28. Mai 2021 / 20:39 Uhr

Lewandowski-Rekord, Schalker Peinlichkeiten, Trainerroulette und Co.: Die Bundesliga-Saison in der Bilanz

Lewandowski-Rekord, Schalker Peinlichkeiten, Trainerroulette und Co.: Die Bundesliga-Saison in der Bilanz

Udo Muras
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sie alle haben die 58. Bundesliga-Saison geprägt (v. l.): Robert Lewandowski, der FC Schalke 04, die Trainer Marco Rose und Adi Hütter.
Sie alle haben die 58. Bundesliga-Saison geprägt (v. l.): Robert Lewandowski, der FC Schalke 04, die Trainer Marco Rose und Adi Hütter. © IMAGO / Poolfoto / Sven Simon (Montage)
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Mit den Abstiegen von Schalke 04 und Werder Bremen, dem Tor-Rekord von Robert Lewandowski und zahlreichen Trainerwechseln wird die Bundesliga-Saison in die Geschichte eingehen. SPORTBUZZER-Statistik-Experte Udo Muras zieht Bilanz.

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Die abgelaufene Bundesliga-Saison bedeutete gleich das Ende mehrerer, seit Jahrzehnten bekannten, Grundordnungen: Robert Lewandowski übertrumpfte Gerd Müllers Torrekord mit 40 Toren aus der Spielzeit 1971/72. Außerdem gehören Werder Bremen und Schalke 04 künftig jeweils zum ersten Mal seit Anfang der Achtziger nicht mehr zum Oberhaus. Der Revierklub aus Gelsenkirchen hat mit der schlechtesten Punkte-Ausbeute der Bundesliga-Historie sogar noch einen Negativrekord obendrauf gesetzt. SPORTBUZZER-Statistik-Experte Udo Muras hat die Besonderheiten der Spielzeit zusammengetragen.

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Eine Saison-Bilanz der Merkwürdigkeiten

Die 58. Bundesliga-Saison ist zu Ende. An manches gewöhnt man sich, Bayerns neunter Meistertitel in Folge sorgt nirgendwo mehr für Herzrasen. Aber dass 28 der 34 Spieltage ganz ohne (zahlende) Zuschauer ausgetragen wurden und der im März 2020 über das Land gefallene Corona-Schatten noch immer nicht vertrieben ist, bleibt befremdlich und skurril.



Die Spielzeit 2020/21 löste die von 1972/73 ab, als nur 17.466 Menschen pro Spiel ein Ticket lösten. Der Tiefstwert aus dieser Saison wird hoffentlich ein ewiger bleiben: 524! In der Summe aller Spiele waren es knapp 160.000, die Corona erlaubte, was in normalen Zeiten von einem Spieltag um Weiten übertroffen wird. Doch normal war gestern. Was fiel noch auf?

Comeback des Heimvorteils:

Gab es im Vorjahr noch einen Rekord an Auswärtssiegen (115), ging die Anzahl nun deutlich zurück (96). Die Heimsiege nahmen moderat zu (von 123 auf 129) und mit Meister Bayern und der Frankfurter Eintracht kamen erstmals seit vier Jahren wieder Teams ohne Heimniederlagen durch eine Saison. Trotzdem handelte sich der 1. FC Köln den Makel ein, seit dieser Saison der Bundesligist mit den meisten Heimniederlagen in der Ewigen Tabelle zu sein (207). Die Unentschieden nahmen zu (81), auch weil sich am 21. Spieltag sieben ergaben – Bundesliga-Rekord.

Jahr der Rekordtorschützen:

928 Tore fielen, über 60 weniger als in der Vorsaison. Dabei wimmelte es vor Spielern, die Torrekorde aufstellten. Allen voran Bayerns Robert Lewandowski, der Gerd Müllers Bestwert von 1971/72 noch um ein Tor übertraf (41), zum vierten Mal in Folge und insgesamt zum sechsten Mal Torschützenkönig wurde. Zuletzt hatte besagter Müller 1972 einen größeren Vorsprung auf Platz zwei, da folgt Frankfurts Andre Silva, dessen 28 Saisontore ebenso Vereinsrekord sind wie die 20 des Hoffenheimers Andrej Kramaric. Dortmunds Wunderknabe Erling Haaland kam auf 27 Saisontore, in dem Alter (20 Jahre) schaffte das keiner.

