21. Juni 2021 / 10:23 Uhr

Bundestrainer Pusa: Judo-Ass Scoccimarro hat bei Olympia "eine reelle Medaillen-Chance“

Bundestrainer Pusa: Judo-Ass Scoccimarro hat bei Olympia "eine reelle Medaillen-Chance“

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
In Tokio ein Team: Bundestrainer Claudiu Pusa und Giovanna Scoccimarro. Schon im Februar 2020 hatte Scoccimarro den Bundestrainer überzeugt und behielt ihre Nominierung auch ein Jahr später, nachdem die Spiele auf 2021 verschoben wurden. 
In Tokio ein Team: Bundestrainer Claudiu Pusa und Giovanna Scoccimarro. Schon im Februar 2020 hatte Scoccimarro den Bundestrainer überzeugt und behielt ihre Nominierung auch ein Jahr später, nachdem die Spiele auf 2021 verschoben wurden.  © IJF
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Claudiu Pusa und Judo-Ass Giovanna Scoccimarro - bei Olympia in Tokio sind sie ein Team. Der Frauen-Bundestrainer entschied sich bei der Nominierung in der Klasse bis 70 Kilogramm für die Lessienerin. Er ist sich sicher, dass die Sportlerin des MTV Vorsfelde um die Medaillen kämpfen kann. Warum das so ist und wieso er auch schlaflose Nächte hatte, verrät der Bundestrainer im SPORTBUZZER.

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Als der Anruf vom Frauen-Bundestrainer kam, war der Jubel am Dienstag bei Giovanna Scoccimarro riesig. Das große Ziel war erreicht, die Lessienerin behielt ihre Olympia-Nominierung, kämpft in Tokio für Deutschland im Judo um Medaillen. Claudiu Pusa saß am anderen Ende der Leitung und freute sich mit Scoccimarro. Aber er fühlte auch mit seiner zweiten Top-Athletin in der Klasse bis 70 Kilo mit. Miriam Butkereit (Glinde) hatte Scoccimarro nach der Verschiebung der Spiele auf 2021 im Fernduell noch mal gefordert, konnte der Lessienerin aber nicht mehr das Ticket entreißen. Sie muss zu Hause bleiben.

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"Ich konnte die Tage nicht mehr schlafen, beide haben es verdient, beide können in Tokio Medaillen holen", sagt der Bundestrainer. Ein Luxus-Problem, das er nur noch in der Klasse bis 78 Kilogramm in Deutschland hat. Hier gibt es jeweils zwei Sportlerinnen, die sich dank konstanter Leistungen in den Olympia-Qualifikationslisten eigentlich einen Startplatz für Tokio gesichert haben. Aber es darf nun einmal nur eine Sportlerin pro Nation und Gewichtsklasse starten. "Das tut mir wirklich weh", sagt Pusa.

Mehr über Giovanna Scoccimarro

Doch mit Blick auf Tokio ist er sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. "Giovanna hat über die gesamte Qualifikation eine stabile Leistungsentwicklung gezeigt." Aus seiner Sicht waren vor allem Scoccimarros Auftritte beim Masters in Doha (Katar) und beim Grand Slam in Kazan (Russland) entscheidend: "Das Masters hat den Stellenwert einer Weltmeisterschaft, da dürfen nur die 32 Besten starten." Hier gewann die 23-Jährige Bronze. In Kazan gab's dann Silber, das für den Bundestrainer nach einer diskutablen Final-Niederlage gegen die Lokalmatadorin Madina Taimazova golden glänzt. "Bekannte haben mir berichtet, dass sie selbst im russischen Fernsehen gesagt haben, dass die Deutsche besser war. Aber die Kampfrichter haben das anders gesehen..."

Auch Scoccimarros WM-Aus im Achtelfinale nach dem epischen Golden Score gegen die Australierin Aoife Coughlan sah Pusa anders - und stand mit seiner Meinung nicht allein. "Ich will nicht immer sagen, dass die Kampfrichter Fehler machen, sie haben das anders gesehen. Aber andere Kampfrichter sind zu mir gekommen und haben gesagt, dass die Australierin den dritten Shido hätte bekommen müssen."

Und auch wenn er schlaflose Nächte hatte, weil ihm die Entscheidung für die Unterlegene leid tut - wer Deutschland in Japan in der Klasse bis 70 Kilogramm vertreten wird, war ihm klar. "Giovanna ist in der bereinigten Olympia-Rangliste Fünfte, Miriam Siebte."

Pusa lobt Scoccimarro, die für den MTV Vorsfelde kämpft, nennt sie im positiven Sinn "eine Streberin. Sie arbeitet knallhart mit ihrem Körper. Sie will immer mehr, sie verschiebt ihre Grenze selbst nach vorn. Ihr Akku ist immer voll. Manchmal sagen wir: 'Das brauchst du nicht mehr, das reicht' - und sie versucht immer wieder, irgendwelche Möglichkeiten zu finden, dass sie noch was machen kann. Sie ist ein Profi." Deshalb sagt er im Hinblick auf Tokio: "Ihr Körper ist topfit. Ich mache mir keine Sorgen. Giovanna hat eine reelle Medaillen-Chance!"