10. Februar 2019 / 22:12 Uhr

Pokal-Aus, Last-Minute-Remis: Verspielt der BVB jetzt alles? Die Analyse

Pokal-Aus, Last-Minute-Remis: Verspielt der BVB jetzt alles? Die Analyse

Daniel Theweleit
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Borussia Dortmund steht am Scheideweg der Saison. Nach dem Pokal-Aus bleiben nun auch in der Bundesliga die Ergebnisse aus.
Borussia Dortmund steht am Scheideweg der Saison. Nach dem Pokal-Aus bleiben nun auch in der Bundesliga die Ergebnisse aus. © imago/Thomas Bielefeld
Anzeige

Eine Woche zum Vergessen: Erst scheitert Borussia Dortmund im DFB-Pokal gegen Werder Bremen, dann genügt eine 3:0-Führung gegen Hoffenheim nicht zu einem Sieg in der Bundesliga. Jetzt droht der BVB alles zu verspielen. Die Analyse.

Anzeige
Anzeige

Es war eine Art Schockzustand, in dem die Dortmunder sich am späten Samstag befanden. Die Gesichter waren ernst, die Blicke leer. Beistand und Trost hätte ihnen in diesen Momenten gutgetan, aber Julian Nagelsmann, dessen Sympathien für den FC Bayern München kein Geheimnis sind, rührte in der Wunde, die dieses 3:3 (2:0) des Tabellenführers gegen Hoffenheim hinterlassen hat. „Das war nicht glücklich für uns, das war eher glücklich für Dortmund“, behauptete er, nachdem seine Mannschaft innerhalb von einer Viertelstunde einen hoffnungslosen 0:3-Rückstand aufgeholt hatte. Sein Team habe „die Chancenqualität für fünf oder sechs Tore“ gehabt, fuhr Nagelsmann fort und entzauberte damit die Legende von dem „tollen Spiel“, das die Dortmunder in den Augen von BVB-Assistenztrainer Manfred Stefes bis zur 75 Minute angeblich gemacht hatten.

BVB in der Einzelkritik: Die Noten gegen die TSG 1899 Hoffenheim

BVB-Keeper Roman Bürki war einer der besten Spieler beim Last-Minute-Remis gegen Hoffenheim. Alle Spieler hier in der Einzelkritik. Zur Galerie
BVB-Keeper Roman Bürki war einer der besten Spieler beim Last-Minute-Remis gegen Hoffenheim. Alle Spieler hier in der Einzelkritik. ©
Anzeige

Hoffenheim demontierte den BVB wie kein Team zuvor

Zwar hatte Jadon Sancho zauberhaft gespielt, das 1:0 selbst geschossen (32.), das 2:0 des starken Mario Götze vorbereitet (43.) und Raphael Guerreiros 3:0 (66.) mit einem hübschen Hackentrick eingeleitet. Aber eigentlich demontierten die Hoffenheimer den BVB in der gesamten zweiten Hälfte wie noch kein Team zuvor. Es war kein glückliches Remis, sondern ein Ergebnis, das viel mit den zuletzt immer wieder sichtbaren Defensivschwächen des BVB zu tun hatte. Der Titelkandidat befindet sich in der schwierigsten Phase dieser Saison.

Mehr zum BVB

Den klarsten Blick auf die Lage hatte Axel Witsel, der diese Woche der Enttäuschungen in den Gesamtkontext setzte. „Wir hatten verrückte und sehr positive Monate, jetzt haben wir eine Woche, in der wir dreimal nicht gewonnen haben“, stellte der Belgier nüchtern fest.

Fakt ist: Viele BVB-Siege in der Hinrunde kamen glücklich zustande

Fakt ist: Etliche Hinrundenerfolge kamen mit einer gehörigen Portion Glück zustande. Und vielleicht ist so eine Krise in dieser Phase der Saison sogar besser verkraftbar als irgendwann im Frühjahr, wenn die Schäden nicht mehr reparabel sind. Wobei die Aura der Stärke und die souveräne Ausstrahlung, die das Team während der Hinrunde umgaben, nachhaltig beschädigt sind. Gegen Eintracht Frankfurt haben sie eine 1:0-Führung verspielt, gegen Werder Bremen im Pokal führten sie 2:1 und 3:2, am Ende schied der BVB trotzdem aus. Nun haben sie gar ein 3:0 aus der Hand gegeben, das Team verliert regelmäßig ganz zum Schluss die Kontrolle.

Internationale Pressestimmen zum Titelrennen in der Bundesliga

Der FC Bayern München hat sich im Titelkampf der Bundesliga zurück gemeldet - weil der BVB in letzter Minute patzt. Die internationalen Pressestimmen hier zum Durchklicken. Zur Galerie
Der FC Bayern München hat sich im Titelkampf der Bundesliga zurück gemeldet - weil der BVB in letzter Minute patzt. Die internationalen Pressestimmen hier zum Durchklicken. ©
LESENSWERT

Diese dunkle Serie wirft die Frage auf, ob das Problem womöglich grundlegend ist. Beginnt der BVB mit dem Atem der Bayern im Nacken folgenschwere Fehler zu produzieren? Der ganze Defensivverbund wirkte instabil. Zwei Gegentreffer fielen nach Standardsituationen, und die seien „immer auch eine Mentalitätssache“, sagte Nagelsmann. Hinzu kommt, dass kommende Gegner in diesen Tagen der vergebenen Chancen Anschauungsunterricht zu den Strategien bekamen, mit denen sich Dortmunder Schwächen entblößen lassen. Am Mittwoch muss der BVB erneut ohne Kapitän Marco Reus nach Tottenham – und auch die Engländer dürften ganz genau hingeschaut haben.

Mutige Gegner wie Hoffenheim tun den BVB aktuell weh

In der ersten Saisonhälfte hieß es, man müsse gegen den BVB tief verteidigen, mit einer Fünferkette und engen Räumen könne man die Angriffswellen brechen. Wirklich wehgetan haben dem Tabellenführer nun aber mutige Gegner. „Wir haben naiv verteidigt“, sagte Assistenztrainer Stefes, der den grippekranken Chefcoach Lucien Favre gemeinsam mit dem zweiten Assistenten Edin Terzic vertrat.

Netzreaktionen zum BVB-Remis

Die beiden Fußballlehrer versicherten, dass die Abwesenheit des Schweizers keine Rolle gespielt habe, es gab während der Partie telefonischen Kontakt. Doch womöglich hätte der Schweizer mit seiner Erfahrung in der wilden zweiten Halbzeit doch ein paar hilfreiche Impulse setzen können. Sebastian Kehl plädierte für einen gelassenen Umgang mit der Situation. „Wir haben im Erfolgsfall die Ruhe bewahrt und werden auch jetzt die Ruhe bewahren“, sagte der Leiter der Lizenzspielerabteilung. Es wird spannend zu beobachten sein, wie der BVB seine erste „Minikrise“ meistern wird.

ANZEIGE: Hoodie und T-Shirt mit deinem Vereinsnamen! Der Deal of the week im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus aller Welt