14. Dezember 2019 / 10:58 Uhr

Bundesliga-Turner des TuS Vinnhorst: "Wir lassen niemanden hängen"

Bundesliga-Turner des TuS Vinnhorst: "Wir lassen niemanden hängen"

Carsten Schmidt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
So schön ist der Klassenerhalt: Die Vinnhorster Turner bejubeln ihre Rettung am letzten Bundesliga-Kampftag. Für das Team spricht Kapitän Mika Säfken.
So schön ist der Klassenerhalt: Die Vinnhorster Turner bejubeln ihre Rettung am letzten Bundesliga-Kampftag. Für das Team spricht Kapitän Mika Säfken. © Debbie Jayne Kinsey
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Die NP-Sportlerwahl 2019 – am 21. Januar küren wir unsere Top-Athleten bei der Sportgala im Theater am Aegi. Sie bestimmen mit Ihrer Wahl, wer oben steht. Wir stellen täglich einen Kandidaten vor. Diesmal: Hannovers Bundesliga-Turner des TuS Vinnhorst.

Die Turner des TuS Vinnhorst haben eine Erfolgsgeschichte im vergangenen Jahrzehnt beschrieben. Aus der Regionalliga Nord arbeitete sich der Verein bis in die 1.Bundsliga vor und schaffte auf Anhieb den Klassenerhalt. Kapitän des Teams ist der Hannoveraner Mika Säfken (19), seine Kollegen Vladislav Polyashov (Russland, Teamweltmeister) und Ray Zapata (Spanien, WM-Dritter am Boden 2015) zählen zur Weltelite.

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<b>TSV Hannover-Burgdorf</b> - Handball, Bundesliga-Spitzenteam - 0137/9880823-01 Zur Galerie
TSV Hannover-Burgdorf - Handball, Bundesliga-Spitzenteam - 0137/9880823-01 ©

Mika Säfken, was ist schöner – Aufstieg oder Klassenerhalt?

Beides ist etwas Exzellentes. Unser Weg in die Kunstturn-Bundesliga verlief etwas chaotisch, vielleicht war der Klassenerhalt daher schöner. Wir haben den Aufstiegskampf gegen Pfuhl verloren, sind dann für Heilbronn nachgerückt. Und da wollten wir zeigen, dass der TuS Vinnhorst in die 1. Liga gehört. Es war eine coole Saison, wir haben nur knapp verloren gegen große Gegner wie den späteren deutschen Meister Straubenhardt oder auch Wetzgau mit Andreas Toba. Mit den zwei Siegen zum Saisonende haben wir den Klassenerhalt geschafft, und jetzt wollen wir zeigen, dass wir keine Fahrstuhlmannschaft sind.

"Gemeinsame Zeit mit den Teamkameraden ist wichtig, weil wir uns sonst nur zu den Wettkämpfen sehen"

Wie haben Sie und Ihre Teamkollegen den Klassenerhalt gefeiert?

Wir waren gemeinsam essen mit Freunden und der Familie. Meine Schwester Finja und die anderen Turnerinnen von der KTG Hannover hatten am selben Tag ebenfalls ein weiteres Bundesliga-Jahr perfekt gemacht und sind nach ihrem Wettkampf in Potsdam noch dazugestoßen. Und meine Teamkameraden, die nicht in Hannover wohnen, haben hier übernachtet. Für unsere Mannschaft ist diese gemeinsame Zeit und das Zusammensein wichtig, weil wir uns sonst nur zu den Wettkämpfen sehen.

Die Bundesliga bietet ja eine Herausforderung allein mit den Anreisen, weil die meisten Teams im Süden und Südwesten beheimatet sind.


Da steckte eine Menge Planung drin. Am schnellsten geht es nach Siegen oder Cottbus, aber nach Singen sitzt man schon mal zehn Stunden im Bus. Zu wichtigen Ligaduellen reisen wir am Vortag an. Und wir holen unterwegs unsere Spanier Ray Zapata und Thierno Diallo sowie Vladislav Polyashov aus Russland vom Flughafen ab, meistens in Frankfurt.

