02. September 2020 / 09:00 Uhr

Bundesliga-Vorschau zum VfB Stuttgart: Vieles hängt an González – Neu-Kapitän Castro führt junge Wilde

Bundesliga-Vorschau zum VfB Stuttgart: Vieles hängt an González – Neu-Kapitän Castro führt junge Wilde

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Stehen beim VfB Stuttgart vor der Saison im Fokus: Gonzalo Castro und Nicolas Gonzalez.
Stehen beim VfB Stuttgart vor der Saison im Fokus: Gonzalo Castro und Nicolas Gonzalez. © imago images/Sportfoto Rudel (Montage)
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Teil 5 der SPORTBUZZER-Saisonvorschau auf die kommende Bundesliga-Spielzeit: Der VfB Stuttgart ist eher geräuschlos aufgestiegen. Vor dem Bundesliga-Premierenjahr von Trainer Pellegrino Matarazzo sorgt vor allem eine Personalie für Wirbel: Stürmer Nicolás González.

Eine Aktion verdeutlicht, wieso sie beim VfB Stuttgart so sehr von Nicolás González schwärmen. Es war ein Traumtor höchster Güte, mit dem der 22 Jahre alte Argentinier im Testspiel gegen den Hamburger SV (3:2) in der vergangenen Woche auf sich aufmerksam machte. González überrumpelte den weit vor dem Tor stehenden HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes nach eigenem Ballgewinn mit einem Schuss aus 60 Metern.

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Doch nach dem Trainingslager des Bundesliga-Rückkehrers zeigte sich, wieso González gerade auch das drängendste Thema in Stuttgart ist. Die freien Tage nutzte er für einen Besuch bei seinem Kumpel und Landsmann Alexis Mac Allister von Brighton & Hove Albion. Ein Zeichen dafür, dass es auch González schon bald in die Premier League ziehen wird? Interesse aus England ist überliefert, auch der VfB-Profi selbst hatte direkt nach der vergangenen Saison davon gesprochen, er brauche “eine Luftveränderung”.

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Die Personalie González beschäftigt die VfB-Verantwortlichen in diesem Transfersommer am intensivsten. “Der Junge hat einfach noch einen Schritt nach vorne gemacht im Vergleich zu den letzten Spielen der Zweitligasaison”, sagte Sportvorstand Thomas Hitzlsperger jüngst über seinen Goalgetter. Und das soll etwas heißen: Mit 14 Treffern war er schließlich der beste Stuttgarter Torschütze der vergangenen Spielzeit.


Hinter Sensationsmeister Arminia Bielefeld und vor dem Überraschungsdritten 1. FC Heidenheim schaffte der VfB den direkten Wiederaufstieg ins Fußball-Oberhaus. Die Saison 2019/2020 war aber nicht von Beginn an rundgelaufen. Einen Tag vor Heiligabend musste der erst im Sommer gekommene Tim Walter die Trainerbank räumen. Auf ihn folgte Pellegrino Matarazzo, der zuvor als Co-Trainer beim Lokalrivalen TSG Hoffenheim tätig war – und der nun vor seinem Bundesliga-Premierenjahr als Chefcoach steht.

Castro überraschend neuer VfB-Kapitän

Matarazzo hat nun eine junge Truppe beisammen. Das zeigt sich an den bisherigen Topverpflichtungen. Der in der abgelaufenen Saison ausgeliehene Torhüter Gregor Kobel (22) wechselte fix für 4 Millionen Euro von Hoffenheim nach Stuttgart. Von Zweitligist Hannover 96 kam Innenverteidiger Waldemar Anton (24) ebenso für 4 Millionen Euro. Außerdem holte Stuttgart den Griechen Konstantinos Mavropanos (22) per Leihe vom FC Arsenal. Im Vorjahr war er von den Londonern an den 1. FC Nürnberg ausgeborgt. Jugendliche Unbekümmertheit soll den Weg für den Klassenerhalt ebnen.

Angeführt wird das Team vom neuen Kapitän Gonzalo Castro. Der 33 Jahre alte Mittelfeldspieler löst etwas überraschend Marc-Oliver Kempf ab. Der ehemalige Nationalspieler gehörte in der Vorsaison zwar nicht unbedingt zum Stammpersonal. Doch gerade in der Schlussphase spielte er eine wichtige Rolle – so zum Beispiel mit seinem entscheidenden Treffer zum 3:2 gegen den Aufstiegsrivalen Hamburger SV.

Mit Badstuber und Gomez ist viel Erfahrung weg

Ansonsten sind Routiniers eher rar gesät. Vereinslegende Mario Gomez hat seine Karriere beendet. Ex-Nationalspieler Holger Badstuber ist in die zweite Mannschaft geschickt worden. Dem Regionalligateam soll er “ein gewisses Maß an Stabilität verleihen”, wie Stuttgarts Sportdirektor Sven Mislintat sagte. Gerüchte um einen Wechsel in die USA zu Inter Miami, dem Klub von David Beckham, wurden bislang nicht bestätigt. Auflösen will Badstuber seinen Vertrag trotz einer angebotenen Abfindung von 1,5 Millionen Euro nicht.

Mislintat stellte jüngst zufrieden fest: “Wir haben auch schon jetzt eine sehr, sehr gute Qualität und viel Potenzial in unserem Kader.” Weitere Transferaktivitäten hängen daher vor allem an González. “Wo die Reise für ihn dann endet, weiß niemand”, betonte VfB-Sportvorstand Hitzlsperger. Sicher ist: ein González-Verkauf würde die Karten noch einmal neu mischen. Die Ablösesumme könnte reinvestiert werden. Sein Abgang würde aber definitiv den Verlust eines Leistungsträgers bedeuten – das ist nicht erst seit seinem Traumtor klar.