24. Oktober 2019 / 12:23 Uhr

Kommentar zu Borussia Dortmund: Trainer Lucien Favre ist nicht das Problem

Kommentar zu Borussia Dortmund: Trainer Lucien Favre ist nicht das Problem

Tom Vaagt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Beim BVB herrscht nach der Niederlage gegen Inter Mailand Krisenstimmung. Trainer Lucien Favre steht im Zentrum der Kritik.
Beim BVB herrscht nach der Niederlage gegen Inter Mailand Krisenstimmung. Trainer Lucien Favre steht im Zentrum der Kritik. © imago images/Kirchner-Media/Revierfoto
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Borussia Dortmund blieb auch im Spiel bei Inter Mailand hinter den eigenen Erwartungen zurück. Der Druck auf BVB-Trainer Lucien Favre wächst - zu Unrecht, wie SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt meint.

Borussia Dortmund war in den vergangenen zehn Monaten schon zweimal Meister. Allerdings nie richtig, sondern nur in schwer greifbaren Kategorien. Im Dezember 2018 grüßte man als Herbstmeister mit sechs Punkten Vorsprung von der Tabellenspitze, in diesem Sommer durfte man sich nach zahlreichen hochkarätigen Verpflichtungen als Transfer-Meister feiern lassen. Für den Briefkopf blieb am Ende nichts. Der echte Titel ging in der vergangenen Saison einmal mehr an den FC Bayern. Und auch die Frage, wer den BVB mit all den neuen Stars aufhalten kann, scheint inzwischen klar beantwortet: Zu viele Teams.

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In diesem Kalenderjahr gewann die Borussia in Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal nur 16 von 32 Spielen. 50 Prozent. Zu wenig für die ganz großen Ambitionen. Mal wackelte die Abwehr, mal mangelte es in der Offensive an Durchschlagskraft - wie am Mittwochabend in der Königsklasse bei Inter Mailand. Dieses Gesamtkonstrukt zu stabilisieren, ist Aufgabe des Trainers - ganz klar. Doch kann man die Misere wirklich allein auf Lucien Favre abwälzen? Eher nicht. Schließlich hatten sich vor dem Schweizer schon Thomas Tuchel, Peter Bosz und Peter Stöger an dieser Aufgabe versucht. Durchaus qualifiziertes Fachpersonal also. Nur Tuchel gelang mit dem Pokalsieg 2017 ein Titelgewinn - anschließend wurde er vom Hof gejagt.

Dass der BVB stagniert, liegt auch an den Bossen

Womit wir bei den Bossen der Borussen wären. Ohne Frage haben sich Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc kaum messbare Verdienste um den Klub erworben, den BVB nach der Fast-Pleite wieder nach oben geführt. Dass der Verein seit Jahren stagniert, liegt aber auch an ihnen. Watzke scheint noch immer Meister-Trainer Jürgen Klopp nachzutrauern und machte dies erst in seinem jüngst erschienen Buch wieder deutlich. Zorc generierte durch Spielerverkäufe zwar hunderte Millionen von Euro. Ein Titel-Team stellte er aber (bislang) nicht zusammen. Derzeit - oder besser: seit Monaten - fehlt beispielsweise eine Sturm-Alternative zu Paco Alcacer.

Favre verteidigt Leistung des BVB bei Inter Mailand

Das Derby am Samstag bei Schalke 04 wird trotz der von den BVB-Chefs ausgesprochenen Jobgarantie mancherorts bereits als Endspiel für Favre ausgerufen. Natürlich sollte der Schweizer sein Team möglichst zum Sieg führen. Aber nicht allein für sich. Für den gesamten Verein. Für Watzke. Für Zorc. Für Kontinuität auf einem ganz entscheidenden Posten. Denn: Die immer wieder wabernde Schlussfolgerung, dass die Borussia nur unter Klopp so richtig funktioniert, wäre ein Armutszeugnis für den gesamten Klub.