Fulham. Der ehemalige U21-Nationalspieler Englands (elf Spiele, ein Tor) gehört bei den "Cottagers" zum Stammpersonal und steuerte im Abstiegskampf bereits zwei Tore und zwei Vorlagen in 13 Spielen bei – unter anderem gegen den FC Liverpool und Leicester City. Steigt seine Formkurve weiter und übernimmt er Verantwortung im Abstiegskampf, dürfte er mit seinen Anlagen auch wieder eine Alternative im Kader von Trainer Julian Nagelsmann werden.

Yvon Mvogo (26, von RB Leipzig an PSV Eindhoven)

Die Sachsen holten den Schweizer Torhüter 2017 als Konkurrenten und designierten Nachfolger für Stamm-Keeper Péter Gulácsi von den Young Boys Bern. Mvogo galt als vielversprechendes Talent in Europa. Aber an Leipzigs Nummer 1 kam er einfach nicht vorbei. Mehrfach gab es Wechselgerüchte, weil Mvogo seine Entwicklung gefährdet sah. Die ambitionierte PSV Eindhoven lieh ihn schlussendlich im August 2020. Der gebürtige Kameruner ist seitdem Stammtorwart unter Trainer Roger Schmidt. In bisher 22 Pflichtspielen kassierte Mvogo 23 Tore, schaffte sieben Partien mit weißer Weste. Sein Leih-Klub, bei dem auch Mario Götze, Adrian Fein, Philipp Max und Timo Baumgartl unter Vertrag stehen, besitzt keine Kaufoption. Da Gulácsi in Leipzig weiter unangefochten glänzt, könnte es zu neue Verhandlungen zwischen den Klubs kommen.


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Jamal Musiala (von links), Youssoufa Moukoko und Florian Wirtz zählen zu den jüngsten Bundesliga-Spielern der Geschichte. Zur Galerie
Jamal Musiala (von links), Youssoufa Moukoko und Florian Wirtz zählen zu den jüngsten Bundesliga-Spielern der Geschichte. ©

Dejan Joveljic (21, von Eintracht Frankfurt an Wolfsberger AC)

Beim hessischen Bundesligisten hatte es Joveljic von Anfang an nicht leicht. Er wurde 2019 als Nachfolger der abgewanderten Büffelherde um Sébastien Haller, Ante Rebic und Luka Jovic für den Eintracht-Sturm geholt, sollte sich aber langsam an die Bundesliga gewöhnen. Auch angesichts der Konkurrenz von André Silva und Bas Dost tat er sich allerdings schwer. Seine erste Leihe von Januar bis Juni 2020 zum RSC Anderlecht (fünf Spiele, ein Tor, eine Vorlage) verlief durchwachsen. Aktuell stürmt der junge Serbe in Österreich und überzeugt auf ganzer Linie. Acht Treffer und zwei Vorlagen steuerte der 21-Jährige für Wolfsberg in bisher 19 Einsätzen in Bundesliga, ÖFB-Cup und Europa League bei und darf sich auf eine Zukunft in Frankfurt ab Sommer 2021 Hoffnung machen. Nach dem Abgang von Bas Dost zum FC Brügge im Dezember sucht die Eintracht ohnehin noch einen Nachfolger im Angriff.

Immanuel Pherai (19, von Borussia Dortmund an PEC Zwolle)

Erst im Juli 2020 wurde Pehrai in den Profi-Kader der Dortmunder befördert. Es folgte eine kurze, aber vielversprechende und überzeugende Saison-Vorbereitung im Zusammenspiel mit den anderen BVB-Talenten Giovanni Reyna, Jude Bellingham und Eerling Haaland. Ex-Trainer Lucien Favre hatte aufgrund der großen Konkurrenz im zentralen und offensiven Mittelfeld aber keine Verwendung für den Niederländer. In Zwolle spielte sich der 19-Jährige wiederum schnell in die Mannschaft und gehörte seitdem regelmäßig zur Startelf. Ein Tor erzielte er in bisher elf Pflichtspielen. In den letzten vier Partien zählte Pherai allerdings zweimal nicht zum Kader und blieb einmal ohne Einsatz auf der Bank. Mit sieben Unentschieden steht er mit seinem Team im Tabellenmittelfeld der Eredivisie und dürfte bei weiteren regelmäßigen Einsätzen auch in Dortmund auf dem Radar bleiben.

