24. Juni 2022 / 08:04 Uhr

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg kritisiert: Prämien im Männerfußball "überdimensioniert"

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg kritisiert: Prämien im Männerfußball "überdimensioniert"

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Martina Voss-Tecklenburg startet mit der deutschen Frauen-Nationalmannschaft am 8. Juli in die EM.
Martina Voss-Tecklenburg startet mit der deutschen Frauen-Nationalmannschaft am 8. Juli in die EM. © IMAGO/Fotografie 73 (Montage)
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Mit der deutschen Nationalmannschaft der Frauen will Martina Voss-Tecklenburg bei der in Kürze startenden EM möglichst gut abschneiden. Bei einem Titelgewinn hat der DFB die höchsten Prämien der Geschichte für ein Frauen-Team ausgelobt. Sie liegen allerdings trotzdem klar unter denen der DFB-Männer. Voss-Tecklenburg kritisiert die "überdimensionierten" Männer-Prämien.

Gewinnt die deutsche Frauen-Nationalmannschaft die am 6. Juli in England startende Europameisterschaft, erhält jede Spielerin aus dem 23-köpfigen Aufgebot 60.000 Euro. So viel Geld hat der DFB noch nie für ein Frauen-Team ausgelobt - und doch hätten die Männer bei einem EM-Sieg im vergangenen Sommer satte 340.000 Euro mehr (also 400.000 Euro) pro Kopf erhalten. "Ich finde gut, dass unser Verband mehr an die Spielerinnen weitergibt, wenn auch mehr hereinkommt", sagt Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND+). Gleichzeitig kritisiert sie jedoch die Summen im Männer-Fußball.

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"Der Auftrag an die FIFA und die UEFA ist, dass es irgendwann ein Prämiensystem gibt, wo es für alle gleich ist – das würden wir uns wünschen", macht die 54-Jährige klar. Im Hinblick auf das Geld, was im Männerfußball im Umlauf ist, wünscht sich Voss-Tecklenburg eine Anpassung auf beiden Seiten: "Ich sage aber auch, dass das, was im Männerfußball passiert, einfach überdimensioniert ist. Das sind Bereiche, die der normale Fan nicht mehr nachvollziehen kann. Deshalb möchte ich mich gar nicht an Zahlen binden, sondern es muss sich annähern: beim Männerfußball weniger und bei uns vielleicht ein bisschen mehr", so ihr Vorschlag.

400.000 Euro pro Person könne sich der DFB für ein Frauen-Team auch schlicht nicht leisten, meint Voss-Tecklenburg. So könne man zwar darüber nachdenken, die Prämien der Männer- und Frauenteams der Profis sowie der U21 "anzugleichen, weil diese drei Teams vorneweg marschieren. Aber es ist nicht möglich, dass die Frauen für einen Titel 400.000 Euro bekommen". Dies könne sich "kein Verband in Europa leisten, solange der Männerfußball die Sportart Nummer eins ist, die alles andere überstrahlt". Ganz anders als in den USA, wo die Frauen kürzlich ihre Forderungen durchsetzen und nun die gleichen Prämien wie die Männer erhalten.

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Bei der Fußball-Europameisterschaft in England trifft die deutsche Frauen-Nationalelf in der Gruppenphase auf Dänemark (8.7.), Spanien (12.7.) und Finnland (16.7., je 21 Uhr), die Partien des Rekordtitelträgers werden von ARD und ZDF live übertragen. Die Generalprobe für das Turnier steht bereits an diesem Freitag gegen die Schweiz (17 Uhr/ZDF) an.