10. März 2020 / 19:38 Uhr

BVB nennt Zahlen: So viel Geld verliert Borussia Dortmund durch ein Geisterspiel 

BVB nennt Zahlen: So viel Geld verliert Borussia Dortmund durch ein Geisterspiel 

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Borussia Dortmund hat über finanzielle Verluste bei Geisterspielen aufgeklärt.
Borussia Dortmund hat über finanzielle Verluste bei Geisterspielen aufgeklärt. © imago images/Jan Huebner/dpa
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Auf die Bundesliga-Klubs kommen wegen der Auswirkungen des Coronavirus auch finanziell schwierigere Zeiten zu. Der BVB erwartet laut Mitteilung zwar keine nachhaltigen Schäden, muss aufgrund der Festsetzung von Geisterspielen ohne Zuschauer aber vorübergehende Ausfälle in Millionenhöhe kompensieren.

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Ohne Zuschauer muss Borussia Dortmund am kommenden Samstag sein Revierderby gegen den FC Schalke 04 austragen. Die 180. Aufschlage des vielleicht wichtigsten Spiels im Ruhrpott wird wegen der Auswirkungen des Coronavirus als "Geisterspiel" über die Bühne gehen. Schon am Mittwoch bekommen die BVB-Profis eine Kostprobe eines fanfreien Stadions, denn auch das Champions-League-Achtelfinale gegen Paris Saint-Germain wird wegen der Corona-Krise vor leeren Rängen stattfinden.

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Ein Heimspiel ohne Fans ist allerdings nicht nur für die Spieler und die Fans eine höchst ärgerliche Angelegenheit, es wird den Klubs langfristig auch finanziellen Schaden zufügen. Wie viel konkret, ist wegen der Stadionkapazität und der Ticketpreise von Klub zu Klub natürlich unterschiedlich. Im Schnitt fassen die Stadien der Bundesliga 40.867 Zuschauer, das bedeutet laut Bild finanzielle Einbußen von 1,5 Millionen Euro pro Spieltag. Borussia Dortmund, das mit dem Signal Iduna Park (81.365 Zuschauer in der Bundesliga/66.099 international) über das größte Stadion der Liga verfügt, muss mit deutlich größeren Einbußen rechnen. Entsprechende Zahlen legte der Klub in einer offiziellen Mitteilung offen.

Coronavirus: BVB erwartet "keine wesentlichen, nachhaltigen" negativen Auswirkungen

Zwar erwartet die Borussia Dortmund GmbH & Co. KgaA demnach wegen der Coronavirus-Krise "derzeit keine wesentlichen, nachhaltigen negativen Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens", allerdings dürften durch Geisterspiele vor Steuern negative Auswirkungen "in einer Größenordnung zwischen 2,5 und 3,0 Millionen Euro pro betroffenen Spieltag entstehen", teilten die an der Börse notierten Dortmunder zu Wochenbeginn durch ihren Syndikusrechtsanwalt Dr. Robin Steden mit.

Der FC Barcelona verliere laut Klubchef Josep Maria Bartomeu pro Spieltag sogar sechs Millionen Euro. "Dieses Problem hat jeder und Geld ist ein sekundärer Faktor, denn die Gesundheit geht vor", sagte Bartomeu am Dienstag. "Es gibt natürlich einen wirtschaftlichen Schaden, aber das gilt für jeden Verein, der hinter verschlossenen Türen spielt."

Unklar ist bislang, ob in jedem Fall die Klubs für die Ausfälle aufkommen müssen. Der Dortmunder Rechtsanwalt Stefan Witte erklärte dem SPORTBUZZER, dass ein Zuschauerausschluss aufgrund des Coronavirus rechtlich nicht zwangsläufig als "höhere Gewalt" einzustufen sei - damit wären finanzielle Entschädigungen für die Fans nicht zwingend von den Vereinen zu zahlen. "Nach den bisherigen Aussagen der Verantwortlichen handelt es sich eher um eine präventive Maßnahme, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird", sagte Witte. Dies macht eine Beantwortung der Frage, wer nun eventuelle Entschädigungen zahlt, noch schwieriger.

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BVB mahnt: "Angemessener Weg zwischen bereichtigter Vorsorge und übertriebener Vorsicht"

Die Anhänger der meisten Vereine werden ihr Geld für gezahlte Eintrittsgelder aber sicherlich dennoch zurückerhalten. Ob die Zuschauer ihr Geld zurückbekommen, regeln die jeweiligen Ticket-Geschäftsbedingungen der betroffenen Vereine. "Selbstverständlich sind wir für diesen Fall vorbereitet und sicher lassen wir die Zuschauer, die bereits Tickets gekauft haben, dann nicht im Regen stehen", erklärte etwa die TSG Hoffenheim auf SPORTBUZZER-Anfrage.

Zumindest in der Bundesliga und der 2. Liga. Fortuna Düsseldorf, der SC Freiburg und der VfL Bochum stoppten am Montag sogar die Vorverkäufe für ihre Spiele, damit sie hinterher nicht noch mehr Geld zurückerstatten müssen.

Ob auf den BVB weitere Geisterspiele zukommen werden, ist noch unklar. Nach dem Revierderby sind die nächsten Heimspiele in der Bundesliga gegen Rekordmeister FC Bayern (4. April) und Hertha BSC (18. April) geplant. In diesen Zeitraum würde auch ein mögliches Viertelfinale in der Champions League fallen. "Der Gesundheit der Bevölkerung und damit auch aller Fußball-Fans gilt oberste Priorität", teilte der BVB mit. Dabei müsse es "jedoch das Ziel sein, in unterschiedlichen Lebensbereichen den jeweils angemessenen Weg zu finden zwischen berechtigter Vorsorge und übertriebener Vorsicht".