30. April 2020 / 07:15 Uhr

Bundesliga-Neustart im Mai? Kanzlerin Angela Merkel berät heute mit Ministerpräsidenten

Bundesliga-Neustart im Mai? Kanzlerin Angela Merkel berät heute mit Ministerpräsidenten

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Von einem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder hängt entscheidend ab, ob die DFL den Spielbetrieb der 1. und 2. Bundesliga im Mai wieder aufnehmen darf.
Von einem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder hängt entscheidend ab, ob die DFL den Spielbetrieb der 1. und 2. Bundesliga im Mai wieder aufnehmen darf. © imago images/Bildgehege/Hübner/Montage
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Die DFL hat ein Konzept vorgelegt, um im Mai den Spielbetrieb in der Bundesliga trotz grassierender Coronavirus-Pandemie wieder aufnehmen zu können. Ob es dazu kommt, dürfte entscheidend von einem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder abhängen.

Die Deutsche Fußball Liga wartet an diesem Donnerstag auf ein klares Signal. Die Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder um 14 Uhr könnte die Hoffnung auf einen Neustart der ersten und zweiten Liga zumindest mit Geisterspielen bestärken.

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Ein grundsätzliches Interesse am Fußball ist Merkel nicht abzusprechen. Doch während Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) oder NRW-Landeschef Armin Laschet (CDU) den Volkssport Nummer eins bereits als willkommenes Vehikel benutzten, um sich als Entscheider darzustellen, vermied die Regierungschefin bislang ein Statement zur Frage, die seit Wochen die Fußballnation umtreibt: Wann kann in der Bundesliga wieder der Ball rollen? Am Donnerstag steigt Merkels nächste Gesprächsrunde mit den Ministerpräsidenten der Länder.

Grünes Licht von der Sportministerkonferenz

Die Hoffnung auf eine Fortsetzung des Spielbetriebs wird dadurch genährt, dass sowohl das Bundesarbeitsministerium (SPORTBUZZER berichtete exklusiv) als auch die Sportministerkonferenz (SMK) grundsätzlich grünes Licht für das von einer Taskforce ausgetüftelte Sicherheits- und Hygienekonzept erteilt haben. „Die Fortsetzung des Spielbetriebs vor leeren Zuschauerrängen erachtet die SMK ab Mitte oder Ende Mai für vertretbar“, teilte Bremens Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) mit.

Allerdings dämpfte die SMK allzu große Hoffnungen, dass an diesem Donnerstag schon Entscheidungen fallen. Bedeutet für die Bundesliga: Statt des ursprünglich avisierten Termins am 9. sind der 16. oder 23. Mai für einen Neustart deutlich realistischer. Gegenwind kommt noch von der Gewerkschaft der Polizei, die Menschenansammlungen fürchtet.

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Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer wollte sich am Mittwoch in Berlin nicht festlegen, ob über die Geisterspiele dann spätestens bei der für den 6. Mai geplanten Unterredung von Kanzlerin und Regierungschefs der Länder entschieden wird. „Für die Neubewertung ist das aktuelle Infektionsgeschehen entscheidend“, betonte Demmer. Sie sagte, für die Profis gelten „die gleichen Infektionsschutzregeln wie für alle anderen auch“.

DFL und Rummenigge üben sich in Bescheidenheit

Dem Profifußball bleibt gar nichts anders übrig, sich bis zu einer Freigabe in Bescheidenheit zu üben. Liga-Geschäftsführer Christian Seifert hat in einem FAZ-Interview für die zu Maßlosigkeit neigende Wachstumsbranche einen Reformprozess empfohlen. Dazu soll im Herbst die nächste Taskforce („Zukunft Profifußball“) gegründet werden. Seifert befürwortete eine Gehaltsobergrenze und kritisierte abkassierende Berater.

Fortsetzung oder Abbruch: So ist der Stand in den internationalen Topligen

Das Coronavirus legt den Fußball in Europa lahm - mit Ausnahme der weißrussischen Liga müssen alle Wettbewerbe pausieren. Die Länge der Zwangspause ist dabei unterschiedlich bemessen. Der <b>SPORT</b>BUZZER fasst den Stand zusammen - wie lange pausieren die Ligen in Europa? Zur Galerie
Das Coronavirus legt den Fußball in Europa lahm - mit Ausnahme der weißrussischen Liga müssen alle Wettbewerbe pausieren. Die Länge der Zwangspause ist dabei unterschiedlich bemessen. Der SPORTBUZZER fasst den Stand zusammen - wie lange pausieren die Ligen in Europa? ©

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München, sagte dem Münchner Merkur und der tz: „Natürlich muss der Fußball von Spiel zu Spiel den Beweis erbringen, dass wir mit den Vorgaben vorbildlich und diszipliniert vorgehen.“ Es sei von Anfang an klar gewesen, dass es für das Konzept „nicht nur Beifall gibt“.

Schwachstelle in DFL-Konzept: Positiver Corona-Befund

Noch stellt in dem Konzeptpapier der Umgang mit einem positiven Corona-Fall die entscheidende Schwachstelle dar. Laut Plan soll nur der betroffene Akteur isoliert, nicht die ganze Mannschaft unter Quarantäne gestellt werden, wie es etwa bei Eintracht Frankfurt nach vier Fällen passierte. Das Robert-Koch-Institut stuft „Personen mit kumulativ mindestens 15-minütigem Gesichtskontakt (face-to-face)“ als Risikogruppe 1 ein. Die Taskforce will diese automatische Kategorisierung umgehen.

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Da aber spielt offenbar die Sportministerkonferenz nicht mit. „Die SMK weist darauf hin, dass im Falle einer positiven Testung von Spielern und Betreuern Quarantänemaßnahmen für das betroffene Team erforderlich sind“, heißt es in einer Beschlussvorlage. Letztlich entscheiden örtliche Gesundheitsbehörden über Maßnahmen. Insofern sei es am besten, wenn sich die Beteiligten in einer Art „Dauer-Quarantäne“ nur noch zwischen ihrer Privatwohnung, dem Stadion, Trainingsplatz und irgendwann Mannschaftshotel und Spielfeld aufhalten.

Wie sagte der Taskforce-Vorsitzende Tim Meyer: „Wir können schöne Konzepte machen, die theoretisch sicher sind. Wenn aber diejenigen, die im Kern des Konzepts stehen, nicht mitspielen, haben wir ein Problem.“

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