28. Oktober 2020 / 17:28 Uhr

Nach Derby-Sieg und vor Duell mit Zenit St. Petersburg: Das sind die fünf Baustellen beim BVB

Nach Derby-Sieg und vor Duell mit Zenit St. Petersburg: Das sind die fünf Baustellen beim BVB

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bestandteil der BVB-Baustellen Trainer Lucien Favre (l.), Erling Haaland (M.), Marco Reus (o.r.) und Roman Bürki. 
Bestandteil der BVB-Baustellen Trainer Lucien Favre (l.), Erling Haaland (M.), Marco Reus (o.r.) und Roman Bürki.  © imago images/Insidefoto/dpa (3)
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Das 3:0 im Derby gegen Schalke 04 konnte die Stimmung bei Borussia Dortmund wieder etwas anheben, nachdem die Favre-Elf zuvor gegen Lazio Rom einen Dämpfer erhalten hatte. Gegen Zenit St. Petersburg geht es in der Champions League nun darum, einen Sieg nachzulegen. Dabei tun sich aktuell fünf Baustellen in Dortmund auf.

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Zum einen klang Borussia Dortmunds Lizenzspielerchef Sebastian Kehl erleichtert nach dem Derbysieg gegen den FC Schalke - zum anderen hofft er nun auf eine Erfolgsserie des BVB. "Wir brauchen Konstanz, um gewisse Ziele in der Liga zu erreichen. Wir müssen gierig bleiben“, sagte der 40-Jährige im Aktuellen Sportstudio des ZDF am Samstagabend. Und: Nach dem schwachen Auftritt beim 1:3 in der Champions League bei Lazio Rom heißt es beim bevorstehenden Spiel am Mittwochabend gegen Zenit St. Petersburg nun, Wiedergutmachung zu betreiben. Dabei wird es auch darum gehen, wie gut der BVB mit fünf Baustellen umgehen kann, die sich in Dortmund zuletzt aufgetan haben.

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Torwartdiskussion: Die Frage lag natürlich auf der Hand, doch BVB-Coach Lucien Favre reagierte mürrisch, eher sogar etwas genervt. "Ihre Frage gefällt mir nicht“, entgegnete er ZDF-Reporterin Claudia Neumann, die sich danach erkundigte, ob Roman Bürki nun wieder die Nummer eins im Dortmunder Tor sei. Zuletzt hatte sein Konkurrent Marwin Hitz in vier Pflichtspielen den Vorzug bekommen. Zum Wechsel war es ursprünglich aufgrund von Hüftproblemen und einem Infekt bei Bürki gekommen, die jedoch schon früher ausgestanden waren als erst beim Ruhr-Derby gegen Schalke 04 – wo Bürki erstmals wieder im Tor stand. Während Favre ein Bekenntnis zu seiner Nummer eins jedoch umschiffte ("Alle haben Konkurrenz“), betitelten Sportdirektor Michael Zorc und Lizenzspielerchef Kehl ihn als "unsere Nummer eins“. Klingt nach klubintern unterschiedlichen Auffassungen.

Auch vor dem Spiel gegen Zenit ließ Favre die T-Frage erneut offen: "Roman ist nicht mehr verletzt und nicht mehr krank", sagte der BVB-Coach am Dienstag auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Zenit. Eine klare Nummer eins wollte er allerdings nicht benennen. "Ich spreche nicht über unsere Mannschaft"

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Kapitän Reus: Es ist einerseits nur vernünftig und nachvollziehbar, dass Marco Reus nach seiner langwierigen Verletzung noch nicht wieder jedes Spiel über die kompletten 90 Minuten absolvieren kann. Andererseits macht es das natürlich schwieriger, die Führungsrolle, mit der man den gebürtigen Dortmunder beim BVB als Kapitän bedacht hat, auf dem Platz einzunehmen. In vier von fünf Ligaspielen stand Reus nicht in der Startelf, Mats Hummels übernahm die Binde stellvertretend. Beim dürftigen Auftritt bei Lazio Rom konnte Kapitän Reus zumindest keine Impulse setzen, weder sportlich, noch von seiner (Körper-)Sprache her. Sky-Experte Didi Hamann stellte die Rolle Reus‘ als Kapitän sogar generell in Frage. "Der Kapitän ist dazu da, dass er die anderen mitreißt." Führungsqualitäten vermisse er bei Reus: "Ich habe nicht verstanden, warum man ihm im Sommer nicht die Kapitänsbinde abgenommen hat. Du hast einen Spieler, den du mitziehen musst." Hummels wäre laut Hamann die weitaus bessere, weil auch nicht so verletzungsanfällige Wahl.

Mentalitätsfrage: Jedes Mal, wenn die hochtalentierte Dortmunder Mannschaft in jüngerer Vergangenheit nicht in der Lage war, ihr enormes Potenzial abzurufen, wenn sie inkonstant spielte – dann rückte schnell auch eine Diskussion um die notwendige Mentalität in den Mittelpunkt. In Rom war das gerade erst wieder der Fall, wo nicht nur Sportdirektor Zorc Einsatz und Leidenschaft der Spieler öffentlich bemängelte.

Favre-Diskussion: Es ist schon irgendwie komisch, dass dieses Thema immer wieder aufkommt, kann Lucien Favre doch auf einen ganz formidablen Punkteschnitt als BVB-Trainer (2,03) verweisen. Und trotzdem wird er als solcher in Frage gestellt. Erst am Samstag äußerte sich Lizenzspielerchef Kehl, dass der immer etwas unnahbar daherkommende Schweizer der richtige Trainer für die Dortmunder sei. Bei anderen Topklubs wie dem FC Bayern oder RB Leipzig gibt es eine solche im Hintergrund schwelende Diskussion jedoch nicht mal im Ansatz.

Abhängigkeit von Haaland: Die Mittelstürmerproblematik, die es in den letzten Jahren beim BVB zwischenzeitlich mal gegeben hat, hat sich mit der Verpflichtung von Erling Haaland im vergangenen Winter erledigt. Mit dem Norweger scheint man beim BVB die Idealbesetzung in vorderster Spitze gefunden zu haben – was sieben Tore in acht Pflichtspielen auch in der neuen Saison belegen. Nur: Was, wenn Haaland mal ausfallen sollte? Wenn er mal nicht trifft wie beim 0:2 beim FC Augsburg? Dann gibt es nach dem Abgang von Paco Alcacer - ebenfalls im vergangenen Winter - nominell kein Stürmer-Backup mehr auf der Bank. Und ob Nachwuchshoffnung Youssafa Moukoko im November, wenn er nach seinem 16. Geburtstag theoretisch für die Profis auflaufen dürfte, schon eine ernstzunehmende Alternative ist, bleibt noch abzuwarten.