05. Januar 2021 / 08:57 Uhr

BVB-Star Mats Hummels über Favre, Terzic, die Stärken von Moukoko und seinen DFB-"Schock"

BVB-Star Mats Hummels über Favre, Terzic, die Stärken von Moukoko und seinen DFB-"Schock"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mats Hummels (rechts) blickt auf Ex-Trainer Lucien Favre und dessen Nachfolger Edin Terzic, auf die Stärken von Youssoufa Moukoko und die Nationalmannschaft.
Mats Hummels (rechts) blickt auf Ex-Trainer Lucien Favre und dessen Nachfolger Edin Terzic, auf die Stärken von Youssoufa Moukoko und die Nationalmannschaft. © imago images/Bernd König/RHR-Foto/Getty/Montage
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Abwehrchef Mats Hummels spricht im Interview mit der "Sport Bild" über die Trainer-Situation bei Borussia Dortmund, das Potenzial des jungen BVB-Kaders um Youssoufa Moukoko und seine Ausmusterung beim BVB.

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Nach schwachen Spielen zum Jahresende und dem Trainerwechsel läuft es bei Borussia Dortmund wieder etwas besser. Der ehemalige Assistenzcoach Edin Terzic versucht, das Team zu stabilisieren und darf sich bis zum Saisonende beweisen - dann läuft der Vertrag als Chef-Trainer aus. Und danach? BVB-Abwehrchef Mats Hummels erklärt in einem Interview mit der Sport Bild, auf welche Fähigkeiten es für den Job beim Bundesliga-Klub aus dem Revier ankommt. "Er muss zur Mannschaft passen. Jetzt brauchen wir jemanden, der Zielstrebigkeit, Leidenschaft und auch Härte reinbringt. Vor fußballerischem Talent schäumen wir gerade nur so über. Aber wenn Gegner uns mit Härte begegnen, haben wir noch zu oft Probleme", sagt Hummels.

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Nach der Schwerstarbeit beim gelungenen Heimdebüt gegen den VfL Wolfsburg wirkte Terzic wie von enormen Lasten befreit. Mit breitem Lächeln schloss der neue Trainer von Borussia Dortmund jeden einzelnen BVB-Profi in seine Arme und bedankte sich für eine engagierte Leistung. "Wir können durch Edin und seine Art jetzt gewisse Punkte in unser Spiel bringen, die uns doch noch zu einer richtig erfolgreichen Saison verhelfen können", meint Hummels, der den aktuellen Liverpool-Coach und Welttrainer Jürgen Klopp als seinen besten Trainer nennt.

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Die Trainer-Debatte beim BVB hatte nach dem desaströsen 1:5 gegen den VfB Stuttgart an Fahrt aufgenommen. Auch Hummels hatte sich öffentlich kritisch zu taktischen Fragen geäußert, betont nun aber, dass er die wenig später erfolgte Trennung von Favre damit nicht vorantreiben wollte. "Ich habe nicht alles ausgesprochen, was in mir brodelte, sondern versucht, es vernünftig zu verpacken. Wir haben über diese Dinge vorher schon intern oft gesprochen. Sowohl im Mannschaftskreis, als auch mit dem Trainerteam. Das öffentlich zu machen war aus meiner Sicht die letzte Patrone", erklärt Hummels. Es habe in seiner Karriere bereits Situationen gegeben, wo eine deutliche Ansprache geholfen habe. Es sei ihm nicht um Trainer Favre und dessen Beurlaubung gegangen, sondern um die Gemeinschaft. "Ich glaube im Übrigen auch nicht, dass die Aussagen von Marco (Reus, d. Red.) und mir unsere Verantwortlichen in ihrer Entscheidung beeinflusst haben", meint Hummels, der die Mannschaft in die Pflicht nimmt und insgesamt bemängelt: "Wir haben zu oft keinen Erwachsenen-Fußball gespielt."

Man müsse in Zukunft mit mehr Energie und Leidenschaft im Training und in den Spielen agieren sowie mehr zweckorientierten Fußball zeigen. Hummels erklärt, wie das gelingen soll: "Weniger zocken als wären wir in Fünf-gegen-fünf-Spielformen wie die Kids beim Hallenfußball. Wettkampfsituationen herstellen, um alles dem Gewinnen unterzuordnen." Junge Spieler und Borussia Dortmund - das passt seit Jahren gut zusammen. Und der 32 Jahre alte Verteidiger sieht in der fehlenden Erfahrung einiger Kollegen auch keine Probleme. Ganz im Gegenteil: "Wenn ich Erling Haaland, Jude Bellingham oder auch Youssoufa Moukoko sehe, dann sind das junge Spieler, die sehr zielstrebig sind und wissen, was auf dem Platz fürs Gewinnen gefragt ist."

Hummels vergleicht Moukoko mit Kroos und Co.

