13. Oktober 2021 / 20:37 Uhr

Nagelsmann, Rose, Hütter und Co.: Die acht Trainerwechsel des Sommers im ersten Check

Nagelsmann, Rose, Hütter und Co.: Die acht Trainerwechsel des Sommers im ersten Check

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Julian Nagelsmann (FC Bayern), Marco Rose (BVB) und Adi Hütter (Gladbach) nahmen im Sommer neue Aufgaben an.
Julian Nagelsmann (FC Bayern), Marco Rose (BVB) und Adi Hütter (Gladbach) nahmen im Sommer neue Aufgaben an. © IMAGO/M.i.S.-Sportpressefoto/Revierfoto/Laci Perenyi/Eibner (Montage)
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Acht Bundesliga-Klubs verpflichteten zu Saisonbeginn einen neuen Cheftrainer, darunter mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund auch die beiden Branchenführer. Nach etwas mehr als 100 Tagen im Amt macht der SPORTBUZZER vor dem achten Spieltag den Check: Welche Trainer sind in der Spur, welche noch nicht?

Gleich acht Bundesliga-Vereine stellten im vergangenen Sommer neue Cheftrainer ein – darunter die ersten sechs der Abschluss-Tabelle der vergangenen Saison, also unter anderem auch Meister FC Bayern München und Pokalsieger Borussia Dortmund. Julian Nagelsmann, Marco Rose und Co. sind nunmehr seit etwas mehr als 100 Tagen in ihren neuen Ämtern, die Saison ist bereits zu einem Fünftel absolviert. Der SPORTBUZZER macht darum vor dem achten Spieltag den Check: In welchem Klub läuft es – und welcher neue Trainer hat noch Luft nach oben?

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Julian Nagelsmann (FC Bayern München)

Die Vorschusslorbeeren waren groß, als Julian Nagelsmann seinen Dienst beim FC Bayern antrat: Kolportierte 25 Millionen Euro hatten es sich die Münchner kosten lassen, den 34-Jährigen von Vizemeister RB Leipzig loszueisen. Der Start von Nagelsmann, der sich mit dem Wechsel zum Rekordmeister einen Traum erfüllte, verlief holprig. In den Testspielen gelang dem FCB kein einziger Sieg. Als es dann aber um Punkte ging, waren die Bayern wie gewohnt voll da. Nach sieben Spieltagen ist von der vergleichsweise wackeligen Vorbereitung, die von der verzögerten Rückkehr der EM-Fahrer geprägt war, nichts mehr zu spüren. Der Branchenprimus, der zuletzt neunmal in Folge deutscher Meister wurde, ist wieder Tabellenführer, steht in der zweiten Runde des DFB-Pokals und hat in der Champions League seine beiden bisherigen Partien ebenfalls gewonnen. 2,55 Punkte sammelte Nagelsmann mit dem FCB im Schnitt.

Gerardo Seoane (Bayer Leverkusen)

Nach drei Meistertiteln in der Schweiz mit den Young Boys Bern wechselte Gerardo Seoane im Sommer erstmals in seiner Trainer-Karriere ins Ausland. Bei Bayer Leverkusen folgte er auf Interimscoach Hannes Wolf, der zu den Nachwuchs-Teams beim DFB zurückkehrte und bei Bayer nach der Trennung von Peter Bosz eingesprungen war. Die Hoffnung der Leverkusener Verantwortlichen auf attraktiven und zeitgleich erfolgreichen Fußball unter dem Schweizer erfüllt sich bislang: Punktgleich mit dem FC Bayern liegen die Rheinländer auf Rang zwei der Tabelle, haben bereits 20 Treffer erzielt (nur die Bayern haben mit 24 mehr) und erst sieben Gegentreffer zugelassen (nur der SC Freiburg und Mainz 05 haben mit je fünf weniger). Was der geglückte Start wert ist? Das wird die Werkself nach der Länderspielpause beim Gipfeltreffen am Sonntag gegen die Bayern (15.30 Uhr, DAZN) zeigen können.

Marco Rose (Borussia Dortmund)

Es war die vielleicht brisanteste Trainer-Personalie zu Jahresbeginn: Mitte Februar bestätigte der BVB die Einigung mit dem damaligen Gladbach-Coach Marco Rose, der die Borussia vom Niederrhein dank einer Ausstiegsklausel im Sommer für 5 Millionen Euro verlassen durfte. In seinen zwei Jahren in Gladbach holte Rose im Schnitt insgesamt 1,61 Punkte, mit dem BVB sind es in elf Spielen bislang 2,18. Größte Baustelle ist für Rose derzeit die Defensive – 13 Gegentore ließen die Dortmunder bereits zu. Dennoch sind die Schwarz-Gelben auf Kurs, liegen dank der 1:2-Niederlage der Bayern gegen Eintracht Frankfurt nur einen Zähler hinter dem Titelverteidiger. Auch im DFB-Pokal und in der Champions League gaben sich die Westfalen bislang keine Blöße.

