17. April 2020 / 18:05 Uhr

BVB-Trainer Lucien Favre in Coronavirus-Krise nachdenklich: "Der Mensch geht immer zu weit"

BVB-Trainer Lucien Favre in Coronavirus-Krise nachdenklich: "Der Mensch geht immer zu weit"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
BVB-Trainer Lucien Favre hat als Reaktion auf die Coronavirus-Pandemie kritische Töne angeschlagen.
BVB-Trainer Lucien Favre hat als Reaktion auf die Coronavirus-Pandemie kritische Töne angeschlagen. © imago images/siwe/Montage
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Trainer Lucien Favre von Borussia Dortmund hat sich in einem vereinseigenen Podcast nachdenklich über die Rolle des Menschen in der Coronavirus-Pandemie geäußert. Der BVB-Coach sprach aber auch über das Training in Zeiten des Virus, über Geisterspiele und Gehaltsverzicht.

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Trainer Lucien Favre von Borussia Dortmund hat sich in einem Podcast auf der Homepage des BVB nachdenklich über die Rolle des Menschen im Umgang mit der Coronavirus-Pandemie geäußert. Der Schweizer glaubt, dass künftig wieder mehr Bescheidenheit in den Alltag zurückkehren werden. Bezogen auf Kreuzfahrten mit Tausenden von Passagieren meinte Favre etwa: "Es wird sich etwas ändern, das werden wir nicht mehr sehen. Die Leute werden auch ein wenig Angst haben. Der Mensch ist fähig, viele Sachen zu erfinden. Aber wir gehen einfach zu weit, der Mensch geht immer zu weit."

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Auch in Bezug auf die zahlreichen Todesopfer in Zusammenhang mit der Pandemie, wegen deren Ausbruch der Spielbetrieb in der Bundesliga seit Mitte März unterbrochen ist und wohl noch mindestens bis Anfang Mai bleiben wird, fand Favre zurückhaltende Worte. "Sie sterben, und in ihren letzten drei oder vier Wochen können sie nicht mehr ihre Familie und ihre Freunde treffen. Sie sterben allein. Das ist eine Katastrophe. Ich bin traurig, wenn ich darüber spreche. Ich hoffe, wir werden aus dieser Situation etwas lernen", sagte der als introvertiert geltende 62-Jährige.

BVB-Training mit Coronavirus: Distanz halten

Trotz aller Einschränkungen hat auch der BVB inzwischen in kleinen Gruppen wieder das Training aufgenommen. Favre hat nach eigener Aussage 18 Feldspieler im Training, bei Besprechungen halten die Akteure fünf Meter Abstand zueinander. "Wir müssen weiter die Distanz respektieren, das ist sehr wichtig für alle", so der Schweizer. Jedes Mitglied des Trainerteams übernimmt im täglichen Wechsel eine andere Gruppe. "Wir arbeiten viel technisch, am Boden, in der Luft, vor dem Tor. Wir sind mehr Gruppen. Die Konditionstrainer machen ein paar physische Sachen. Die Spieler machen das sehr gut", betonte Favre, der es positiv bewertet, immerhin diese Übungen mit dem Team durchführen zu können.

Favre: Elf gegen Elf im BVB-Training wie Freundschaftsspiele

An Trainingsspiele in Mannschaftsstärke ist derzeit aber noch nicht zu denken. Favre hofft, dass die Behörden diese möglichst bald erlauben werden, weil sie in Anbetracht der wohl anstehenden Partien ohne Zuschauer einen hohen Stellenwert für den BVB-Coach haben. "Wir brauchen das. Das werden unsere Freundschaftsspiele. Wir müssen das regelmäßig machen, um uns daran zu gewöhnen. Wir sind auch im Training ohne Zuschauer", sagte Favre, dessen Team im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League bei Paris Saint-Germain Mitte März bereits ein Geisterspiel erlebt hat. "Wenn du vor 81.000 Zuschauern spielst, pushen diese die Mannschaft ohne Ende. Jetzt wird es anders, und wir müssen uns daran gewöhnen", ergänzte der Dortmunder Trainer, für den Spiele ohne Zuschauer "sehr speziell" seien.

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Die verschiedenen Solidaritätsaktionen, mit denen Profis Spenden sammeln oder auf Gehalt verzichten, unterstützt Favre, der sich selbst auch bereit erklärt hat, während der Pandemie auf einen Teil seines Salärs zu verzichten. "Das ist ganz normal für mich. Das habe ich schon lange gesagt", betonte er. Auch der BVB-Kader hatte sich mit der Geschäftsführung bereits im März auf eine Reduzierung seiner Bezüge verständigt.