18. Oktober 2019 / 16:53 Uhr

Trainer Lucien Favre beim BVB unter Druck: Deshalb muss er gegen Gladbach unbedingt gewinnen

Trainer Lucien Favre beim BVB unter Druck: Deshalb muss er gegen Gladbach unbedingt gewinnen

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
BVB-Trainer Lucien Favre steht mit dem BVB zunehmend unter Druck
BVB-Trainer Lucien Favre steht mit dem BVB zunehmend unter Druck © 2019 Getty Images
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BVB-Trainer Lucien Favre fehlt in Dortmund die Rückendeckung, die sein Vorgänger Jürgen Klopp einst hatte. Gegen Ex-Klub Gladbach ist ein Sieg am Samstag Pflicht, damit die Unruhe um Favre nicht größer wird.

Als Trainer Lucien Favre von Borussia Dortmund vor einigen Wochen an den Ort seiner alten Wirkungsstätte bei Borussia Mönchengladbach zurückkehrte, erkundigte er sich vorher, ob es in Ordnung sei, wenn er sich im Rahmen der Trainertagung für eine Nacht im neuen Hotel direkt neben dem Trainingsgelände am Borussia Park niederlassen würde. Keinesfalls wollte der heutige Dortmund-Coach jemanden verärgern oder gar Nährboden bieten für unnötige Gerüchte oder Spekulationen. Typisch Favre, ein echter Gentleman halt.

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Auch deshalb mögen und schätzen sie ihn noch immer sehr auf der Gladbacher Geschäftsstelle, wo der oft kauzig wirkende Schweizer die Mitarbeiter gern per Handschlag begrüßte und ihnen zum Geburtstag persönlich gratulierte. Dass es beim größeren BVB etwas rauer zugehen würde, dürfte ihm durchaus bewusst gewesen sein, als er im vergangenen Sommer seine Unterschrift unter einen gut dotierten Dreijahresvertrag setzte. Doch gewisse Ausmaße bei Borussia Dortmund entbehren auch seiner Vorstellungskraft.

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 Lucien Favre erlebte während seiner Karriere einige Höhen und Tiefen. Der <b>SPORT</b>BUZZER wirft einen Blick auf die Laufbahn des Schweizer Trainers. Zur Galerie
Lucien Favre erlebte während seiner Karriere einige Höhen und Tiefen. Der SPORTBUZZER wirft einen Blick auf die Laufbahn des Schweizer Trainers. ©

Dass er vor dem direkten Duell gegen seinen Ex-Klub am Samstag (18.30 Uhr, Sky) öffentlich hart angezählt wurde, ist Favre gewiss nicht entgangen. Aus den vergangenen fünf Spielen holte seine Mannschaft nur sechs von möglichen 15 Punkten, verspielte dabei dreimal eine 2:0-Führung und stürzte auf Platz acht ab. Vermutlich forderte Favre auch deshalb für seine Verhältnisse ungewohnt deutlich: "Wir wollen unbedingt, unbedingt gegen Gladbach gewinnen, weil wir zuletzt dreimal unentschieden gespielt haben. Wir wollen in der Meisterschaft weiter voll da sein."

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Der BVB-Trainer weiß, dass es bei einem weiteren Spiel ohne Sieg richtig ungemütlich werden könnte. Und sollte er daran gezweifelt haben, wurde ihm in der Länderspielpause noch mal deutlich vor Augen geführt, wie sehr ihm eine ähnliche Anerkennung fehlt, die Jürgen Klopp noch immer besitzt.

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In dieser Zeit erschien die Biografie von BVB-Boss Hans-Joachim Watzke "Echte Liebe". Und wem er diese entgegenbringt, daraus machte er keinen Hehl. Im Buch beschreibt Watzke nicht nur an mehreren Stellen ausführlich sein unvergleichbares Verhältnis zu seinem ehemaligen Trainer Jürgen Klopp, der den BVB 2011 und 2012 zur Meisterschaft führte. Er verrät sogar, dass er den heutigen Liverpool-Coach im Mai 2018 gern nach Dortmund zurückholen wollte. Zu diesem Zeitpunkt liefen parallel bereits Gespräche mit Favre, wenige Wochen nach Klopps Absage wurde der Schweizer als "absoluter Wunschtrainer" vorgestellt. Was man von diesen Aussagen und Enthüllungen halten kann, formulierte BVB-Idol Jürgen Kohler in der Sport Bild: "Ich halte den Zeitpunkt der Buchveröffentlichung für schwierig. Aki Watzke hat es sicher nicht mit Vorsatz gemacht, aber unbewusst schadet er dem eigenen Trainer."

Zu allem Überfluss flog Klopp zur Vorstellung auch noch nach Dortmund ein, hielt einen lockeren Plausch mit Watzke vor einigen Hundert Zuschauern im Signal Iduna Park – Favre wurde weder eingeladen noch in einer Silbe erwähnt. Lediglich auf Nachfrage eines Journalisten sagte Watzke, dass sein aktueller Trainer einen guten Job mache. Rückendeckung klingt anders.


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Gegen Galdbach braucht Favre dringend einen Sieg

Dafür machte sich Max Eberl, Gladbachs Manager, für Favre stark. "Lucien Favre ist, wie er ist. Er hat herausragende Qualitäten. Ihn nun mit Jürgen Klopps Mentalität zu vergleichen – das passt einfach nicht. Lucien hat seinen Charakter, er hat seine Art, und die ist äußerst erfolgreich", sagte er dem Express.

Mit einem Auswärtssieg könnten Eberls Gladbacher den Vorsprung auf Favres BVB schon auf sieben Punkte ausbauen und die Kritik weiter befeuern. Zudem geht es nach dem Borussen-Duell für die Schwarz-Gelben heftig weiter: In der Champions League geht es zu Inter Mailand, dann zum Derby zu Schalke 04 – und Ende Oktober kommen die Gladbacher dann erneut nach Dortmund – zur zweiten Runde im DFB-Pokal. Was dem BVB Hoffnung macht: In den jüngsten fünf Heimspielen gegen Gladbach gab es immer Siege, teils sogar sehr deutliche (6:1, 4:1, 4:0). Ein solcher Erfolg würde Druck von Favre nehmen.