03. August 2019 / 08:45 Uhr

Jürgen Kohler über Hummels und Boateng: Sie können Weltklasse-Niveau nicht mehr erreichen

Jürgen Kohler über Hummels und Boateng: Sie können Weltklasse-Niveau nicht mehr erreichen

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Weltmeister Jürgen Kohler spricht im SPORTBUZZER-Interview über BVB-Zugang Mats Hummels und Bayern-Verteidiger Jerome Boateng. 
Weltmeister Jürgen Kohler spricht im SPORTBUZZER-Interview über BVB-Zugang Mats Hummels und Bayern-Verteidiger Jerome Boateng.  © imago images/Otto Krschak/eu-images/Samy Minkoff
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Jürgen Kohler beleuchtet im SPORTBUZZER-Interview vor dem Supercup die Innenverteidiger seiner Ex-Klubs BVB und FC Bayern. Dabei äußert der Weltmeister von 1990 Zweifel an Mats Hummels und Jérôme Boateng.

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SPORTBUZZER: Herr Kohler, Sie gelten als eine der Instanzen in Sachen Innenverteidigung. Wer ist denn nun der beste deutsche Innenverteidiger? BVB-Sportdirektor Michael Zorc hatte Dortmund-Rückkehrer Mats Hummels auf den Thron gehoben, Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge konterte mit Niklas Süle.

Jürgen Kohler: Ich möchte keinen der beiden bevorzugen. Mats Hummels hat für den FC Bayern eine gute Rückrunde gespielt, wieder seine Leistung gebracht. Zuvor hatte ich ihn kritischer gesehen. An die Form, die er etwa im Jahr 2014 hatte, als er mit der Nationalelf Weltmeister wurde, konnte er nicht mehr heranreichen. Für Hummels sprechen Erfahrung und Spielübersicht.

Und für Süle, der nun bei Bayern und nach Hummels' Ausbootung durch Bundestrainer Joachim Löw auch im DFB-Team zum Abwehrchef befördert wurde?

Auch Süle hatte über die gesamte Saison betrachtet Licht und Schatten in seinen Leistungen, spielte jedoch eine sehr stabile Rückrunde. Seine Pluspunkte sind Schnelligkeit und Robustheit.

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Mats Hummels blickt auf eine bewegte Karriere zurück. Nach seiner Jugendzeit beim FC Bayern ging es zu Borussia Dortmund. Er wurde Weltmeister 2014 und kehrte schließlich zum FCB zurück. Zur Galerie
Mats Hummels blickt auf eine bewegte Karriere zurück. Nach seiner Jugendzeit beim FC Bayern ging es zu Borussia Dortmund. Er wurde Weltmeister 2014 und kehrte schließlich zum FCB zurück. ©
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Waren Sie überrascht, dass Hummels nach drei Jahren in München wieder zum BVB zurückgekehrt ist?

Nein, das ist immer eine Sache von Angebot und Nachfrage. Die Bayern haben bei Hummels ein gutes Geschäft gemacht, für einen 30-Jährigen noch viel Geld kassiert. Und bei Spielern, die zu ihren früheren Vereinen zurückkehren, bin ich stets skeptisch. Hummels hatte früher mit Dortmund große Erfolge. Dies zu bestätigen oder gar zu toppen, wird sehr schwierig. Die Erwartungen an ihn sind sehr hoch. Es gibt genügend Negativbeispiele, die zeigen, dass ein Comeback beim früheren Verein nicht immer funktioniert – siehe etwa Mario Götze.

Was erhoffen sich die Dortmunder von der Hummels-Rückkehr?

Er soll die jüngeren Abwehrspieler führen, seine Routine einbringen. Andererseits: Letzte Saison hatte der BVB neun Punkte Vorsprung auf die Bayern, bis zu einem gewissen Zeitpunkt also auch defensiv auf sehr hohem Niveau gespielt. Leichter als in der vergangenen Spielzeit hat man nie Meister werden können – aber man hat es noch verspielt.

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Jérôme Boateng wollte die Bayern letzten Sommer verlassen, diesen Sommer wurde es ihm von Präsident Uli Hoeneß nahegelegt. Und nun spielt er kontant gut, ist topfit.

Die Spieler haben ihr Schicksal immer selbst in der Hand – wenn sie ihre Leistung bringen. Wenn Jérôme gesund ist, kann er auf gutem Niveau spielen. Aber weder er noch Hummels können noch ihr früheres Weltklasse-Niveau erreichen, höchstens mal über Wochen oder ein paar Monate. Außerdem sind die beiden verletzungsanfälliger als früher.

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Daher hat Bayern kräftig investiert. Für Lucas Hernández, der noch in der Reha ist, und Benjamin Pavard zusammen 115 Millionen Euro ausgegeben.

Pavard ist ein hochinteressanter Spieler, perspektivisch gesehen mit enormem Entwicklungspotenzial. Wie Hernández wurde er als Außenverteidiger mit Frankreich Weltmeister, dann jedoch stieg Pavard mit dem VfB Stuttgart ab. Wofür er natürlich nicht alleine verantwortlich war – aber der Kontrast ist doch schon sehr groß. Dennoch bringt er Bayern jetzt die nötige Frische. Mit Innenverteidigern ist es wie mit einem guten Rotwein: Sie reifen im Laufe ihrer Karriere – so lange der Körper mitmacht. Das Anforderungsprofil für Abwehrspieler hat sich allerdings in den letzten Jahren maßgeblich verändert.

Und zwar?

Heutzutage sind Innenverteidiger für die Spieleröffnung zuständig, das ist scheinbar das Wichtigste. Außerdem soll ein Abwehrspieler im besten Fall pro Saison sechs Torvorlagen geben und vier Treffer erzielen – nebenbei natürlich noch einige Bälle von der Torlinie klären. Das eigentliche Verteidigen können meiner Meinung nach nur noch die wenigsten.

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Benjamin Pavard und Lucas Hernández (v. l.) schließen sich zur neuen Saison dem FC Bayern München an. Mats Hummels wiederum wird den Rekordmeister verlassen.  Zur Galerie
Benjamin Pavard und Lucas Hernández (v. l.) schließen sich zur neuen Saison dem FC Bayern München an. Mats Hummels wiederum wird den Rekordmeister verlassen.  ©
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