20. August 2020 / 13:57 Uhr

Bunge und Sauer verpassen Pokalfinale - Verband lehnt Eilenburger Eilantrag ab

Bunge und Sauer verpassen Pokalfinale - Verband lehnt Eilenburger Eilantrag ab

Susan Stephan
Leipziger Volkszeitung
Tim Bunge (l.) und Philipp Sauer haben Zwangspause.
Tim Bunge (l.) und Philipp Sauer haben Zwangspause. © Alexander Prautzsch
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Werden niederklassige Vereine im Sachsenpokal benachteiligt? Der FC Eilenburg und sogar der Präsident des Sächsischen Fußball-Verbandes Hermann Winkler sind in gewisser Weise davon überzeugt. Tim Bunge und Philipp Sauer nützt das wenig. Sie müssen das am Samstag anstehende Finale gegen den Chemnitzer FC von der Tribüne aus verfolgen.

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Eilenburg. Wie bitter ist das denn? Philipp Sauer und Tim Bunge vom Oberligisten FC Eilenburg werden das Sachsenpokal-Finale gegen den Chemnitzer FC (14.45 Uhr, Ilburg-Stadion, live im SPORTBUZZER-Radio) verpassen. Beide sind nicht etwa krank oder verletzt, sondern wegen der zweiten gelben Karte im laufenden Pokalwettbewerb gesperrt. „Wir wissen, dass diese Regelung ungerecht ist“, gestand der Präsident des Sächsischen Fußballverbandes (SFV), Hermann Winkler, auf der Pressekonferenz vor dem Spiel. Das bringt den beiden Kickern aber keine Spielberechtigung. Zum Ärger des FCE. Der stellte einen Eilantrag auf Aufhebung der Sperren, der am Donnerstag vom Verband abgelehnt wurde.

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Neuregelung zu Ungunsten der Amateurvereine

„Wir haben uns an den SFV und den CFC gewandt und auf Auslegungspielräume in den Regelungen in der Spielordnung hingewiesen. Im Sinne des Fairplays wäre die Aufhebung der Gelbsperren in Zeiten von Corona, in denen angeblich alle ein Stück zusammenrücken und fairer miteinander umgehen sollen, der richtige Schritt“, erklärte FCE-Präsident Steffen Tänzer. Der finanzgebeutelte CFC, seit mehr als zwei Jahren im Insolvenzverfahren und von einer Abwicklung bedroht, lehnte allerdings sofort ab. Am Donnerstag nun auch der Verband. Man wolle die Spielordnung nicht kurzfristig ändern. Herrmann Winkler kündigte immerhin an, dass diese auf jeden Fall korrigiert werden soll. Er will aber erst einmal eine Expertenkommission bilden. Und das kann dauern.

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Im Vordergrund stehe eine sorgfältige Prüfung, betonte Winkler. Er räumte ein, dass man es „verpennt“ habe, die Regel vor der Saison zu ändern. Sein Geständnis mag schön sein, die ganze Wahrheit ist jedoch schlimmer: Das Regelwerk wurde erst vor dieser Saison zum Nachteil der kleinen Amateurmannschaften noch verschärft. Dies fällt dem FC Eilenburg jetzt auf die Füße. Während die gelben Karten bis zum vergangenen Jahr beim Erreichen des Achtelfinals nämlich erloschen (damit wäre zumindest Sauer spielberechtigt gewesen), zählen sie jetzt vom allerersten Spiel bis zum bitteren Ende.

Nahezu kompletter Teamtausch beim CFC

Dabei war den SFV-Granden bei der Neufassung durchaus klar, dass die Gelbregelung nahezu ausschließlich sportlich unterlegene Underdogs treffen würde. Sie steigen früher als die Regional- und Drittligisten in den Wettbewerb ein, die Wahrscheinlichkeit von Sperren ist entsprechend größer. Auf dem Weg ins Finale musste der FC Eilenburg seit der 2. Hauptrunde fünf Spiele austragen. Der CFC nur vier, er begann erst eine Runde später.

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Als Oberligist stieg der FC Eilenburg in der zweiten Pokalrunde ein und gewann 4:0 bei der SpVgg Reinsdorf-Vielau - nach Treffern von Fabian Döbelt, Tim Bunge, Toni Majetschak und einem Eigentor. ©

Doch nicht nur dieser Fakt schreit vor Ungerechtigkeit. Ein gesperrter Spieler im Finale ist für den CFC in dieser Saison ein Ding der Unmöglichkeit. In der Sommerpause wurde nach dem Drittliga-Abstieg fast die gesamte Mannschaft ausgetauscht. Mit jedem Vereinswechsel lösen sich auch gelbe Karten in Luft auf. Eine Farce für den FCE, dessen jahrelange Personalkontinuität, unter anderem mit neun Spielern, die schon im Eilenburger Nachwuchs unterwegs waren, jetzt bestraft wird.

FCE-Präsident bleibt gelassen

Die Chemnitzer wollten den Eilenburgern jedenfalls nicht entgegenkommen. Die Begründung ihrer Ablehnung – dass die Eilenburger ohne Corona-Pause gegen eine viel stärkere Drittliga-Mannschaft hätten spielen müssen – wirkt albern. Der CFC-Abstieg, bekanntlich an vielen Ecken und Enden hausgemacht, hat jeden sächsischen Fußballfan geärgert. Die Eilenburger dürften jedenfalls am wenigsten dafür können, dass der Finalgegner vom Sonnabend jetzt wieder in der Regionalliga unterwegs ist.

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Überraschung in Eilenburg: Der Oberligist setzt sich im Halbfinale des Sachsenpokals mit 1:0 gegen Favorit 1. FC Lok Leipzig durch. Zur Galerie
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Wie geht es nun weiter? Thematisiert der Außenseiter die zuletzt ebenfalls heftig geführte Diskussion über neue Spielrechte in der alten Saison noch einmal?

Steffen Tänzer, seit vielen Jahren im Sportrecht kein unbeschriebenes Blatt, gibt sich locker. „Das Finale ist für Eilenburg und die Region ein tolles Ereignis. Wir alle, Mannschaft, Verein, Fans und Sponsoren, haben es nicht geschenkt bekommen. Es ist Ausdruck langjähriger nachhaltiger und solider Arbeit im Ehrenamt und wird nicht das Ende unseres Weges sein. Wir werden in jedem Fall die Früchte dieses Weges ernten“, meinte der FCE-Präsident: Wenn dabei im Interesse aller Amateurvereine vielleicht die eine oder andere Ungerechtigkeit für die Zukunft gleich mit beseitigt werden kann, ist es umso besser.“