Trainerroulette: Der Abstiegskampf forderte seinen Tribut, zwölf Cheftrainer wurden ausgetauscht (zuletzt 2016/17), nur die von Dortmund oder Leverkusen standen in der oberen Tabellenhälfte. Schalke beschäftigte inklusive Interimslösung Huub Stevens gleich fünf und stellte Duisburgs Rekord von 1977/78 ein.

Das Roulette schleuderte gleich fünf Trainer an frühere Arbeitsplätze zurück: Funkel (Köln), Dardai (Hertha), Weinzierl (Augsburg), Stevens (Schalke) und Schaaf (Bremen). Kurios auch, dass vier Trainer zum Saisonende freiwillig aus laufenden Verträgen ausstiegen. Stand jetzt haben nur fünf Klubs noch den gleichen Trainer wie zu Beginn der Saison 2020/21.

Die Rekordmeister:

Seit 2009/10 waren Thomas Müller und David Alaba bei allen Meisterschaften der Bayern dabei. Mit nunmehr zehn Titeln zogen sie an Franck Ribéry vorbei. Nach Alabas Abgang hat Müller, seit dieser Saison der Bayern-Spieler mit den meisten Bundesliga-Siegen (279), freie Bahn.

Wunder von Mainz

Mainz 05 und Schalke zierten nach der Hinrunde mit sieben Punkten das Tabellenende. Statistisch eine Garantie für den Abstieg – doch nicht mit dem FSV. Mit 32 Rückrundenpunkten (Vereinsrekord) zog der FSV den Kopf aus der Schlinge und sorgte unter Trainer Bo Svensson für ein Novum. Diese Garantie war abgelaufen. FSV-Stürmer Robert Glatzel schoss übrigens das früheste Tor der Ligahistorie. In Sinsheim traf er schon um13.30 Uhr (Sonntagsspiel).

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Schalker Peinlichkeiten:

Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995/96 holte keiner weniger Punkte als Schalke (16), das nach 30 Jahren zum vierten Mal runter muss – mit der schlechtesten Tordifferenz (–61) seit Tasmania Berlins Absturz 1966 (–93). 28 Spiele ohne Auswärtssieg sind ebenso Vereinsrekord wie 25 Tore, klägliche drei Siege und 24 Niederlagen. 42 eingesetzte Spieler sind gar Bundesliga-Rekord und zeugen von der Verzweiflung am Schalker Markt. Erstmals seit 1972/73 (RW Oberhausen) war eine Mannschaft an allen Spieltagen auf einem Abstiegsplatz. Und mit 110 Spieltagen auf dem letzten Platz hat Schalke jetzt auch diesen Bundesliga-Rekord.

Elfmeterflut

111-mal zeigten die Schiedsrichter auf den Punkt. Das ist der höchste Wert seit 1985/86 (auch 111) und der fünfthöchste der Ligahistorie. 86 Elfmetertore gab es zuletzt 1986/87. Mainz 05 verwandelte auch diese Saison alle Elfmeter und baute seinen Bundesliga-Rekord auf 32 in Serie aus.

Rot-Flaute:

Nur 31 Spieler wurden des Feldes verwiesen, das ist Rekord seit Einführung der Gelben und der Roten Karte (1991/92). Im Vorjahr waren es noch 55. Interessant: erstmals seit 1985/86 gibt es keine Wiederholungstäter, es erwischte 321 verschiedene Rotsünder.

Während Hoffenheim mit vier Platzverweisen die Sünderkartei anführt, kamen Leipzig, Leverkusen und Freiburg ungeschoren davon. Es gab auch 60 Verwarnungen (1082) weniger als im Vorjahr, obwohl bei Schalke gegen Bielefeld gleich elf gezückt wurden – Bundesliga-Rekord eingestellt.

Verkehrte Berliner Welt:

Während „Big-City-Club“ Hertha von Europa nur träumte und sich knapp vor dem Abstieg rettete, rauschte Union im zweiten Bundesliga-Jahr fast unbemerkt in die neue Conference League. Damit sind die Köpenicker der erste Berliner Europaligist, der nicht Hertha heißt, seit 2001. Da nahmen sie selbst, obwohl Zweitligist, am Uefa-Pokal teil (als Verlierer des Pokalfinals).