Justin Hoogma (22, von der TSG Hoffenheim an FC Utrecht)

Der Innenverteidiger und Sohn von Ex-HSV-Profi Nico-Jan Hoogma kam 2017 zur TSG und tat sich in den ersten anderthalb Jahren schwer, sich in der Defensive nachhaltig durchzusetzen. Weil die Konkurrenz unter dem damaligen Coach Julian Nagelsmann wuchs, ließ sich Hoogma im Januar 2019 zunächst zum FC St. Pauli in die 2. Liga ausleihen. Ein halbes Jahr später stand direkt die zweite Leihe zum FC Utrecht an, die die Sinsheimer inklusive einer Vertragsverlängerung bis 2022 im Herbst 2020 um ein weiteres Jahr aufstockte. Schon im ersten Jahr in Utrecht kam Hoogma auf 28 Pflichtspiele und erzielt ein Tor. Auch in der laufenden Saison ist der 22-Jährige eine feste Größe im Utrechter Abwehrzentrum und kommt auf bisher 16 Einsätze (ein Tor, eine Vorlage). In Hoffenheim hofft die sportliche Leitung auf eine ähnliche Entwicklung wie bei Kevin Akpoguma, der aktuell nach mehreren Leihen fester Bestandteil der TSG-Defensive ist.

Adrian Fein (21, vom FC Bayern an PSV Eindhoven)

Beförderung zu den Bayern-Profis, überzeugende Leihe beim Hamburger SV, und nun die Leihe zur PSV Eindhoven. Seit 2019 hat sich bei Fein einiges bewegt. Seine Leihe mit Kaufoption bedeutet aber nicht, der FCB habe sein Eigengewächs abgeschrieben. Es darf vermutet werden, dass sich der Rekordmeister im Falle eines Kaufs des Mittelfeldspielers durch die Niederländer eine Rückkaufoption gesichert hat. Sportvorstand Hasan Salihamidzic hatte mehrfach betont, man sei überzeugt von Feins Potenzial. Im Sommer war allerdings kein Platz im Kader von Hansi Flick, der mit Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Javi Martínez, Marc Roca und Corentin Tolisso reichlich Optionen bereithält. Bisher kommt der 21 Jahre alte Münchener auf zwölf Einsätze in allen Wettbewerben unter Trainer Roger Schmidt. Dem U21-Nationalspieler gelangen dabei ein Treffer und drei Torvorlagen. Seine Leistungen dürften aktuell sowohl den Erwartungen Eindhovens als auch denen des FCB entsprechen.

Panagiotis Retsos (22, von Bayer Leverkusen an AS St. Etienne)

Im Januar 2017 kam Panagiotis Retsos von Olympiakos Piräus zu Bayer und sollte mit dem Kroaten Tin Jedvaj (25) zum dynamischen Verteidiger-Duo werden. Aber Retsos hatte nicht nur Probleme, sich in in der Bundesliga zu akklimatisieren sondern verletzte sich auch wiederholt und fiel aus. Im Januar 2020 folgte deshalb die erste Leihe zum Premier-League-Klub Sheffield United, er spielte aber nur eine Viertelstunde für die "Blades" (Säbel). Im Herbst schlug dann der französische Erstligist aus St. Etienne zu. Der Innenverteidiger kommt dort – Stand jetzt – auf mickrige vier Spiele ohne Torbeteiligung. Einen Sieg feierte er auch noch nicht mit seinem neuen Klub. Vor dem Remis gegen Paris Saint-Germain stand Retsos sogar neunmal nicht im Kader. Die Kaufoption für den U21-Nationalspieler Griechenlands (fünf Einsätze) beträgt 6,5 Mio. Euro, für ein langfristiges Engagement in St. Etienne wie auch in Leverkusen müsste er sich aber wohl noch weitaus überzeugender bewerben.

Leonardo Balerdi (21, von Borussia Dortmund Olympique Marseille)

Beim BVB kam Balerdi so gut wie gar nicht zum Zug. Im Januar 2019 hatten die Schwarz-Gelben das Talent für 15,5 Mio. Euro von den Boca Juniors geholt. Er sollte im Schatten der größeren Namen im Kader unbeschwert reifen können. Richtig aufgedrängt hatte sich Balerdi aber nicht, weshalb ihn die Borussia mit einer Kaufoption über knapp 14 Mio. Euro im Herbst 2020 nach Marseille verlieh. Seine Bilanz in Frankreich liest sich durchwachsen. Der 21-Jährige machte nur jedes zweite Spiel in der Champions League (drei Einsätze) und nur sechs von 16 möglichen Liga-Spielen (ein Tor). Vier dieser Ligue-1-Spiele konnten die Marseillaise aber gewinnen. Für eine Übernahme durch die Franzosen muss Balerdi sich aber noch steigern. Auch eine Rückkehr unter neuem Trainer nach Dortmund scheint möglich.