06. Dezember 2022 / 10:04 Uhr

Bundestrainer nach WM-Aus unter Druck: Das sind Hansi Flicks Kritiker und Befürworter

Bundestrainer nach WM-Aus unter Druck: Das sind Hansi Flicks Kritiker und Befürworter

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Zukunft von Bundestrainer Hansi Flick ist nach dem WM-Aus ungewiss.
Die Zukunft von Bundestrainer Hansi Flick ist nach dem WM-Aus ungewiss. © Imago/Sven Simon (Montage)
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Nach dem Vorrunden-Aus der deutschen Nationalmannschaft ist auch der Posten von Hansi Flick nicht unumstritten – im Gegenteil: Einige Experten forderten sogar seinen Rücktritt. Doch der Bundestrainer hat auch Befürworter.

Die besinnliche Vorweihnachtszeit – liebend gerne hätte Hansi Flick den gesamten Advent im ganz und gar nicht weihnachtlichen Katar verbracht. Obwohl es, dies am Rande, auch hier bei bis zu 25 Grad allerlei Christmas-Schnickschnack zu kaufen gibt. Doch beim DFB – Verzeihung für das an dieser Stelle so abgedroschene, aber auch so passende Bild – brennt der Baum nach dem zweiten Vorrunden-Aus hintereinander bei einer WM.

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Unmittelbar nach der Rückkehr am Freitag hat der Bundestrainer mit der Aufarbeitung des Doha-Debakels begonnen, um die von seinem Boss Bernd Neuendorf eingeforderte "sportliche Analyse dieses Turniers" vorzubereiten. Ein erstes Treffen soll am Mittwoch stattfinden – mit Flick, Präsident Neuendorf und seinem Vize Hans-Joachim Watzke. Auch Oliver Bierhoff sollte der Gesprächsrunde ursprünglich angehören, doch der DFB-Geschäftsführer löste seinen Vertrag überraschend auf, wie der DFB am Montagabend mitteilte.

Definitive Personalentscheidungen sind bei der Analyse nach dem Bierhoff-Aus nicht zu erwarten. Hansi Flick, dessen Vertrag bis 2024 läuft, wird sich aber für das schwache Abschneiden seiner Elf rechtfertigen müssen. Während der 57-Jährige über die Gründe des Scheiterns und künftige Neuerungen mit Blick auf die Heim-EM 2024 grübelt, melden sich Befürworter und Kritiker zu Wort. Der SPORTBUZZER, das Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland, liefert einen Überblick über Flicks Freunde und Gegner:

Überraschenderweise ist die Front der Kritiker relativ überschaubar. Der frühere "Capitano" Michael Ballack meinte als Experte von Magenta TV: "Es gehört beim DFB dazu, dass jede Position hinterfragt wird. Da gehört auch der Trainer dazu." Ex-Nationalspieler Didi Hamann hält ein Festhalten an Flick "für ausgeschlossen". In seiner Sky-Kolumne befindet der frühere Bayern-Profi, Flick sei "kläglich gescheitert. Ich weiß daher gar nicht, was es da zu diskutieren gibt. Misserfolge dürfen nicht geduldet werden." Für die Nachfolge von Flick rät Hamann dem DFB, den Horizont zu weiten. "Wir sind eine der wenigen Nationen, die in ihrer Geschichte noch keinen Trainer aus dem Ausland hatte. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir uns öffnen müssen." Ein Coach aus dem Ausland könne dem DFB-Team "eine andere Sichtweise verleihen, gewisse Dinge zu hinterfragen und ansprechen".

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Klopp und Tuchel als mögliche Flick-Nachfolger?

Namen nannte er nicht. Jürgen Klopp (55) und Thomas Tuchel (49) haben zwar einen deutschen Pass, aber eben auch die Erfahrungen aus Stationen in der Premier League (Klopp seit 2015 und mit Vertrag bis 2026 beim FC Liverpool, Tuchel von Januar 2021 bis September beim FC Chelsea) und der französischen Ligue 1 (Tuchel ab 2018 für zweieinhalb Jahre bei Paris Saint-Germain).

Die Phalanx der Flick-Unterstützer führt sein Kumpel Lothar Matthäus an, der Patenonkel von Flicks älterer Tochter Kathrin. "Hansi zieht die richtigen Schlüsse, ist selbstkritisch genug, um aus seinen Fehlern zu lernen", findet der DFB-Rekordnationalspieler und betonte bei Bild TV: "Ich bin überzeugt, dass er die Nationalmannschaft in eine bessere Zukunft führen kann, er ist für mich der richtige Mann für 2024." Der Ex-Bayer glaubt, "dass die Mannschaft großes Vertrauen hat zu Hansi Flick". Allerdings müsse sein Freund "strenger und härter" werden im Umgang mit den Nationalspielern.

Hansi Flick hat trotz Kritik weiterhin Befürworter

Der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts schrieb in seiner WM-Kolumne für die Rheinische Post, er könne Flick "keinen Vorwurf machen. Er muss mit dem Spielermaterial arbeiten, das da ist, und ich sehe kaum bessere Alternativen." Es habe zu wenige Spieler gegeben, die bereit seien, für die anderen mitzuarbeiten: "Jeder will für sich glänzen."

Sami Khedira, unter Flick, dem damaligen Assistenztrainer von Joachim Löw, 2014 Weltmeister, kritisierte zwar, der Bundestrainer habe "sich etwas verzockt", vertraut aber dem Sieben-Titel-Trainer der Bayern-Jahre 2020 und 2021. ARD-Experte Khedira: "Er hat es bei Bayern schon nachgewiesen. Er ist sehr klar, hat ein super Team und eine gute Spielidee. Er ist streng, aber gleichzeitig auch ein Menschenfänger. Ich würde mir wünschen, dass Hansi bleibt. Ich sehe ihn trotz des Ausscheidens als einen richtig guten Trainer." Sein Weltmeister-Teamkollege von Rio 2014, Bastian Schweinsteiger, hatte Flick nach dem 4:2 gegen Costa Rica im direkten Dialog on air ("Da ist bei mir nicht der Funke übergesprungen") fehlende Konzentration und Gier der Spieler vorgeworfen.

Auch der frühere Nationalspieler Stefan Effenberg betonte bei t-online, dass Flick Bundestrainer "bleiben muss". Wenn die Entscheidung darüber nur so einfach wäre …

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