16. Mai 2020 / 21:58 Uhr

Reportage zum Revierderby: Wie der BVB gegen Schalke eine Party ohne Fans feierte

Reportage zum Revierderby: Wie der BVB gegen Schalke eine Party ohne Fans feierte

Daniel Theweleit
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Nach dem 4:0-Derbysieg über Schalke 04 versammelten sich die Spieler von Borussia Dortmund zu einer spontanen Feier vor der leeren Südtribüne.
Nach dem 4:0-Derbysieg über Schalke 04 versammelten sich die Spieler von Borussia Dortmund zu einer spontanen Feier vor der leeren Südtribüne. © imago images/Ibing/Poolfoto
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Mit einem 4:0-Derbysieg über Schalke 04 ist Borussia Dortmund überzeugend aus der zehnwöchigen Coronavirus-Pause der Bundesliga zurückgekehrt. Rund um das fast leere Stadion blieb es ruhig, und die Spieler veranlasste die schräge Atmosphäre zu einer spontanen Aktion.

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Vom grauen Beton konnte niemand eine Reaktion erwarten, aber irgendwie hatten die Fußballer von Borussia Dortmund eine Menge Freude bei ihrem Tanz im Strafraum vor der berühmten Südtribüne. Sie hüpften, machten die Welle und vermutlich haben einige Fans vor dem Fernseher sogar mitgemacht bei dem Ritual, das reichlich schräg wirkte nach dem 4:0 (2:0)-Sieg des BVB gegen Schalke 04 am Samstag. Denn die Tribüne antwortete mit: Stille. „Man ist ja erfinderisch, wenn man gewinnt“, sagte Julian Brandt zu dem spontanen Freudenfest des Teams, das zu einem würdigen Abschluss für einen Nachmittag voller Kuriositäten und Besonderheiten geworden war.

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Am Stadion: Fiebermessen für alle Anwesenden

Draußen vor dem Stadion ist es zwar ruhig geblieben, der befürchtete Auftritt von Störern hatte nicht stattgefunden, aber auch so fühlten sich die meisten anwesenden Menschen zunächst einmal „komisch“, wie Sebastian Kehl, der Leiter der Dortmunder Lizenzspielerabteilung, erklärte. Bei jeder Person, die eingelassen wurde, wurde Fieber gemessen. Die Spieler waren beim Torjubel und während ihrem kleinen Fest vor der Südtribüne hin und her gerissen zwischen ihren Emotionen und dem Vorsatz, alle Regeln einzuhalten. Überall wurde sorgfältig kontrolliert, dass der Fußball mit seinem ambitionierten Vorhaben, die Saison zu Ende zu spielen, keine Angriffsflächen für Kritiker bietet.

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Es war aber gut sichtbar, dass alle Anwesenden sich irgenwie eingeschränkt fühlten. Sorgfältig wurde Abstand gehalten, Schiedsrichter Deniz Aytekin verabschiedete sich von BVB-Trainer Lucien Favre per Fußkontakt, und Kehl war zufrieden: Die Umsetzung der Pläne habe „hervorragend funktioniert“, berichtete der Mann, der beim BVB für die Einhaltung der vielen Vorgaben verantwortlich ist. „Das waren viele Dinge für die Spieler und den Trainer, die auch neu waren. Aber alle haben sich sehr konsequent an das gehalten, was wir ihnen mitgegeben haben.“

Trainer Favre: "Nicht so engagiert wie geplant"

Diese Herausforderung hatte die Dortmunder Klubführung rund um dieses erste Spiel unter den durch das Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga (DEL) verordneten Bedingungen für ähnlich wichtig gehalten, wie den sportlichen Verlauf des Revierderbys. Eines Duells, dem selbstverständlich Energien gefehlt hatten, die sonst automatisch entstehen, wenn diese beiden Klubs aufeinander treffen. Stadionsprecher Norbert Dickel war noch um Normalität bemüht, als er beim Verlesen der Dortmunder Aufstellung die Vornamen der Spieler in sein Mikrophon rief, als würden gleich 70.000 Menschen einstimmig die Nachnamen ergänzen. Beim Verkünden der Tore wurde er dann immer zurückhaltender. Und auch Favre fehlte der Impuls von den Rängen sehr. „Ich hatte das Gefühl, das war nicht so engagiert, wie geplant“, sagte der Schweizer auf die Frage nach seiner Bewertung des Spielniveaus.

Geradezu matt und leblos waren dabei die Schalker nach der langen Pause aufgetreten. „Wir haben kein gutes Spiel gemacht und zu ganz schlechten Momenten die Tore bekommen“, erklärte Trainer David Wagner. Alle werden sich noch an die Stille und an die Leere gewöhnen müssen, die nun vorrübergehend fester Bestandteil des Ligaalltags ist. Wobei die Dortmunder – vielleicht auch aufgrund ihrer Geisterspielerfahrung von Paris Mitte März – schon recht gut klar kamen mit den Umständen.

BVB-Star Julian Brandt an allen vier Treffern beteiligt

Nicht einmal die Ausfälle der Mittelfeldanführer Axel Witsel und Emre Can hatten zu einer sichtbaren Schwächung des Titelaspiranten geführt; Thomas Delaney und Mahmoud Dahoud spielten hervorragend im Zentrum vor der Abwehr. „Ich fand, dass wir ein richtig gutes Spiel gemacht haben nach dieser langen Pause und unter diesen besonderen Umständen“, sagte Sportdirektor Michael Zorc. Die Tore schossen Erling Haaland (29.), Raphael Guerreiro (45., 63.) und Thorgan Hazard (48.), aber der heimliche Held des Nachmittags war Julian Brandt, der im Vorlauf aller vier Treffer seine Füße im Spiel hatte.

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Die Spielfreude und die Energie des Nationalspielers wirkten fast ein wenig fremd in der bizarren Umgebung des leeren Stadions. Am Ende war Brandt so erschöpft, dass er nicht einmal mehr die Kraft hatte, mit den Kollegen vor der leeren Süd zu feiern. Dafür hat er der Fußballnation gezeigt, dass es möglich ist, echten Spaß zu haben an so einer Party ohne Gäste.