17. Mai 2022 / 12:00 Uhr

Bundesliga-Rekordspieler Karl-Heinz Körbel über Frankfurts Chancen im EL-Finale und den UEFA-Cup-Triumph 1980

Bundesliga-Rekordspieler Karl-Heinz Körbel über Frankfurts Chancen im EL-Finale und den UEFA-Cup-Triumph 1980

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Karl-Heinz Körbel triumphierte einst mit Eintracht Frankfurt im UEFA-Cup.
Karl-Heinz Körbel triumphierte einst mit Eintracht Frankfurt im UEFA-Cup. © IMAGO/osnapix (Montage)
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Eintracht Frankfurt kann sich in der Europa League im Finale gegen die Glasgow Rangers den Titel-Traum erfüllen. Der ehemalige SGE-Profi und Bundesliga-Rekordspieler Karl-Heinz "Charly" Körbel gewann mit den Hessen einst den UEFA-Cup. Vor dem Endspiel spricht er im Interview über den Coup 1980 und die Final-Chancen gegen die Rangers.

Karl-Heinz Körbel wurde mit Eintracht Frankfurt viermal DFB-Pokalsieger und holte 1980 den UEFA-Cup. Am Mittwochabend (21 Uhr, RTL) könnte der Klub diesen Triumph gegen die Glasgow Rangers wiederholen. Der SPORTBUZZER, das Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), hat im Vorfeld mit dem ehemaligen Frankfurt-Profi gesprochen.

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SPORTBUZZER: Herr Körbel, vom UEFA-Cupsieg 1980 der Frankfurter Eintracht gibt es an einer Häuserfassade im Stadtteil Bockenheim ein riesiges Wandbild. Sie halten darauf den Pokal. Sind Sie mit dem Bild von einem Zusammenschluss künstlerisch versierter Fans namens "Frankfurter Farbe" eigentlich zufrieden?

Karl-Heinz Körbel (67): Ich bin 2020 mit einer Hebebühne hochgefahren worden, um den letzten Pinselstrich zu machen – mit einer Sprühdose. Eigentlich wollten wir uns mit einigen Ehemaligen darunter immer mal zu Kaffee und Kuchen treffen, aber dann kam Corona. Ich wollte dazu mit dem UEFA-Pokal kommen – damals wusste ich noch nicht, dass ich jetzt vielleicht sogar die richtige Trophäe mitbringen kann (lacht).

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War dieser Sieg im UEFA-Cup 1980 der schönste von ihren fünf gewonnenen Titeln mit der Eintracht?

Das schönste Erlebnis war für mich sicher das DFB-Pokalfinale 1975, wo ich erstmals richtig im Blickpunkt stand. Ich erzielte als junger Spieler gegen den MSV Duisburg das Siegtor. Ein Traum. Ich war gerade erst 20 – und schon der Pokalheld. Das habe ich damals gar nicht so gecheckt. Aber natürlich stehen die UEFA-Cup-Sieger in Frankfurt in einer Reihe mit der Meistermannschaft von 1959. Weil das für die Eintracht so selten passiert und nicht so ausgelutscht ist wie bei den Bayern, erinnert man sich bis heute daran. Ich bin diesmal nur froh, dass wir nicht wieder gegen eine deutsche Mannschaft spielen, sondern gegen die Glasgow Rangers.

Sie sprechen eine Besonderheit aus 1980 an: Im Halbfinale standen vier Bundesligisten. Warum war die Bundesliga damals so stark?

Alle Vereine waren stark und fokussiert. Ich habe gerade am Sonntag vor einer Woche beim Bundesligaspiel mit Rainer Bonhof (Vizepräsident bei Borussia Mönchengladbach, Anm. d. Red.) über die alten Zeiten geredet. Auch er hat gesagt: ,Das war eine so geile Zeit mit so großen Persönlichkeiten.‘ Wir möchten das beide nicht missen. Heute geht es doch fast nur noch ums Geld. 20 oder 30 Millionen Jahresgehalt – das ist doch verrückt.

Körbel: "Wünschen uns alle" den Titel

Wäre es für die Eintracht etwas Besonderes, so kurz nach dem Tod von Jürgen Grabowski das zweite Mal im Europapokal zu siegen?

Wir wünschen uns das alle. Ich hatte das Glück, 20 Jahre lang mit ihm zusammenzuspielen. Bernd Nickel, Bernd Hölzenbein und er – das war die Achse der Eintracht in all den Jahren. Mein persönliches Anliegen ist, dass wir uns bei aller Euphorie an die Tradition dranhängen. Das wissen ja heute nur noch die wenigsten, wie gut diese Generation war.

Wer könnten denn in Sevilla die neuen Helden der Eintracht werden?

Das Paradebeispiel ist für mich Kevin Trapp. Wie er sich als Persönlichkeit entwickelt hat, ist bemerkenswert. Für mich geht kein Weg dran vorbei: Er ist momentan der beste Torwart in Deutschland. Und ich muss auch Sebastian Rode erwähnen: Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn beide Knie bei dir kaputt sind. Aber wie er gegen Barcelona gespielt hat, das war Wahnsinn. Wir können auch über Tuta oder Rafael Borré reden. Einer wird jetzt hoffentlich zu einer neuen Legende, für uns als Verein wäre das die Krönung einer riesigen Entwicklung. Ich bin jetzt 50 Jahre im Verein: So etwas wie jetzt habe ich noch nie erlebt!