15. März 2020 / 18:31 Uhr

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke: Geister-Derby wäre "vertretbares Szenario" gewesen

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke: Geister-Derby wäre "vertretbares Szenario" gewesen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke äußert sich über die Auswirkungen des Coronavirus auf die Bundesliga.
BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke äußert sich über die Auswirkungen des Coronavirus auf die Bundesliga. © imago images/Eibner
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BVB-Boss Hans-Joachim Watzke hat sich in der "ARD-Sportschau" über den Einfluss der Coronavirus-Krise auf den Fußball geäußert. So habe die Bundesliga mit den vor der Komplett-Absage des Spieltags geplanten Geisterspielen alles getan, um eine Risikominimierung vorzunehmen.

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Für BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke wäre die Austragung des für Samstag angesetzten Revier-Derbys zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 als Geisterspiel ohne Zuschauer ein "vertretbares Szenario" gewesen. Das sagte der Dortmund-Boss in der "ARD-Sportschau" am Sonntagabend. Wie alle Spiele des 26. Spieltags der Bundesliga war das Derby wegen der Coronavirus-Krise zunächst als Geisterspiel angesetzt, bis die DFL am Freitagnachmittag den kompletten Spieltag absagte.

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Laut Watzke sei dies nicht unbedingt nötig gewesen: "Wenn wir das Derby ohne Journalisten gespielt hätten, dann wären noch 80 Leute im Stadion gewesen. Ich glaube, dass das ein vertretbares Szenario gewesen wäre", sagte der BVB-Geschäftsführer. "Es hätte aber gleichzeitig die Liga wirtschaftlich um 75 Millionen Euro entlastet, die wir möglicherweise so zurückzahlen mussten." Laut Watzke habe der Fußball "alles getan, um eine absolute Risikominimierung vorzunehmen. Wir haben uns auf die Geisterspiele eingelassen", so der Geschäftsführer weiter.

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Watzke rechnet nicht mehr damit, dass in der Bundesliga in dieser Saison noch Spiele mit Zuschauern ausgetragen werden. "Wenn wir in dieser Saison nochmal spielen, werden es Geisterspiele sein. Niemand in der Bundesliga geht noch davon aus, dass wir noch Spiele mit Zuschauern haben werden", so der BVB-Boss.

Profi-Fußball in "größter Krise seiner Geschichte"

Watzke hatte sich bereits am Freitag in einer BVB-Mitteilung über die Bundesliga-Pause geäußert. So sah er den deutschen Profi-Fußball angesichts der Coronavirus-Pandemie "in der größten Krise seiner Geschichte" und sorgte sich um die Zukunft einiger Vereine. "Es steht zu hoffen, dass die Bundesliga-Clubs in den vergangenen Jahren so viel Substanz gebildet haben, dass alle diese Krise überstehen." Zuvor hatte das DFL-Präsidium angesichts der Corona-Krise beschlossen, den 26. Bundesliga-Spieltag komplett abzusagen. Diese Entscheidung wurde von Watzke offenbar nicht nur gutgeheißen. "Das Präsidium der DFL hat eine Entscheidung getroffen, die es zu respektieren gilt - unabhängig davon, dass es sicher auch andere Ansätze gegeben hätte", ließ sich der 60-Jährige zitieren.


Für Montag hat die Deutsche Fußball Liga eine Mitgliederversammlung der 36 Profi-Klubs einberufen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Die Profi-Klubs müssten im Falle einer kompletten Absage der laufenden Saison in der Bundesliga mit einem ökonomischen Schaden von rund einer dreiviertel Milliarde Euro rechnen. Diese Summe wurde der dpa am Samstag aus Ligakreisen bestätigt. Ein Versicherungsschutz für die Klubs zum Beispiel für entgangene TV-Einnahmen besteht demnach nicht. "Wenn es so kommt, dass wir die Saison abbrechen müssen, wird es für einige (Vereine; Anm. d. Red.) sehr sehr schwierig", sagte Watzke nun in der Sportschau. Der BVB würde sich bei einer Komplett-Absage allerdings nicht in größeren finanziellen Schwierigkeiten befinden, so Watzke.

Watzke stellte klar, dass es ihm nicht darum gehe, bei zu erwartenden Einnahmeverlusten im Fall einer lang andauernden Spielpause, Hilfe vom Steuerzahler einzufordern. "Es schreit niemand aus dem Profigeschäft nach dem Staat", betonte Watzke. Große Vereine wie der FC Bayern München oder der BVB würden die Krise schon meistern, weil sie ein genügendes finanzielles Polster hätten. Auf kleine Vereine, vor allem im Amateurbereich könne die Krise jedoch fatale Auswirkungen haben. Selbst einen freiwillige Gehaltsverzicht von gut verdienenden Fußball-Profis schloss Watzke als solidarischen Beitrag nicht aus. "Das könnte ein Thema werden. Aber ich bin da nicht so zuversichtlich."