Mark van Bommel (VfL Wolfsburg)

Knapp anderthalb Jahre nach seinem Aus bei der PSV Eindhoven heuerte der frühere Bayern-Profi Mark van Bommel als Nachfolger des nach Frankfurt gewechselten Oliver Glasner, der den VfL in die Champions League geführt hatte, in Wolfsburg an. Und er startete mit einem peinlichen Fauxpas: Im sportlich mit 3:1 nach Verlängerung gewonnenen Erstrundenduell im DFB-Pokal bei Regionalligist Preußen Münster leistete sich van Bommel einen Wechselfehler. Die Niedersachsen verloren die Partie daher am "grünen Tisch". In der Liga aber präsentierte sich der VfL unter seinem niederländischen "Leitwolf" bemerkenswert stabil. Erst am sechsten Spieltag (1:3 bei der TSG Hoffenheim) kassierte Wolfsburg seine erste Punktspielniederlage, nachdem die Niedersachsen die ersten vier Begegnungen gewonnen hatten. Ärgerlich aus VfL-Sicht: In der Champions League musste sich das Team an den ersten beiden Spieltagen jeweils mit einem Remis begnügen.

Steffen Baumgart (1. FC Köln)

Sportlich trat Steffen Baumgart, der vom Zweitligisten SC Paderborn nach Köln wechselte, zu Beginn dieser Saison vielleicht das schwierigste Trainer-Erbe der Bundesliga an. Unter Interimstrainer Friedhelm Funkel, der im April Markus Gisdol abgelöst hatte, sicherte der FC erst in der Relegation gegen den Zweitliga-Dritten Holstein Kiel den Klassenerhalt. Doch Baumgart, der für sein extrovertiertes Auftreten und eine offensive Spielphilosophie bekannt ist, gab einer oftmals verunsichert wirkenden Kölner Mannschaft nicht nur den Glauben an sich selbst zurück, sondern auch jede Menge Spielwitz mit. (Zwischen-) Ergebnis nach sieben Spieltagen: Platz sechs mit zwölf Zählern – für diese Ausbeute brauchten die Domstädter in der vergangenen Spielzeit 16 Begegnungen, also mehr als doppelt so viele.


Jesse Marsch (RB Leipzig)

Als der Transfer von Julian Nagelsmann von RB Leipzig nach München feststand, galt Jesse Marsch schnell als einer der Top-Kandidaten für die Nachfolge. Schließlich trainierte der US-Amerikaner bis dato mit großem Erfolg den Leipziger Schwester-Klub RB Salzburg. Kein besonders überraschender, im RB-Kosmos aber folgerichtiger Schritt also, dass die Wahl der Leipzig-Bosse um Oliver Mintzlaff dann tatsächlich auf Marsch fiel. Allein: Der sportliche Durchbruch lässt noch auf sich warten. Nach einem mäßigen Start stehen die Sachsen im Mittelfeld der Tabelle, finden auch dank des jüngsten 3:0-Erfolges über Aufsteiger VfL Bochum aber allmählich Anschluss an die Europapokal-Plätze. In der Königsklasse erwischte Leipzig eine Hammer-Gruppe mit Paris Saint-Germain und Manchester City – entsprechend weit dürfte der Weg ins Achtelfinale dort sein. Fazit: Es braucht Geduld und einen langen Atem für Marsch und seine Mannen.

Adi Hütter (Borussia Mönchengladbach)

Ähnlich brisant wie der Weggang von Gladbach-Coach Marco Rose gestaltete sich auch die Wahl von dessen Nachfolger. Schließlich machte Adi Hütter bei seinem bisherigen Verein Eintracht Frankfurt nicht nur – wie Rose bei seinem Wechsel nach Dortmund – Gebrauch von einer Ausstiegsklausel (7,5 Millionen Euro). Der Österreicher hatte zudem im Februar noch seinen Verbleib am Main angekündigt. Diese Position hielt er später nicht aufrecht. Der Start von Hütter in Mönchengladbach verlief jedoch ähnlich durchwachsen wie in seiner Anfangszeit bei der Eintracht, als er mit den Hessen gar als Titelverteidiger in der ersten Pokal-Runde scheiterte. Mit der Borussia fuhr Hütter nun erst am vierten Spieltag (3:1 gegen Arminia Bielefeld) den ersten Bundesliga-Erfolg ein. Inzwischen liest sich die Bilanz etwas freundlicher: Durch die Siege gegen Dortmund (1:0) und in Wolfsburg (3:1) sind die "Fohlen", die in der Rückrunde unter Rose die erneute Qualifikation für den europäischen Wettbewerb verpassten, immerhin auf Rang zehn geklettert.

Oliver Glasner (Eintracht Frankfurt)

Sportlich war Oliver Glasner beim VfL Wolfsburg zwei Jahre überaus erfolgreich, führte die Niedersachsen gar in die Champions League. Doch schon lange gab es Berichte um vermeintliche atmosphärische Störungen zwischen dem Coach aus Österreich und VfL-Geschäftsführer Jörg Schmadtke. Hinzu kam, dass Glasner ein klares Bekenntnis zu den "Wölfen" vermied, als es erste Gerüchte um einen möglichen Wechsel nach Frankfurt gab. Den vollzog der 47-Jährige dann tatsächlich. Ähnlich wie sein Vorgänger Hütter in Gladbach hatte auch Glasner bei der Eintracht jedoch zunächst Mühe. Erst mit dem 1:0 bei Royal Antwerp in der Europa League glückte den Hessen der erste Sieg unter Glasners Regie. Ein echtes Ausrufezeichen setzte Frankfurt drei Tage später mit dem 2:1 in München – für die Bayern die erste Pflichtspielniederlage unter Nagelsmann, für die Eintracht der erste Liga-Erfolg unter Glasner. Gleichwohl schleppen die Frankfurter in der Bundesliga den Fehlstart noch als Hypothek herum: Nach sieben Begegnungen steht Rang 13 mit nur acht Zählern zu Buche.