23. Juli 2020 / 12:13 Uhr

Rashica und Co. müssen auf Transfers warten: So blockiert das Coronavirus den Transfermarkt

Rashica und Co. müssen auf Transfers warten: So blockiert das Coronavirus den Transfermarkt

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Viele Klubs halten sich aufgrund der Folgen der Krise auf dem Transfermarkt zurück. Auch der Wechsel von Werders Milot Rashica stockt.
Viele Klubs halten sich aufgrund der Folgen der Krise auf dem Transfermarkt zurück. Auch der Wechsel von Werders Milot Rashica stockt. © gumzmedia/nordphoto/Montage
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Die finanziellen Folgen der Corona-Krise erschweren den Bundesliga-Klubs die Suche nach potenziellen Zugängen. Auf dem Transfermarkt halten sich die Klubs mit Spieler-Einkäufen zurück. Spielerberater Stefan Backs geht deshalb von vielen Leihgeschäften aus. 

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Die Sommerpause nutzen Bundesliga-Profis zur Entspannung. Einer wie Milot Rashica von Werder Bremen verweilt in der kosovarischen Heimat und wirkt recht entspannt, obwohl seine Zukunft trotz des erklärten Wechselwunsches nicht geklärt ist. Bei Abstieg hätte der schnelle Dribbler für festgeschriebene 15 Millionen Euro gehen können, nun stellt sich sein Klub eher 25 Millionen vor – die ursprüngliche Ausstiegsklausel von 38 Millionen ist in Corona-Zeiten unrealistisch. Hier beginnen die Probleme: Rashicas Hauptinteressent RB Leipzig will trotz des Verkaufs von Timo Werner insgesamt nur 25 Millionen für Verstärkungen ausgeben, hat aber bereits 9 Millionen für Hee-Chan Hwang aus Salzburg investiert.

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Folglich kommen die Verhandlungen nicht wirklich voran. Die Rashica-Partei ist jetzt auch für Auslandsangebote offen. "England, Italien – vielleicht kommt da noch etwas", sagt Berater Altin Lala. Auch Borussia Dortmund könnte zum potenziellen Abnehmer werden - wenn Jadon Sancho den Verein verlässt. So oder so ist Werder aber erst handlungsfähig, wenn Geld in die leere Kasse kommt. Aber wenn ein Champions-League-Viertelfinalist wie Leipzig mit seinen opulenten Red-Bull-Zuwendungen so sehr auf die Ausgaben achten muss, steckt das ganze Geschäftsmodell fest. Wenn die Großen nicht die ersten Steine ins Rollen bringen, funktioniert das Spiel nicht mehr. Das Virus hat den Transfermarkt blockiert.

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"Dieses Jahr ist alles anders", sagt Berater Stefan Backs. "Jetzt gibt es großen Stillstand, wo sonst reges Treiben herrscht. Viele Vereine haben einen aufgeblähten Kader, wollen aber nicht den ersten Schritt machen, weil sie Angst haben, Spieler unter Wert abzugeben." Eine Problematik, die sich aus den mehreren Dutzend Leihspielern ergibt, die zu ihren Vereinen zurückkehren mussten. Ein prominentes Beispiel ist der in der vergangenen Saison an den 1. FC Köln ausgeliehene Nationalspieler Mark Uth, den die Rheinländer gerne fest vom FC Schalke 04 verpflichten würden, aber dafür eine Einnahme bräuchten, die noch nicht in Sicht ist.

Sané, Schick & Co.: Die Sommer-Zugänge der Bundesliga-Klubs 2020

Bayerns Leroy Sané (von links), Leverkusens Patrik Schick, Dortmunds Jude Bellingham und Leipzigs Alexander Sörloth haben für ihre neuen Klubs bereits gespielt. Zur Galerie
Bayerns Leroy Sané (von links), Leverkusens Patrik Schick, Dortmunds Jude Bellingham und Leipzigs Alexander Sörloth haben für ihre neuen Klubs bereits gespielt. ©

Spielerberater Backs prophezeit: Leihgeschäfte werden an Fahrt aufnehmen

"Alle sind vorsichtig geworden", beobachtet Backs, der vor der Corona-Krise den Transfer von Alexander Nübel zum FC Bayern ausverhandelt hatte. Der ehemalige Journalist rät seinen Klienten dazu, das Anspruchsdenken herunterzuschrauben. Motto: Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach. Berater wie Backs glauben, dass "die Leihgeschäfte später noch Fahrt aufnehmen". Irgendwann sollen irgendwie die Ladenhüter von der Gehaltsliste – auch wenn es dann Spätsommer ist.

HSV-Sportchef Boldt: "Pokerei und Ausreizen von Dealines" gehören dazu

Bewegung könnte in den stockenden Markt kommen, wenn die Vorbereitung beginnt. Für Jonas Boldt vom Zweitligisten Hamburger SV gehören "Pokerei und Ausreizen von Deadlines" dazu, das sei auch nicht schlimm. "Die Summen werden sich halt verringern. Spieler und Berater sind schon bereit, kleinere Brötchen zu backen." Allein, weil die Kadergrößen schrumpfen müssen. Beim FC Augsburg, der sich in Rafael Gikiewicz (Union Berlin), Tobias Strobl (Gladbach) und Daniel Calgiuri (Schalke 04) drei ablösefreie Spieler geholt hat, stehen 39 Profis unter Vertrag. Der große Personalüberhang kann auch nicht von den Zweitligisten aufgefangen werden, die selbst zu drastischen Einschnitten gezwungen sind.

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Große Nachfrage bei der VdV

Nicht umsonst spürt die Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) für das am 3. August beginnende Camp arbeitsloser Berufskicker eine große Nachfrage. Kurzarbeit, Gehaltsstundungen und Teilverzichte haben zu vielen Rechtsfragen geführt. Die Bundesligisten können eingedenk der Einbrüche bei Ticketing und Sponsoring gar nicht anders, als ihren größten Kostenblock, den Personalaufwand, runterzufahren, der zuletzt weit über 1,5 Milliarden Euro lag.

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Sparpotenzial steckt neuerdings auch in den Vertragslaufzeiten: Wer einen Profi erst kurz vor Ende der erweiterten Wechselfrist am 1. Oktober unter Vertrag nimmt, spart drei Monatsgehälter. Aus allen Faktoren zeichnet sich eine Transferperiode ab, in der gute Nerven, enormes Verhandlungsgeschick und eine Menge Geduld gefragt sind. Viele Agenten und Manager passen ihre Urlaubsplanung an und machen jetzt Ferien. Genau wie Rashica.