06. Mai 2020 / 11:19 Uhr

Bundesliga bekommt wohl grünes Licht: Die wichtigsten Fragen und Antworten vor dem Polit-Gipfel

Bundesliga bekommt wohl grünes Licht: Die wichtigsten Fragen und Antworten vor dem Polit-Gipfel

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bundeskanzlerin Angela Merkel entscheidet am Mittwoch mit den Länderchefs, ob die Bundesliga ab Mitte Mai wieder starten kann.
Bundeskanzlerin Angela Merkel entscheidet am Mittwoch mit den Länderchefs, ob die Bundesliga ab Mitte Mai wieder starten kann. © dpa/imago images/Pressefoto Baumann/Montage
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Die Bundesliga blickt am Mittwoch gespannt nach Berlin. Dort wird über die von der Profi-Branche erhoffte Wiederaufnahme des Spielbetriebes entschieden. Die Meinungen sind gespalten – ein Blick auf die Standpunkte .

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Das Land lechzt nach Lockerung. Die Politik spürt, dass die Fesseln durch die Corona-Krise nicht nur existenzielle Ängste ausgelöst haben. Daher soll Bundeskanzlerin Angela Merkel heute gemeinsam mit den Ministerpräsidenten der Länder grünes Licht für die Geisterspiele der Bundesliga unter Einhaltung des erarbeiteten Hygiene- und Sicherheitskonzepts geben – das berichtete bereits am Dienstagmittag die Nachrichtenagentur Reuters. In der Nacht zum Mittwoch legte die dpa nach. Die Politik wolle ihr Okay geben - unter einer Bedingung: „Dem Beginn des Spielbetriebs muss eine zweiwöchige Quarantänemaßnahme, gegebenenfalls in Form eines Trainingslagers, vorweggehen“, heißt es in der der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegenden Beschlussvorlage des Bundes für die Beratungen. Am Mittwochvormittag schrieb die dpa dann von einer "aktualisierten Version" der Beschlussvorlage. Dort ist der Zusatz "zweiwöchig" nicht mehr integriert.

Für Donnerstag hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) eine Mitgliederversammlung angesetzt, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

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Wann wird die Bundesliga wieder gestartet?

Als voraussichtlicher Termin für den Beginn der Geisterspiele ohne Zuschauer bei Zustimmung der Politik gilt der 15. oder der 21. Mai - ein genauer Termin ist offen. Ein Problem für eine sehr zeitnahe Bundesliga-Rückkehr wären die Quarantänebestimmungen und die kurze Vorbereitungszeit mit Mannschaftstraining. Mehrere Trainer wie Frankfurts Adi Hütter fordern einen Vorlauf von zehn bis 14 Tagen. Sportwissenschaftler warnen bereits vor erhöhter Verletzungsgefahr. Nachteil eines späteren Startermins: Um das Saisonende am 30. Juni zu halten, wären bei neun verbleibenden Spieltagen reihenweise Englische Wochen nötig.

Welche Auswirkungen hat das Video von Salomon Kalou?

Der Imageschaden durch das Skandalvideo von Salomon Kalou ist gewaltig. Obwohl Hertha BSC den Profi suspendierte, blieb der Verein eine Erklärung schuldig, warum Mitspieler ihm wie selbstverständlich die Hand reichten oder der Physiotherapeut keine richtige Schutzkleidung trug. Der Einblick in die Kabine entlarvte viele Sicherheitslücken. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat trotzdem keine Zweifel am Konzept ("macht Sinn und kann Vorbild sein für andere Profisportbereiche"). Spahn hofft, "dass jetzt alle verstanden haben, dass es hier um etwas geht".

SPORTBUZZER-Schalte zur Kalou-Suspendierung: Hertha BSC hatte keine andere Wahl

Was bedeuten die positiven Corona-Tests?

Die DFL hat seinen 36 Klubs erst Stillschweigen zu Testergebnissen verordnet und Montag selbst veröffentlicht, dass es bei 1700 Corona-Tests zehn Infektionsfälle gab. Bei Zweitligist Erzgebirge Aue hat sich am Dienstag der Spielerkader samt Betreuern in häusliche Quarantäne begeben, nachdem es einen positiven Test im Funktionsteam gab. Bei Borussia Mönchengladbach lief das Training weiter, obwohl ein Spieler und ein Physio infiziert sein sollten. Laut Kicker soll später ein zweiter Test beim Spieler negativ ausgefallen sein. Der Umgang sorgt immer noch für Widerspruch und könnte die Sollbruchstelle werden: Innenminister Horst Seehofer (CSU) besteht im Gegensatz zur DFL-Taskforce weiter darauf, dass beim Intensivkontakt im laufenden Betrieb nach einem positiven Fall die ganze Mannschaft in 14-tägige Quarantäne muss. Dann wäre der Spielplan vermutlich schnell hinfällig.

Wie denken die Spieler?

Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic, in der DFL-Kommission eines der einflussreichsten Mitglieder, glaubt, dass "vielleicht 90 Prozent" der Spieler für eine Saisonfortsetzung sind. Der 1. FC Köln unterband die besorgten Äußerungen seines Profis Birger Verstraete umgehend. Kleinlaut ruderte der Belgier zurück. Damit drängt sich der Eindruck auf, dass kritische Akteure zu unmündigen Marionetten degradiert werden. Verstraete glaubt: "Wenn jeder Spieler anonym entscheiden könnte – ohne, dass der Verein dir etwas übel nehmen könnte – wäre ich gespannt, wie das Stimmungsbild aussehen würde."

Fortsetzung oder Abbruch: So ist der Stand in den internationalen Topligen

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Wie positionieren sich die Fans?

Die Meinung scheint gespalten. Eine Hälfte ist dafür, dass bald wieder der Ball rollt, die andere dagegen. Laut einer Umfrage des "Bundesliga-Barometers" wünschen sich 91 Prozent eine grundsätzliche Kurskorrektur einer Branche, die für viele den Bezug zur Realität verloren hat. Hellhörig müssen die Stellungnahmen verschiedener Fanvereinigungen machen. Die Gruppierung "Unsere Kurve" teilte mit: "Fußball ohne Fans kann nur eine vorübergehende Erste-Hilfe-Maßnahme sein, um die finanzielle Existenz zu sichern. Aber nur dann, wenn umgehend notwendige Reformprozesse eingeleitet werden."

Wo würden die Spiele im TV zu sehen sein?

Rechteinhaber Sky will die Möglichkeit, einzelne Spiele an ARD und ZDF weiterzuverkaufen, nicht ausschließen. Eine wahrscheinliche Lösung wäre, dass der Free-TV-Kanal "Sky Sport News HD" die Konferenzen der Livespiele überträgt.