29. Juli 2021 / 12:02 Uhr

Bundesliga-Vorschau zu Greuther Fürth: Hier wird aus wenig viel gemacht

Bundesliga-Vorschau zu Greuther Fürth: Hier wird aus wenig viel gemacht

Eric Zimmer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die SpVgg Greuther Fürth startet in die zweite Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte.
Die SpVgg Greuther Fürth startet in die zweite Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte. © IMAGO/HMB-Media
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Der SPORTBUZZER beleuchtet vor der neuen Saison die Lage bei den Bundesliga-Klubs. Heute geht es um den Aufsteiger Greuther Fürth, der mit Verwandten von Bekannten, einem Kreisliga-Knipser und einer Förderung in die 1. Liga startet. Für SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge ist die Spielvereinigung ein klarer Abstiegs-Kandidat.

Vor dem Saisonstart durfte sich Bundesliga-Aufsteiger Greu­ther Fürth über eine Finanzspritze freuen: 1,9 Millionen Euro gab es von der Deutschen Fußball Liga, weil die Spielvereinigung top ist in Sachen Nachwuchsarbeit. Zusammengerechnet 11.553 Spielminuten haben selbst ausgebildete U23-Lizenzspieler des Klubs in der vergangenen Zweitligasaison für die Kleeblätter auf dem Platz gestanden, dafür floss die "Local Player"-Kohle.

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"Die SpVgg Greuther Fürth ist der Verein, der durch nachhaltige, professionelle Arbeitsweise Talente fördert, weiterentwickelt und nach oben bringt. Es ist unsere Vision, diesen Ruf und das positive Image zu festigen und weiter auszubauen", heißt es auf der Internetseite des Klubs. Klappt, Fürth hat aus wenig viel gemacht und geht weiter mit jungen Wilden ins Rennen. Zwei Beispiele: Maximilian Bauer, 21 Jahre alt, spielt seit 2014 hier. 44-mal stand er in der 2. Liga auf dem Platz, schoss zwei Tore. Offensivmann Jamie Leweling (seit der U17 dabei) ist 20 Jahre alt, hatte 46 Zweitliga-Einsätze (vier Treffer, drei Vorlagen). Doch es geht auch mal etwas Tafelsilber flöten – wie jüngst Olympiateilnehmer David Raum. Er kam 2006 als Bub zur SpVgg, mit 23 Jahren zog es ihn im Sommer zur TSG Hoffenheim – ablösefrei. "Für den nächsten Schritt in meiner Karriere", sagte er.

Ein bisschen olympisch sind die Fürther aber noch, Tokio-Teilnehmer Anton Stach hat noch einen Vertrag bis Ende Juni 2023. Und mit seinen 22 Jahren sorgt auch er für den niedrigen Altersdurchschnitt von unter 24 Jahren. Erste Bewährungsprobe in der Liga ist das Spiel gegen den VfB Stuttgart am 14. August. Ein weiterer Fürth-Fakt: 30,73 Millionen Euro ist der Kader wert, nur Bochum (30,7 Millionen Euro) liegt darunter. SpVgg-Coach Stefan Leitl zum Kicker: "Wir waren in der 2. Liga mit Blick auf die finanziellen Möglichkeiten ein kleiner Verein, das verschiebt sich in der Bundesliga noch extremer."

Kapitän Hrgota fordert: "Wir müssen immer über unsere Grenzen gehen"

In Sachen Transfers haben sie darauf geachtet, die Defensive zu stärken, denn vorne lief es in Liga zwei stabil: Auch dank der 69 erzielten Treffer sprang Platz zwei heraus. Weil aber im Oberhaus mehr aufs eigene Tor zurollen dürfte, wurden mit Gideon Jung (ablösefrei vom HSV), Adrian Fein (ausgeliehen vom FC Bayern) und Justin Hoogma (Leihe aus Hoffenheim) drei Defensive geholt. Für das zentrale Mittelfeld sind Nils Teufert (Bielefeld) und Max Christiansen (Mannheim, beide ablösefrei) hinzugekommen. Pech hatte Stürmer Jessic Ngankam (ausgeliehen von Hertha BSC): Der 21-Jährige riss sich jüngst das Kreuzband.

Schon der Aufstieg war mit einem Mini-Etat von 8,5 Millionen Euro gelungen. Und wer über den Namen Hoogma gestolpert ist: Der junge Mann ist der Sohn des ehemaligen HSV-Kapitäns Nico-Jan Hoogma (52). Und er ist nicht der einzige Verwandte eines Bekannten im Kader: Zu dem zählt auch Mittelfeldspieler Nunoo Sarpei (22), Neffe von Ex-Profi und Kultfigur Hans Sarpei (45).

Wie Fürth die 1. Liga anpackt? Kapitän Branimir Hrgota sagt: "Wir müssen immer über unsere Grenzen gehen." 16-mal traf der Stürmer in der Aufstiegssaison. Teamkollege Dick­son Abiama schoss Fürth mit dem Tor zum 3:2 gegen Düsseldorf am 34. Spieltag zum Aufstieg. Abiama spielte 2018 noch für die SpVgg Mögeldorf in der Kreisklasse. Ein Fußballmärchen, das mit dem Bundesliga-Klassenerhalt das nächste Kapitel erleben soll.


Von einem weiteren Jahr der Fürther in der Bundesliga geht SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge allerdings nicht aus: "Die Fürther haben eine Mannschaft der Namenlosen, die es in der Bundesliga sehr schwer haben wird – hier geht es anders zu als eine Klasse tiefer", so Rummenigge. "Daher würde mich der Klassenerhalt der Franken überraschen."