16. September 2020 / 11:35 Uhr

Bundesliga-Vorschau zum FC Schalke 04: Eine neue Zeitrechnung beginnt – Hoffnung Knappenschmiede

Bundesliga-Vorschau zum FC Schalke 04: Eine neue Zeitrechnung beginnt – Hoffnung Knappenschmiede

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Oldie-Neuzugang Vedad Ibisevic soll mit seinen 36 Jahren für Tore im Schalker Angriff sorgen. 
"Oldie"-Neuzugang Vedad Ibisevic soll mit seinen 36 Jahren für Tore im Schalker Angriff sorgen.  © imago images/RHR-Foto
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Teil 17 der SPORTBUZZER-Saisonvorschau auf die kommende Bundesliga-Spielzeit: Der taumelnde FC Schalke 04 will sich nach einer Katastrophenrückrunde erst mal wieder stabilisieren. Langfristig ist jedoch Besserung in Sicht beim Traditionsverein.

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Innerhalb eines Tages gab der FC Schalke 04 kürzlich gleich zwei Meldungen bekannt, die noch vor einiger Zeit für Ratlosigkeit gesorgt hätten. Zum einen: Torwart Ralf Fährmann, zuletzt eigentlich nicht mehr für gut genug befunden, wurde zur neuen Nummer eins erklärt. Zum anderen: Sebastian Rudy, als Mittelfeldspieler zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft gehörend, agiert in Gelsenkirchen ab sofort als Rechtsverteidiger. Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Oder anders gesagt: Die Not auf Schalke ist groß.

Dass die "fetten Jahre“ erst mal vorbei sind beim Traditionsklub, lässt sich nicht nur im Vereinsimpressum nachlesen, dort, wo der Milliardär und langjährige Aufsichtsratschef Clemens Tönnies nach seiner Demission nicht mehr aufgeführt ist – sondern auch beim Blick auf die jüngsten Transferaktivitäten des Tabellenzwölften der Vorsaison. Der ablösefrei aus Berlin verpflichtete Vedad Ibisevic verzichtet in seinem Einjahresvertrag auf ein Grundgehalt, spielt lediglich für Prämien. Er ist 36 Jahre alt und soll das zuletzt lahmende Offensivspiel beleben – weniger als die 38 Schalker Treffer erzielten in der vergangenen Spielzeit nur die Absteiger Fortuna Düsseldorf (36) und SC Paderborn 07 (37). Dabei helfen soll auch Goncalo Paciencia, den der S04 am Dienstag für ein Jahr plus Kaufoption von Eintracht Frankfurt ausgeliehen hat. „Goncalo wird uns im letzten Drittel noch torgefährlicher und unberechenbarer machen“, so Sportvorstand Jochen Schneider.

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Auch das Tafelsilber des Kaders musste abgegeben werden: Keeper Alexander Nübel (ablösefrei zum FC Bayern) und Weston McKennie (für 4,5 Millionen Euro Leihgebühr zu Juventus Turin) – Letzterer gehörte nämlich zu den Schalker Topverdienern. Der Verein ist mit rund 200 Millionen Euro verschuldet. Für eine neue Nummer eins, wie man sie in dem Freiburger Keeper Alexander Schwolow gern gesehen hätte, reichte es somit finanziell nicht; der Spieler schloss sich lieber einem neureichen Klub wie Hertha BSC an.

Somit müssen es die Spieler richten, die bereits in Gelsenkirchen unter Vertrag stehen – auch wenn sie in der vergangenen Saison kein einziges Spiel für den Verein absolvierten. Fährmann war erst glücklos nach England und dann nach Norwegen weiterverliehen worden, Rudy wurde für ein Jahr nach Hoffenheim abgeschoben. Nun sollen sie genauso wie der von einer erfolgreichen Leihe (vom 1. FC Köln) zurückgekehrte Mark Uth für die sportliche Rehabilitation sorgen, die S04 als schlechtestes Bundesliga-Team der abgelaufenen Rückrunde extrem nötig hat – in den vergangenen 16 Ligaspielen ist man sieglos.

Neue Zeitrechnung bei S04: “Werden die Ziele verändern müssen”

Außer einem überzeugenden 3:0-Testspielerfolg zum Abschluss der Vorbereitung gegen den VfL Bochum gab es jedoch nicht wirklich viel Hoffnung auf Besserung. Gegen die Drittligisten SC Verl (4:5) und den KFC Uerdingen (1:3, darunter ein Gegentreffer von BVB-Fan Kevin Großkreutz) blamierte sich der stolze Klub, der hinter dem FC Bayern und Borussia Dortmund immer noch als die landesweit drittbeliebteste Adresse im deutschen Fußball gilt. Die Diskussion um Trainer David Wagner war sogleich wieder präsent.

Sportlich sind viele Mannschaften längst an den Schalkern vorbeigezogen, darunter manche, die sich einem Investor geöffnet haben. Auch in Gelsenkirchen, wo man noch der Rechtsform als eingetragener Verein unterliegt, sollen etwaige Möglichkeiten in der Zukunft abgewogen werden. Zunächst einmal soll der Klub jedoch stabilisiert werden – auch wenn sich dadurch von den ganz großen Ambitionen verabschiedet hat, wie Sportvorstand Jochen Schneider gebetsmühlenartig betont, wenn er Sätze sagt wie "Wir werden die sportlichen Ziele für ein, zwei Jahre verändern müssen“ und von einer „neuen Zeitrechnung“ spricht. Ohne europäische Wettbewerbe.

Schalkes Hoffnung: Die Knappenschmiede

Ein Ausweg, der sich vor allem mittel- bis langfristig als “elementar wichtig" (Schneider) erweisen könnte, ist, auf die Ausbildung eigener Nachwuchsspieler zu setzen. Die Liste der Spieler, die aus der "Knappenschmiede“ hervorgegangen sind, ist bekanntlich lang: Mesut Özil, Manuel Neuer, Julian Draxler, Thilo Kehrer, Leroy Sané – und übrigens auch Ralf Fährmann.