Um Moukoko entstand in den vergangenen Wochen ein großer Hype. Der BVB-Abwehrchef schwärmt von 16 Jahre alten Ausnahmespieler in höchsten Tönen und zieht bereits Vergleiche mit Ex-Mitspielern. "Er ist schon wirklich gut. Ich habe Toni Kroos mit 16, 17 Jahren spielen sehen, Mario Götze und Christian Pulisic auch. Youssoufa reiht sich definitiv in die Riege der Besten in dem Alter ein, mit denen ich je zusammengespielt habe", so Hummels, der den jüngsten Bundesliga-Spieler der Geschichte auch mit Blick auf den Ausfall von Haaland Ende des vergangenen Jahres lobt: "Erling macht die tiefen Laufwege, die jedem Gegner wehtun. Er will permanent das gegnerische Tor bedrohen, ist eine Waffe in unserem Spiel. Die anderen Jungs in der Offensive spielen lieber den letzten Pass, weil das ihre Stärke ist. Deshalb tat uns Youssoufa am Ende vorne auch gut, weil er ein ähnlicher Stürmertyp wie Erling ist."

Während der Großteil der Karriere noch vor Moukoko und Co. liegt, befindet sich Hummels bereits auf der Zielgeraden. Sein Vertrag beim BVB läuft mit Option noch bis 2023. Die Zeit drängt, will er den FC Bayern um Kampf um die Meisterschaften noch einmal richtig ärgern. "Keine Mannschaft ist zu weit weg, da reicht ein Blick auf die aktuelle Tabelle. Auch Leipzig und Leverkusen müssen sich gerade nicht verstecken. Ich sage: Es liegt an uns. Wir sind gut genug, um eine Meisterschaft in den kommenden Jahren zu gewinnen. Nur müssen wir selber die Bereitschaft dafür mitbringen. Schenken wird uns die Schale keiner", meint der Abwehr-Boss.

Die Karriere von Mats Hummels in Bildern

Mats Hummels blickt auf eine bewegte Karriere zurück. Nach seiner Jugendzeit beim FC Bayern ging es zu Borussia Dortmund. Er wurde Weltmeister 2014 und kehrte schließlich zum FCB zurück. Zur Galerie
Mats Hummels blickt auf eine bewegte Karriere zurück. Nach seiner Jugendzeit beim FC Bayern ging es zu Borussia Dortmund. Er wurde Weltmeister 2014 und kehrte schließlich zum FCB zurück. ©

An ein Karriere-Ende nach Ablauf seines aktuellen Vertrages denkt Hummels aber nicht. Er wolle noch solange wie möglich auf dem Niveau spielen. "Wenn alles gut läuft, spiele ich noch zweieinhalb Jahre in Dortmund. Dann muss ich sehen, wie mein Gesundheitszustand im Sommer 2023 ist: Es ist alles vorstellbar, auch, dass ich aufhöre. Beispielsweise wenn der Kopf 'Nein' sagt", so Hummels. Für einen Wechsel in ein anderes Land sei es "fast zu spät" nach dem Vertragsende beim BVB. "Aber ehrlich gesagt habe ich in meiner Karriere irgendwann gelernt, dass man nichts planen kann", ergänzt der Defensivspieler. Gilt das auch für ein mögliches Comeback in der Nationalmannschaft? Oft wurde Hummels neben den Bayern-Stars Thomas Müller und Jerome Boateng mit einer DFB-Rückkehr in Verbindung gebracht. "Ich habe mir darüber schon sehr viele Gedanken gemacht, ich bin immer sehr emotional und leidenschaftlich beim DFB dabei gewesen", sagt Hummels. Mit einem möglichen Comeback wolle er sich erst beschäftigen, wenn es dazu auch kommen sollte.

Hummels über DFB-Spiele: "Komisch angefühlt"

Die Spiele der Nationalmannschaft habe er nicht so intensiv verfolgt, "weil es mich emotional wirklich getroffen hat, zuschauen zu müssen. Das gebe ich ehrlich zu. Hin und wieder habe ich ein wenig geguckt, aber zu wenig, um große Analysen anstellen zu können. Es hat sich einfach komisch angefühlt." Von der U21 im Jahr 2007 bis zum vorerst letzten Länderspiel im November 2018 war der Verteidiger stets ein fester Bestandteil im DFB-Aufgebot. "Es war surreal, dann nicht mehr Teil des Ganzen zu sein, schon eine Art Schock", so Hummels weiter. Den letzten Kontakt mit Bundestrainer Joachim Löw und Direktor Oliver Bierhoff habe es Mitte Dezember gegeben - eine Gratulation zum 32. Geburtstag. Der BVB-Star erklärt: "Wir gratulieren uns alle gegenseitig, denn: Wir haben ja kein schlechtes Verhältnis untereinander."

Der Bundestrainer hatte Bayern-Angreifer Müller im März 2019 ebenso wie die Weltmeister-Kollegen Hummels und Boateng ausgemustert. Löw plant für die Europameisterschaft in diesem Sommer weiterhin mit einem verjüngten Team.