27. Dezember 2020 / 11:05 Uhr

Michael Rummenigge: Das sind meine Top- und Flop-Transfers der bisherigen Saison

Michael Rummenigge: Das sind meine Top- und Flop-Transfers der bisherigen Saison

Michael Rummenigge
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Für den SPORTBUZZER kürt Michael Rummenigge die bisherigen Top- und Flop-Transfers der Saison.
Für den SPORTBUZZER kürt Michael Rummenigge die bisherigen Top- und Flop-Transfers der Saison. © Getty Images/imago images/Christian Schroedter (Montage)
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SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge analysiert die Transfers des vergangenen Sommers. Dabei benennt er seine drei Top- und Flop-Verpflichtungen.

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TOP-TRANSFERS

Max Kruse (Union Berlin)

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Man kann Union Berlin zu diesem ablösefreien Deal nur gratulieren. Einen besseren Transfer und ein größeres Schnäppchen kann man sich kaum vorstellen. Max Kruse ist ein Straßenfußballer, der viele Sympathien genießt und Union ist genau der richtige Verein für ihn. Sechs Tore und fünf Vorlagen in zehn Einsätzen belegen dies eindeutig. Umso bitterer ist es für die Berliner, dass Kruse in den kommenden Wochen ausfällt. Unions bisher tolle Saison hängt untrennbar mit Kruses Leistungen zusammen. Er war zwar nie der Schnellste, ist aber technisch sehr stark und unglaublich clever.

Jude Bellingham (Borussia Dortmund)

Jude Bellingham hat bewiesen, dass er in Europa zu den größten Talenten im zentralen Mittelfeld gehört. Trotzdem ist bei einem 17-Jährigen natürlich auch klar: Er muss noch viel lernen und in einigen Bereichen zulegen. Ich denke da vor allem an die körperliche Robustheit und das Zweikampfverhalten, bei dem er noch abgezockter sein sollte. Sein 23-Millionen-Transfer war aber vor allem eine Investition in die Zukunft. Daher muss man sagen: Der BVB hat mit Bellinghams Verpflichtung alles richtig gemacht und offenbar tolle Überzeugungsarbeit geleistet. Denn: In Dortmund bekommt er wichtige Spielpraxis, die er bei einem Transfer zu einem englischen Top-Klub vielleicht nicht erhalten hätte.

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Matteo Guendouzi (Hertha BSC)

Das ist ein Spielertyp, der mir gefällt. Matteo Guendouzi bringt Kultur ins Spiel von Hertha BSC und setzt zudem auch Impulse nach vorn, was ihn mehr zu einem „Achter“ als zu einem klassischen „Sechser“ macht. Auch wenn er bei Arsenal-Trainer Mikel Arteta im Sommer in Ungnade gefallen war, wundert es mich schon, dass die Londoner ihn in die Wüste geschickt haben. Guendouzi würde dem Spiel der „Gunners“ gut zu Gesicht stehen. Nun spielt er in Berlin und hilft der Hertha – auch über das Saisonende hinaus? Ich würde noch nicht entscheiden wollen, ob aus dem Leihgeschäft ein fester Transfer gemacht werden soll. Entscheidend ist auch der Charakter eines Spielers. Und mit Blick auf diesen Punkt steht Guendouzi nach den Scharmützeln bei Arsenal erstmal weiter unter Beobachtung.

FLOP-TRANSFERS

Alexander Sörloth (RB Leipzig)

Eine Sache vorweg: Alexander Sörloth hat in der türkischen Liga in der vergangenen Saison 24 Tore in 34 Spielen geschossen. Das passiert ganz sicher nicht aus Zufall und ist eine überragende Quote. Er beherrscht also sein Fach – eigentlich. Bei RB Leipzig konnte der Norweger, der in seiner Heimat immer ein wenig im Schatten von BVB-Torjäger Erling Haaland steht, dies bislang allerdings nicht nachweisen. Sein bislang einziges Tor für RB war zwar wichtig und hielt Leipzig im Rennen um die am Ende erfolgreiche Qualifikation für das Champions-League-Achtelfinale, doch für einen 20-Millionen-Einkauf ist das einfach zu wenig. Ich bin mir aber sicher, dass wir bald einen anderen Sörloth sehen werden - spätestens dann, wenn er die verschiedenen Systeme von RB-Trainer Julian Nagelsmann verinnerlicht hat.

Loris Karius (Union Berlin)

Wenn ich bei einem Verein in verantwortlicher Position tätig wäre, würde ich Loris Karius nicht verpflichten. Warum? Durch sein Auftreten und seine Aktivitäten in den sozialen Medien bekommt man das Gefühl, dass er sich vor allem als eine Art Popstar sieht. Er sollte sich mehr auf den Sport konzentrieren und mit Leistungen auffallen. Im Training von Union Berlin ist ihm dies bisher offenbar nicht gelungen. Andreas Luthe spielt, Karius sitzt in der Regel auf der Bank. Schon jetzt deutet vieles darauf hin, dass es für ihn nach Ende der Leihe im Sommer zurück zum FC Liverpool geht. Seine Zukunft wäre dann einmal mehr ungewiss. Und ich habe Zweifel daran, dass er bis zum Ende seiner Karriere noch die Kurve bekommen und bei einem Verein wirklich ankommen wird.

Vedad Ibisevic (Schalke 04)

Vedad Ibisevic war eigentlich immer ein super Spieler und hat überall seine Tore gemacht. Seinen Wechsel zu Schalke vor der Saison habe ich aber nicht verstanden – weder aus Sicht des Stürmers, noch aus Sicht des Vereins. Schließlich ist Ibisevic schon 36 Jahre alt. Warum wollte er sich noch einmal eine solch heikle Aufgabe antun? Und warum hat Schalke auf einen Spieler gesetzt, der schon länger auf der Zielgeraden der Karriere ist? Dass es zum Jahreswechsel nun zur Vertragsauflösung kommt, hat aber wohl noch einen ganz anderen Grund: Wahrscheinlich hat Ibisevic den Verantwortlichen zu deutlich seine Meinung gesagt und war schlicht zu ehrlich. Nun steht dem Torjäger ein trauriger Abschluss einer eigentlich tollen Laufbahn bevor. Seine sportliche Vita wird immer mit diesem unwürdigen Ende verbunden sein.