10. September 2020 / 10:27 Uhr

Bundesliga-Vorschau zu Arminia Bielefeld: Bundesliga-Debüt für Trainer Neuhaus ohne große Sprünge

Bundesliga-Vorschau zu Arminia Bielefeld: Bundesliga-Debüt für Trainer Neuhaus ohne große Sprünge

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Im Alter von 60 Jahren wird Uwe Neuhaus von Arminia Bielefeld demnächst erstmals als Chefcoach auf einer Bundesliga-Trainerbank Platz nehmen.
Im Alter von 60 Jahren wird Uwe Neuhaus von Arminia Bielefeld demnächst erstmals als Chefcoach auf einer Bundesliga-Trainerbank Platz nehmen. © imago images/pmk (Montage)
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Teil 11 der SPORTBUZZER-Saisonvorschau auf die kommenden Bundesliga-Spielzeit: Trainer Uwe Neuhaus wird bei Arminia Bielefeld mit 60 Jahren erstmals Cheftrainer in der höchsten deutschen Spielklasse. Große Sprünge sind für die Ostwestfalen aber nicht drin - auch wegen Corona.

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30 Jahre dauerte es, bis der Spieler Uwe Neuhaus erstmals in der Bundesliga zum Einsatz kam. 60 Jahre dauerte es, bis der Trainer Uwe Neuhaus demnächst erstmals dazu kommen wird. Was wohl nach 90 Jahren mal sein wird, dann für Pensionär Uwe Neuhaus? Samir Arabi, der Sportchef von Arminia Bielefeld, sagt jedenfalls über seinen vielleicht wichtigsten Mitarbeiter: „Wahrscheinlich wird er viel Zeit auf Sylt verbringen und hoffentlich seine Arminia in der Bundesliga verfolgen.“

Sportchef Arabi: "Gummiboot gegen lauter Motorboote"

Angesichts der langjährigen Oberhaus-Abstinenz, die der Klub hinter sich hat, ist es vielleicht eine etwas forsche Ansage, die Arabi da getätigt hat. Zumal der 41-Jährige sonst, wenn er auf die Klassenerhaltschancen des Aufsteigers angesprochen wird, Sätze sagt wie: „Es ist, als würde ein Gummiboot gegen lauter Motorboote antreten. Und wegen Corona hat das Gummiboot jetzt auch noch ein Leck.“

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In Bielefeld schielen sie auf Union Berlin, Aufsteiger im vergangenen Jahr, und Fortuna Düsseldorf, Aufsteiger in der Saison davor. „Mit Hilfe des Publikums“ hätten beide Mannschaften ihre Heimspiele gegen die Topteams aus Dortmund und Gladbach gewinnen können, so Arabi. Beide schafften am Ende auch den Klassenerhalt – Düsseldorf ist inzwischen allerdings wieder Zweitligist. „Solche Überraschungssiege braucht es, um die Chance auf den Ligaerhalt signifikant zu erhöhen“, meint Bielefelds Sportchef. „Ohne Zuschauer fällt das natürlich deutlich schwerer.“

Elf Jahre Wartezeit auf die Bundesliga-Rückkehr

Elf Jahre hatte der Klub auf die Rückkehr in die Bundesliga warten müssen. Genügend Bedenkzeit, um aus den wirtschaftlichen Fehlentscheidungen der Vergangenheit gelernt zu haben, die die Arminia in der Zwischenzeit zweimal in die 3. Liga hatten abrutschen lassen. Mit dem Bau einer neuen Haupttribüne in der Schüco-Arena, der sich von anfangs veranschlagten 11 auf 19 Millionen Euro verteuerte, hatte sich der Verein finanziell verhoben, stand 2014 mit etwa 30 Millionen Euro Schulden knapp vor der Insolvenz. Erst das „Bündnis Ostwestfalen“, eine Allianz finanzkräftiger Unternehmen aus der Region wie Dr. Oetker, Melitta und Gerry Weber, half dem Klub aus der existenziell bedrohlichen Lage.

So weit soll es nie wieder kommen. Auch wenn der Bundesligist mit dem niedrigsten Etat keine großen Sprünge auf dem Transfermarkt machen kann. Dass das Bündnis weiteres Geld dafür zur Verfügung stellt, ist kein Thema. Tätig wurde die Arminia trotzdem, auch wenn die Namen der Zugänge Christian Gebauer (Altach), Jacob Barrett Laursen (Odense), Nathan de Medina (Royal Mouscron), Mike van der Hoorn (Swansea), Noel Niemann (1860 München) und Ritsu Doan (Eindhoven) noch unbekannt sind. Als bundesligaerfahrener Profi wurde nur Sergio Córdova vom FC Augsburg ausgeliehen. „Wir werden kein Risiko eingehen bei Transfers, um die Chance zu erhöhen, in der Liga zu bleiben“, machte Arabi deutlich. Er weiß aber: „Der eine oder andere Spieler mit Erfahrung wäre nicht nachteilig, aber es ist für uns auf dem Markt nicht bezahlbar.“

Parallelen zum SC Paderborn der Vorsaison sind zu erahnen

Dass die Bielefelder damit womöglich so wettbewerbs(un)fähig daherkommen könnten wie der ostwestfälische Rivale SC Paderborn in der Vorsaison, wird in Kauf genommen. Weitere Parallelen deuten sich an. So machte auch Arminia-Coach Neuhaus deutlich, dass man dem eigenen Spielstil treu bleiben wolle – wie vor einem Jahr sein Paderborner Kollegen Steffen Baumgart. „Wir wollen auch in der Bundesliga viel Ballbesitz haben, der auch aus unserem frühen Angreifen resultiert.“ Der SCP hatte dafür viel Lob eingeheimst – stieg aber doch ab.