16. Oktober 2020 / 21:53 Uhr

Keine Zuschauer – oder doch? So viele Fans sind am Wochenende in der Bundesliga erlaubt

Keine Zuschauer – oder doch? So viele Fans sind am Wochenende in der Bundesliga erlaubt

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Aktuell dürften 4000 Zuschauer ins Stadion: In Berlin sind die Corona-Regeln derzeit noch gut für Hertha.
Aktuell dürften 4000 Zuschauer ins Stadion: In Berlin sind die Corona-Regeln derzeit noch gut für Hertha. © Getty/Montage
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Nach und nach werden die Ausnahmegenehmigungen für die Bundesliga wieder zurückgenommen. Der kommende Spieltag an diesem Wochenende wird wieder einmal fast ohne Zuschauer stattfinden. Eine Übersicht.

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Frankfurt ist eine Stadt, in der sich die Menschen nahekommen. Täglich fast 20. 000 Pendler sorgen in öffentlichen Verkehrsmitteln für enormes Aufkommen. Dazu sorgen Gastronomie, Szenetreffs oder Wochenmärkte für Menschenansammlungen. Über den Sommer ist das gut gegangen, jetzt klettern die Infektionszahlen in immer neue Rekordhöhen. Am Donnerstag hat die Stadt die Reißleine gezogen. Weil die Sieben-Tage-Inzidenz – Corona-Fälle binnen einer Woche pro 100.000 Einwohner – auf 70,9 stieg, wird auch der Sport am Stammsitz der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in seinen Freiheiten beschnitten.

Ab sofort gilt die Prämisse: keine Zuschauer bei Profiveranstaltungen. Bislang ist davon nur das nächste Heimspiel von Eintracht Frankfurt in der Bundesliga gegen Werder Bremen (31. Oktober) betroffen, aber Besserung ist danach kaum in Sicht. Denn als Richtschnur hatte sich der Profifußball auf den Wert 35 geeinigt. Der wird fast überall überschritten.

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Schon jetzt steht fest, dass der vierte Spieltag die Rückkehr in den Geistermodus manifestiert. Dass der FC Augsburg sein Spiel gegen RB Leipzig vor leeren Rängen würde bestreiten müssen, war länger klar. Ebenso, dass Schalke gegen Union Berlin nicht auf Fanunterstützung setzen kann. Als am Freitag die Hoffnungen Arminia Bielefelds platzten, fürs Spiel gegen den FC Bayern ein paar Hundert Anhängern Zutritt zu gestatten, flossen auf der Geschäftsstelle Tränen. "Für alle Bielefelder, die solchen Spielen entgegengefiebert haben, ist das sehr schade", sagte Sportdirektor Samir Arabi – keiner darf rein.

300 Fans sind bei den Partien des 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbachs erlaubt, wo das Gesundheitsamt am Freitag die Genehmigung für 10.800 Zuschauer kassierte. Die größte Kulisse am Wochenende kommt wohl in Sinsheim zusammen, wo die TSG Hoffenheim gegen Borussia Dortmund mit 6030 Zuschauern plant. Die niedrige Inzidenz für den Rhein-Neckar-Kreis (30,5) macht es möglich.

Hinter den Kulissen grummelt es. Die Frankfurter Verantwortlichen ärgerten sich über eine "Symbolpolitik", weil sogar bei den Eintracht-Frauen ein Besuchsverbot gilt. Ihnen kommt in der Betrachtung zu kurz, dass die Uniklinik Frankfurt nachgewiesen hat, dass von den ersten Heimspielen der Eintracht vor bis zu 8000 Besucher keine Ansteckungen ausgingen.

Alexander Wehrle, Geschäftsführer des 1. FC Köln und zugleich DFL-Vorstandsmitglied, fordert: "Wir sollten uns grundsätzlich fragen, ob wir nur den Inzidenzwert betrachten oder das umfangreiche Hygienekonzept der Klubs heranziehen." Jan Lehmann, Vorstand beim FSV Mainz 05, wo gegen Bayer Leverkusen 250 Besucher zugelassen sind, bemängelte eine gewisse Unlogik in diesem Zusammenhang: "Wir haben bisher keinen Hinweis darauf, dass es in Stadien zu Ansteckungen kam. Ich finde die Entscheidung daher sachlich schwer nachzuvollziehen." Stadtsprecher Ralf Peterhanwar entgegnete: "Alle Parameter sind im roten Bereich. Das muss auch ein Bundesligist akzeptieren. Ein Virus macht nicht vor den Stadiontoren halt."

Durch die Reduktion der Besucherzahl gehen den Rheinhessen allein heute mal eben bis zu 500.000 Euro durch die Lappen. Etliche Klubs hatten mit einem Teil der Zuschauereinnahmen kalkuliert. Sollten über den langen Winter nur noch Geisterspiele stattfinden, reißt das große Löcher in die Budgetplanungen. Die Teilzulassung von Zuschauern sollte eigentlich testweise bis Ende Oktober laufen: Nun droht der Feldversuch früh zu scheitern.

Die Zuschauer-Zahlen in der Übersicht

  • 1. FSV Mainz 05 – Bayer Leverkusen: 250 Zuschauer
  • FC Augsburg – RB Leipzig: Geisterspiel
  • Hertha BSC – VfB Stuttgart: 4000 Zuschauer
  • SC Freiburg – Werder Bremen: Geisterspiel
  • Arminia Bielefeld – FC Bayern: Geisterspiel
  • TSG Hoffenheim – Borussia Dortmund: 6030 Zuschauer
  • Borussia Mönchengladbach – VfL Wolfsburg: 300 Zuschauer
  • 1. FC Köln – Eintracht Frankfurt: 300 Zuschauer
  • FC Schalke 04 – 1. FC Union Berlin: 300 Zuschauer