25. Februar 2018 / 15:49 Uhr

Busse und Busse beim SV Gehrden: Ein Auto, eine Wohnung, ein Verein

Busse und Busse beim SV Gehrden: Ein Auto, eine Wohnung, ein Verein

Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Roman (links) und Marcel Busse (hier noch im Trikot der JFV Calenberger Land) sind mittlerweile beim SV Gehrden auch neben dem Feld unzertrennlich.
Roman (links) und Marcel Busse (hier noch im Trikot der JFV Calenberger Land) sind mittlerweile beim SV Gehrden auch neben dem Feld unzertrennlich. © Rainer Hennies (Archiv)
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Die Zwillinge Roman und Marcel Busse kamen nur drei Tage vor einer der dunkelsten Stunden von Hannover 96 auf die Welt. Dem Nachwuchs der Roten gaben sie zwar keinen Aufwind, dafür aber ihrem Heimatverein SV Gehrden. Die beiden teilen ein Auto, wollen in eine gemeinsame Wohnung und spielten trotzdem einmal gegeneinander. Ein Doppel-Porträt.

Als Hannover 96 am 2. Juni 1996 trotz eines 4:2-Erfolges gegen den Chemnitzer FC in die Drittklassigkeit abstürzte, gab es nicht wenige im Umfeld des Vereins, die nach einer besseren Nachwuchsarbeit riefen. Nur mit einem vernünftigen Unterbau könne es gelingen, auf lange Sicht wieder eine schlagkräftige und stabile Mannschaft auf die Beine zu stellen. Vorauseilender Gehorsam ist es sicher nicht gewesen, dass Manon Brock nur drei Tage vor dem bittersten Moment in der Vereinsgeschichte der Roten in Gehrden Zwillinge zur Welt brachte – doch zumindest eine amüsante Randgeschichte. ​

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​An Leveste hatten die Busses "noch kein Interesse"


Im ersten Anlauf klappte es allerdings noch nicht so recht mit Roman, seinem um eine Minute älteren Bruder Marcel und dem runden Leder. Ihr Großvater sei mit ihnen im Alter von vier oder fünf Jahren mal beim Bambini-Training des TV Jahn Leveste gewesen, doch „da hatten wir daran noch kein Interesse“, sagt Roman Busse und schmunzelt. Knapp 22 Jahre nach ihrer Geburt hat sich das radikal geändert. „Ohne Fußball geht bei uns einfach nichts“, fährt Roman Busse fort.

Die beiden Offensivspieler sitzen im Sportheim ihres SV Gehrden und müssen viele Hände schütteln, man kennt sich eben im 15000-Einwohner-Ort. Nachdem sie die Bestellung aufgegeben haben - wie es sich für Zwillinge gehört ordern beide das Gleiche, Schnitzel, das in der Karte in der Kategorie „Profi“ geführt wird - berichten die beiden, wie das alles so begonnen hat mit ihnen und der Liebe zum Fußball. „Mit sechs haben wir beim SV Gehrden angefangen“, erzählt Marcel Busse. Und diesmal blieben sie.

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Mustafa Akcora, Kapitän beim SC Hemmingen-Westerfeld, spielte für den HSC Hannover und den FC Can Mozaik bevor er nach Hemmingen wechselte. Akcora lenkt das Spiel des Bezirksligisten und ist für die Standards zuständig. ©

Von Havelse getrennt - von Egestorf vereint


Bis zur C-Jugend kickten die Busses im gleichen Team, ehe der Trainer des TSV Havelse anrief, um Roman nach Garbsen zu locken. Und dieser musste nicht zweimal überlegen, den Schritt wollte er unbedingt gehen – auch ohne seinen Bruder. „Mir war klar, dass wir irgendwann wieder zusammenspielen werden“, sagt Roman Busse. Auch Marcel nahm ihm den Wechsel nicht übel. Sogar über den Treffer, den Roman in der B-Junioren-Zeit im TSV-Trikot gegen seinen Bruder und den SV Gehrden erzielte, können beide herzlich lachen. „Da habe ich das Tor meines Lebens geschossen“, erzählt Roman. „Nicht nachgedacht und volley von der rechten Strafraumkante links oben in den Winkel“, schwärmt er noch heute. Der Rest war Jubel – aus Achtung vor seinem Ex-Verein oder seinem Zwillingsbruder diesen Treffer eher still zu genießen, sei keine Option gewesen. „Man sollte sich einfach über jedes Tor freuen, das man schießt“, sagt dann auch Marcel verständnisvoll.

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Nach zwei Jahren in Havelse wechselte Roman Busse zur JSG Egestorf/Langreder/Goltern, Marcel ging weiterhin im Trikot des SV Gehrden auf Torejagd. Erst in der A-Junioren-Zeit kam es dann so, wie Roman es bei seinem Wechsel zum TSV bereits prophezeit hatte. Denn auch Marcel schloss sich den Egestorfern an, die beiden Zwillinge waren wieder vereint und versuchten sich später gemeinsam bei den Männern im damaligen Oberliga-Team des 1. FC Germania. Roman bekam auch dort seine Einsätze, flog mit der Mannschaft von Trainer Jan Zimmermann ins Trainingslager („Acht Einheiten in drei Tagen, das hat man schon in den Beinen gemerkt“) und wurde in der Saison darauf sogar für eine knappe Viertelstunde im DFB-Pokalspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim eingewechselt. „Vor 3000 Leuten, das war schon was Besonderes“, sagt Roman Busse.

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​9696 auf dem Auto


Ganz so viele begutachten ihre Auftritte mittlerweile nicht mehr, denn zwischenzeitlich sind sie wieder an den Ort ihrer Anfänge zurückgekehrt. Unweit von der Stelle, an der die Brüder früher auf den Feldern spielten und wo sie derzeit im Neubaugebiet ihre erste eigene – natürlich gemeinsame - Wohnung suchen, kicken sie seit Sommer des vergangenen Jahres wieder für ihren Heimatverein in der Bezirksliga. Marcel war bereits 2016 nach Gehrden zurückgewechselt, Roman folgte ihm nach einem persönlich nicht zufriedenstellenden Jahr bei Germania. „Für mich war es schön zu wissen, im Halbfinale wieder mit ihm im Sturm zu spielen“ erinnert sich Marcel an ihren ersten wichtigen gemeinsamen Auftritt im Bezirkspokal gegen die SpVgg. Bad Pyrmont. Mit 4:0 beförderten die wiedervereinten Zwillinge - mitsamt ihrer Kollegen natürlich - den klassenhöheren Gegner aus dem Wettbewerb. Beide Brüder trafen und legten sich die Tore gegenseitig auf. „Ich bin selbstbewusster, wenn ich weiß, dass er da ist“, sagt Marcel. „Das ist einfach der Instinkt, weil du weißt, wo der andere hinläuft“, ergänzt Roman.

Ihre beiden Rückennummern - 22 und 8 - ergeben in Summe den Tag ihrer Geburt. Irgendwann nochmal gemeinsam in der Landesliga mit dem SV Gehrden zu spielen, das wäre etwas, sagen beide unisono. Die Junioren-Teams von Hannover 96 haben Busse und Busse zwar nie bereichert, doch zumindest drücken sie den Roten häufig vor dem Fernseher die Daumen. 9696 steht auf dem Kennzeichen ihres Autos, mit dem sie vom Sportheim abfahren. Die Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen stehen davor. Ein bisschen zur Nachwuchsförderung von Hannover 96 hat Manon Brock am 30. Mai 1996 also doch beigetragen.

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