12. Januar 2022 / 17:32 Uhr

Bundesligajahre enden für Lübtheener Ringer mit „Katastrophensaison“

Bundesligajahre enden für Lübtheener Ringer mit „Katastrophensaison“

Horst Schreiber
Ostsee-Zeitung
Andrej Ginc aus Torgelow, hier bei der EM, ringt genau wie Bruder Alexander im Bundesliga-Alltag für RV Lübtheen.
Andrej Ginc aus Torgelow, hier bei der EM, ringt genau wie Bruder Alexander im Bundesliga-Alltag für RV Lübtheen. © Kadir Caliskan / UWW via www.imago-images.de
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Der RV Lübtheen hat Qualifikation für eine weitere Bundesligasaison verpasst. Das Team, das mit internationalen Topringern bestückt ist, ist dennoch für die Auszeichnung zur Mannschaft des Jahres von MV nominiert.

Fredrik Bjerrehuus gehört zur absoluten Weltspitze im Ringen. Der Däne stand in Viertelfinals bei Europa- und Weltmeisterschaften und duellierte sich bei den Olympischen Spielen in Tokio. Wenn er nicht gerade auf den großen Matten der Welt kämpft, kommt der 31-Jährige ins 4600-Seelen-Städtchen Lübtheen im Südwesten Mecklenburgs, um den RV Lübtheen in der Bundesliga zu repräsentieren. Dann ringt Bjerrehuus als „Lübtheener Löwe“ an der Seite von deutschen, dänischen und tschechischen Meistern sowie Junioren-Europameistern. Seit Jahren lockt der RVL internationale Topathleten in die Provinz, um in der Beletage der Bundesrepublik mithalten zu können.

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„Wir hatten immer schon Wahnsinnsringer in Lübtheen.“ Wenn Bert Compas von „seinen“ Ringern und dem Werdegang des RVL spricht, kommt er ins Schwärmen. So als könnte der Klubpräsident es selbst nicht glauben. „Ich meine: Das ist Lübtheen! Und wir ringen hier 1. Bundesliga!“

Seit fünf Jahren geht das schon so. 2017 stieg Lübtheen ins Oberhaus auf und wehrt sich seitdem als einziger Verein nördlich des Ruhrgebiets gegen die traditionelle Ringervormacht aus Süddeutschland.


Nun ist der RV Lübtheen als Mannschaft des Jahres von Mecklenburg-Vorpommern nominiert – auch wenn das vergangene Jahr das schwerste war. „Katastrophe“, bringt es Compas auf den Punkt. In der Ost-Staffel reichte es für den nördlichsten Bundesligisten nur zu Platz 5 von 6. Damit verpassten die Mecklenburger den Einzug ins Achtelfinale und sind abgestiegen. Der Deutsche Ringerbund hat die Verschlankung der Bundesliga von vier auf zwei Staffeln beschlossen. Nur die diesjährigen Achtelfinalisten bilden die neue Ost- und Weststaffel des Oberhauses. Der RVL nimmt einen Platz in der neu gestalteten 2. Bundesliga ein.

Viel schlimmer als die sportlich magere Ausbeute wiegen aber die Corona-Beschränkungen. Normalerweise sorgen am Kampftag mindestens 500 Zuschauer für heiße Atmosphäre in Lübtheen. Der kleine Ort nahe der Elbe wird für seinen Anhang vom Bundesliga-Rest beneidet. „Bei uns herrscht eine Wahnsinnsstimmung“, unterstreicht Compas, hält kurz inne und schiebt hinterher: „Jetzt aber war es ein Trauerfall. Für uns ist die Bundesliga ohne Publikum nicht finanzierbar.“ Drei Viertel des hohen fünfstelligen Etats seien weggebrochen. Compas wird deutlich: „So eine Saison mache ich nicht noch mal mit! Bei einer weiteren Saison ohne Zuschauer, breche ich ab.“

So sieht der Support für den RV Lübtheen aus

Das tat Compas 2020 schon einmal. Die Lübtheener hatten zurückgezogen, als sich die Corona-Lage im Herbst verschärfte. „Damals lautete die Bestimmung: Wenn ihr keine 500 Leute mehr reinlassen könnt, lasst es sein. Das galt in diesem Jahr nicht mehr. Die Corona-Zahlen sind aber höher und wir eiern mit den Athleten durch Deutschland.“ Compas ärgert das.

Der 51-Jährige würde das Bundesligaprojekt gern am Leben halten, um weitere sportliche Achtungserfolge in Lübtheen feiern zu können. Compas erinnert sich gern an das Meisterschaftsachtelfinale beim KSV Köllerbach (Saarland), einen der renommiertesten Vereine in Deutschland. Oder an einen Sieg in Kleinostheim (Bayern), aktueller Oststaffel-Sieger. „Da hat ganz Ringer-Deutschland geguckt“, sagt Compas lachend.

Das jüngste Erfolgserlebnis stammt von Anfang Dezember. Da waren die Lübtheener das einzige Mal in der Saison top besetzt und schlugen Greiz (Thüringen) zum Saisonabschluss. „Da hat man gesehen, was wir leisten können. Wir haben eine Top-Mannschaft“, beurteilt Compas.

Die weiteren Kandidaten für die Mannschaft des Jahres MV

Aktuell ringen mit Andrej und Alexander Ginc zwei Jungs aus Mecklenburg-Vorpommern für den RV Lübtheen. Die Brüder aus Torgelow trainieren allerdings – wie alle anderen RVL-Teamkollegen auch – an ihren jeweiligen Stützpunkten und streifen sich nur für den Bundesliga-Wettkampf das Löwen-Trikot über. Der RV Lübtheen würde zu gern weiterhin nationale und internationale Topringer in den eigenen Reihen begrüßen, auch wenn der Verein mutmaßlich ab September sportlich eine Liga tiefer stapeln muss.