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Imke Onnen - Hochsprung, Hannover 96, WM-Finalistin - 0137/9880821-01 ©

Taktik wird auf der Busfahrt besprochen

Was machen Sie und die Kollegen unterwegs?

Manche schlafen, manche hören Musik. Wir bekommen auch Lunchpakete mit auf die Fahrt, und es wird viel gelacht. Außerdem nutzt unser Taktiker Reza Abbasian die Zeit, um den Wettkampf mit uns vorzubereiten und zu besprechen.

Wie läuft diese Einstimmung ab?

In der Bundesliga treten pro Gerät vier Sportler pro Mannschaft an – Mann gegen Mann. Jedes der vier Duelle wird mit Scorerpunkten bewertet, die Differenz ist umso größer, je mehr Punkte es gibt. Daher rechnet unser Taktiker die Zweikämpfe durch. Reza bespricht mit uns auch, ob wir eher auf Sicherheit und Exaktheit oder auf Risiko gehen.

Und wenn ein Kollege mal nicht so turnt wie vorgesehen, gibt es dann Ärger?

Natürlich nicht, der hadert ja schon genug mit sich selbst. Wir versuchen ihn dann aufzumuntern und zu trösten, wir wissen ja, wie groß das Lampenfieber sein kann, wenn man ans Gerät geht. Man darf sich ohnehin nicht hängen lassen, so ein Bundesligawettkampf dauert drei Stunden, da kann man es bei anderen Übungen wieder besser machen. Und es macht Vinnhorst aus, dass wir niemanden hängen lassen.

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<b>Andreas Toba</b> - Turnen, TKH, Deutscher Meister - 0137/9880822-04 Zur Galerie
Andreas Toba - Turnen, TKH, Deutscher Meister - 0137/9880822-04 ©

"Gerade Ray ist richtig aufgeblüht bei uns"

Sind das auch Ihre Aufgaben als Mannschaftskapitän oder tauschen Sie nur den Wimpel?

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Natürlich spreche ich mit den Kollegen während des Wettkampfes, ich halte auch Kabinenansprachen, in denen ich ein kleines Ziel vermittele. Ich habe auch mit der Organisation zu tun, zum Beispiel, wenn es ums Essen unterwegs geht, und bin auch Verbindungsmann zum Trainer und zum Taktiker. Jeder soll sich wohlfühlen, dann mache ich einen guten Job.

In Ihrer Mannschaft gibt es Weltklasseturner aus Spanien und Russland. Was schaut man sich da ab?

Leider sieht man sich nur zu Wettkämpfen, aber natürlich geben sie uns auch Tipps. Wir hatten mal einen Lehrgang in Spanien, da waren Ray und Thierno auch dabei. Da konnten wir auch im Training zusammen üben. Gerade Ray ist richtig aufgeblüht bei uns, er ist ja schon das zweite Jahr dabei, Aber auch die anderen fühlen sich wohl bei uns.

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"Das Wichtigste ist, verletzungsfrei durch die Übungen zu kommen"

Wie läuft die Verständigung?

Auf Englisch, Linus Borchers kann auch etwas Spanisch und springt dann als Dolmetscher ein. Bei Vladislav hilft uns Daniel Chercenko, der Russisch kann.

In Hannover trainieren Sie in einer Gruppe mit Toba. In der Bundesliga turnt er für Wetzgau, Sie für Vinnhorst. Ist das ein Problem?

Das hört sich viel interessanter an, als es ist. Wir Turner sind untereinander befreundet. Ich freue mich, wenn Andreas seine Übung perfekt absolviert und gratuliere ihm. Das Wichtigste ist ohnehin, verletzungsfrei durch die Übungen zu kommen. Aber natürlich ist es etwas Besonderes, gegen einen Andreas Toba zu turnen. Da möchte ich zeigen, was ich im Training gelernt habe und wie weit ich mit meiner eigenen Leistung an sein Niveau herankomme.

Wo turnt Vinnhorst Ende 2020?

Ich hoffe, auf jeden Fall in der 1. Liga. Wir wollen uns noch etwas verbessern und vielleicht einen Sieg mehr als in dieser Saison feiern – zum Beispiel gegen Siegen.