15. September 2020 / 10:38 Uhr

Bundesliga-Vorschau zum SC Freiburg: Christian Streich ist der wahre Star im Breisgau

Bundesliga-Vorschau zum SC Freiburg: Christian Streich ist der wahre Star im Breisgau

Dennis Ebbecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Christian Streich leitet in Freiburg seit achteinhalb Jahren die Geschicke an der Seitenlinie.
Christian Streich leitet in Freiburg seit achteinhalb Jahren die Geschicke an der Seitenlinie. © imago images/Nordphoto/Montage
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Teil 16 der SPORTBUZZER-Saisonvorschau auf die kommende Bundesliga-Spielzeit: Trotz einer starken Saison, die den SC Freiburg beinahe in die Europa League geführt hätte, geht es für das Team von Christian Streich 2020/21 zunächst nur um den Klassenerhalt - insbesondere weil viele Leistungsträger von anderen Klubs abgeworben wurden. 

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Es ist kein Geheimnis: Der SC Freiburg nimmt im deutschen Fußball eine Sonderstellung ein. Der Sport-Club gilt als familiär und bodenständig. Ein Verein, der sich in den vergangenen Jahren den Respekt und die Sympathie vieler Beobachter erarbeiten konnte, da es dem Team von Trainer Christian Streich immer wieder gelang, trotz wirtschaftlich überschaubarer Mittel seine Bundesliga-Tauglichkeit unter Beweis zu stellen. In der Vorsaison war das nicht anders. Letztlich trennte den Tabellenachten sogar nur ein Punkt von den Europa-League-Rängen.

So positiv das Fazit im Breisgau auch ausfiel: Je besser Freiburg spielt und abschneidet, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Leistungsträger von anderen, finanzstärkeren Klubs abgeworben werden. Wie gut die vergangene Spielzeit wirklich verlief, lässt sich demnach anhand der namhaften Abgänge ablesen: Luca Waldschmidt wechselte für 15 Millionen Euro zu Benfica Lissabon, Innenverteidiger Robin Koch für 13 Millionen Euro zu Leeds United. Zudem verlor der Sport-Club seinen Stammtorwart Alexander Schwolow an Hertha BSC. Dass dieser Verein trotz der traditionell vielen Abgänge nach wie vor ein Bestandteil der Bundesliga ist, hat viel mit dem Coach zu tun.

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Kauzig und sympathisch zugleich: Die Streich-Ära in Freiburg geht weiter

Seit nunmehr achteinhalb Jahren leitet der 55-Jährige die Geschicke im Breisgau und hat sich bundesweit einen Kult-Status erarbeitet – mit akribischer Arbeit und kauzig-sympathischen Interviews. Von Rückschlägen lässt sich der Mann mit dem ausgeprägten badischen Dialekt kaum aus der Ruhe bringen, sein Blick ist stets auf den Trainingsplatz und weniger auf die Tabelle gerichtet. „Am beschte: Machsch‘ de Fernseher aus, schausch‘ de Tabelle nit an, bringt eh alles nix. Spielsch‘! Übsch!“, lautet die Devise des Fußballlehrers. Es sind Sprüche wie diese, vorgetragen in feinstem alemannischen Dialekt, die dazu beigetragen haben, dass in Freiburg längst von einer Streich-Ära die Rede ist. Diese dauert inzwischen bereits gut halb so lange an wie die von Volker Finke, der zwischen 1991 und 2007 insgesamt 16 Jahre lang den Sport-Club prägte.

Mit Blick auf die neue Saison ist Streich vorsichtig optimistisch: „Die Breite vom Vorjahr werden wir wohl nicht noch mal haben, aber wir wollen wieder so aufgestellt sein, dass wir in der Lage sind, Bundesliga-Spiele zu gewinnen“, sagte der Trainer gegenüber SWR Sport. In der ersten Runde des DFB-Pokals konnten seine Mannen bei Waldhof Mannheim (2:1) bereits zeigen, dass sie das Siegen nicht verlernt haben – auch wenn es kein glanzvoller Auftritt war. Streich weiß, dass „sich Dinge neu ordnen müssen, wenn Leute gehen“. Das sei beim SC Freiburg nicht so kompliziert, weil viele Wurzeln schon gewachsen sind. „Die Wurzeln, die jetzt entfernt wurden, wachsen auch wieder nach“, sagt Streich.

Günter, Höfler, Petersen: Dieses Trio gibt im Breisgau die Richtung vor

Als beschleunigende „Dünger“, um den Gedanken des Coaches aufzugreifen, sollen talentierte Neuzugänge wie Ermedin Demirovic (von Deportivo Alavés; zuletzt an St. Gallen ausgeliehen) und Leih-Mittelfeldspieler Guus Til (von Spartak Moskau) dienen. Torwart Benjamin Uphoff kam ablösefrei aus Karlsruhe und ist ursprünglich als Nummer zwei hinter Mark Flekken vorgesehen. Dieser zog sich jedoch vor dem Pokalspiel in Mannheim beim Aufwärmen eine Armverletzung zu und wird länger ausfallen.

Zu den „gewachsenen Wurzeln“ gehören indes Leistungsträger wie Kapitän Christian Günter, Routinier Nicolas Höfler und Stürmer Nils Petersen. Letzterer hat die Erwartungen nach der starken Vorsaison im Bild am Sonntag-Interview ein wenig heruntergeschraubt: „Es ist natürlich schwierig, wenn du Achter geworden bist, zu sagen, wir wollen jetzt 15. werden. Aber natürlich sind wir darauf bedacht, drei Mannschaften hinter uns zu lassen. Das wird schwer genug.“ Mit einem erfahrenen Trainer in den Reihen, der den Fokus weniger auf die Tabelle denn auf die tägliche Arbeit auf dem Trainingsplatz ausrichtet, könnte dieses Unterfangen abermals gelingen.