18. Oktober 2019 / 08:38 Uhr

BVB-Nachwuchschef Lars Ricken warnt vor verhätschelten Talenten: "Keine Prinzen in bunten Schuhen" 

BVB-Nachwuchschef Lars Ricken warnt vor verhätschelten Talenten: "Keine Prinzen in bunten Schuhen" 

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lars Ricken ist Nachwuchschef von Borussia Dortmund - und als solcher verantwortlich für eine der besten Akademien Deutschlands um Supertalent Youssoufa Moukoko (M.), der als 14-Jähriger schon in der U19 spielt.
Lars Ricken ist Nachwuchschef von Borussia Dortmund - und als solcher verantwortlich für eine der besten Akademien Deutschlands um Supertalent Youssoufa Moukoko (M.), der als 14-Jähriger schon in der U19 spielt. © imago/photoarena/Eisenhuth/Getty
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Lars Ricken hält die Junioren-Fußballer von heute für nicht widerstandsfähig genug. Der Nachwuchs-Koordinator von Borussia Dortmund sieht die Ausbildung von Talenten generell schwieriger als noch vor zehn oder 15 Jahren. Die klare Warnung des BVB-Mannes: Man dürfe "keine kleinen Prinzen in bunten Schuhen" entwickeln.

Das frühere Supertalent Lars Ricken hält den heutigen Fußball-Nachwuchs für zu verhätschelt. „Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass bei einigen jungen Spielern heutzutage die Widerstandsfähigkeit nicht so stark ausgeprägt ist wie früher“, sagte der Nachwuchs-Koordinator von Borussia Dortmund der Zeitung Die Welt. In der gesamten Gesellschaft falle es heute jungen Menschen schwerer, gegen Widerstände anzukämpfen, urteilte der 43-Jährige. „Wir wollen aber keine kleinen Prinzen in bunten Fußballschuhen entwickeln“, sagte Ricken.

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Der BVB habe daher Maßnahmen „zur bewussten Herausbildung von Verantwortlichkeiten erstellt – für die Spieler, die Trainer und die Eltern“, fügte der einstige Nationalspieler hinzu. Vor allen die Eltern spielen in diesem Konzept eine wichtige Rolle. „Es darf nicht jedes Problem vom Vater oder der Mutter gelöst werden, die Jungs müssen lernen, Problemlösungen selbstständig anzugehen. Das müssen die Jungs lernen – aber auch die Eltern“, sagte Ricken.

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„Wir reden ja auch über Persönlichkeitsentwicklung und darüber, Typen zu entwickeln, die durchsetzungsstark und konfliktfähig sind. Deshalb müssen wir aufpassen, dass junge Spieler nicht nur in der Blase Fußball leben, sondern auch noch Kontakt zu Menschen behalten, die keine Leistungssportler sind“, sagte Ricken.

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Das machte den Deutsch-Kameruner zu einem Social-Media-Star mit fast 400.000 Instagram-Followern. U19-Trainer Michael Skibbe sieht beim Youngster jedoch keine Gefahr, dem Hype zu folgen. "Er ist völlig auf dem Boden geblieben und bei den Teamkollegen hundertprozentig akzeptiert", sagte der Ex-DFB-Coach dem SPORTBUZZER. "Seine Entwicklung ist schon seit zwei Jahren abzusehen, sodass sich jeder daran gewöhnen konnte."