04. Januar 2021 / 09:02 Uhr

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke über den Moukoko-Hype, die Terzic-Zukunft und den Schalke-Absturz

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke über den Moukoko-Hype, die Terzic-Zukunft und den Schalke-Absturz

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
BVB-Boss Hans-Joachim Watzke spricht über Youssoufa Moukoko, Trainer Edin Terzic und die Lage von Jochen Schneider mit Schalke 04.
BVB-Boss Hans-Joachim Watzke spricht über Youssoufa Moukoko, Trainer Edin Terzic und die Lage von Jochen Schneider mit Schalke 04. © Getty Images/dpa/Montage
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Nach einem turbulenten Jahr bei Borussia Dortmund blickt Klubchef Hans-Jaochim Watzke auf die kommenden Monate. Im "Kicker" spricht er über den Hype um Supertalent Youssoufa Moukoko, die Zukunft von Trainer Edin Terzic und den Absturz des Erzrivalen Schalke 04.

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Hans-Joachim Watzke blickt nach einem turbulenten Jahr bei Borussia Dortmund auf die vergangenen und anstehenden Entwicklungen. Die bis dato holprige Bundesliga-Saison und die Trainerentlassung von Lucien Favre waren die negativen Punkte der vergangenen Monate. Doch es gab auch Lichtblicke, wie beispielsweise die ersten Profi-Einsätze von Supertalent Youssoufa Moukoko. Zuletzt fehlte der 16 Jahre alte Shootingstar dem BVB wegen Knieproblemen – der Hype ging aber weiter. "Ich war sehr froh, dass Edin Terzic den Mut hatte, ihn sofort zu bringen. Denn als Erling nicht da war, fehlte uns deutlich erkennbar eine Nummer 9, die die tiefen Läufe macht. Aber ich habe auch gesehen, wie sehr Youssoufa sich dann doch unter Druck gesetzt fühlte", sagte Watzke in einem Interview mit dem Kicker.

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Moukoko hatte sich die Verletzung im Spiel bei Union Berlin (1:2) zugezogen, in dem er als jüngster Profi der Bundesliga-Geschichte ein Tor erzielte – zuvor kam der 16-Jährige bereits in fünf Bundesliga-Partien und einer Champions-League-Partie zum Einsatz. "In den ersten Spielen hatte ich nicht den Eindruck, dass er der ist, den man aus dem Nachwuchs kennt. Die Situation war – natürlich und nachvollziehbar – schwierig für ihn. In Berlin war er dann da, spätestens nach dem Pfostenschuss. Und an diesem Punkt wird er jetzt sicher auch weitermachen", meint Watzke: "Er benimmt sich tadellos, ist sehr ernsthaft, weiß genau, was er will. Youssoufa wird seinen Weg machen, das ist keine Frage."

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Wann Favre-Nachfolger Terzic wieder auf den 16-Jährigen setzen kann, ist nicht klar. Der neue Coach kann aber seit der vergangenen Bundesliga-Partie gegen den VfL Wolfsburg (2:0) wieder auf Haaland zurückgreifen. Und mit dem Norweger an Bord konnte der BVB nach der Niederlage in Berlin wieder einen Sieg einfahren. Wie es mit Terzic nach dem bis Sommer geltenden Vertrag weitergeht, ist noch unklar. "Wir müssen nicht drum herumreden, dass wir uns auch andere Optionen offenhalten. Die nächsten Monate werden entscheiden, wie es ab dem Sommer weitergeht", erklärt Watzke.

Watzke in Trainer-Frage "ganz entspannt"

Es spreche aber "absolut für Edin", mit dem man von Anfang an mit offenen Karten gespielt habe, dass er diese Chance ergreifen wollte. Watzke weiter: "Er hat uns sofort gesagt: Ich bin Borusse, falls im Sommer ein neuer Trainer kommen sollte, bleibe ich Borusse. Es ist doch so: Wenn Edin es gut macht – und das glaube ich – und wir uns trotzdem für eine andere Lösung entscheiden sollten, stünden ihm alle Türen offen. Und vielleicht schießt er ja auch so durch die Decke, dass wir sagen: Es ist top so, wie es ist! Wir sind da alle miteinander ganz entspannt. Edin Terzic inklusive."

Ganz entspannt verliefen die vergangenen Monate um BVB-Kapitän Marco Reus hingegen nicht. Nach einer langen Verletzungspause lief der Offensiv-Star lange seiner Form hinterher. Zuletzt wirkte der 31-Jährige wieder etwas frischer. Und das ist auch Watzke positiv aufgefallen. Der BVB-Boss fordert aber: "Ich erwarte von Marco, dass er sich im Januar noch mehr zeigt. An einem Spieler mit seinen Möglichkeiten geht kein Trainer der Welt vorbei, wenn er in einer richtig guten Verfassung ist."

Watzke bewertet EM-Chancen von Hummels

Weiter in einer guten Form zeigte sich zuletzt Mats Hummels. Immer wieder wird der Verteidiger mit einer Rückkehr in die deutsche Nationalmannschaft in Verbindung gebracht. Watzke hofft auf eine Europameisterschafts-Teilnahme seines Abwehr-Chefs. Die Entscheidung müsse aber ganz allein Bundestrainer Joachim Löw treffen. "Ich glaube, dass er sich das auch überlegen wird. Denn ich kenne keinen Trainer, der zu einem großen Turnier fährt und nicht die bestmögliche Mannschaft mitnimmt. Dass er jetzt mal anderthalb Jahre anderen die Möglichkeit geben wollte, sich zu zeigen, das finde ich richtig", sagt der BVB-Boss: "Im März sind es noch drei Monate bis zur EM. Dann wird Löw schon subsummieren, ob die, die er zuletzt herangeführt hat, besser sind als Hummels – oder ob Mats noch die Nase vorn hat. Und wenn diese Entscheidung reift und Mats bis dahin sein Top-Niveau hält, dann glaube ich, dass es rein rational keine andere Entscheidung geben kann, als ihn mitzunehmen."

Ein anderes Thema ist da schon aktueller – die Lage bei Schalke 04. Der BVB-Erzrivale bleibt auch unter Christian Gross, dem bereits vierten Trainer in dieser Saison, in der Krise. Bereits seit 30 Spielen ist der Revier-Klub inzwischen sieglos. "Mir tut es für Jochen Schneider sehr leid. Ich halte ihn für einen absolut seriösen und anständigen Kerl. Allerdings brauchst du auch ein bisschen Glück – und was das angeht, sieht es momentan schlecht aus. Aber ich habe schon den Eindruck, als sei das die Folge einer langfristigen Entwicklung, die sich über Jahre aufgebaut hat", meint Watzke. Der BVB-Boss hofft auf einen Befreiungsschlag von S04. "Ich drücke ihnen alle Daumen – ganz unabhängig davon, welchen Stellenwert das Revierderby hat. Denn: Schalke ist einer der Klubs, die die Bundesliga beleben. Für die Attraktivität der Liga wäre es ein Drama, würde Schalke absteigen. Ähnlich wie es beim Hamburger SV der Fall war. Und am Beispiel Hamburg sieht man ja auch, dass es kein Selbstläufer ist, sofort wieder aufzusteigen", sagt Watzke.