27. Juni 2020 / 21:55 Uhr

"Fader Beigeschmack": Matthäus und Hamann zerlegen BVB nach Pleite gegen Hoffenheim - Kritik an Favre

"Fader Beigeschmack": Matthäus und Hamann zerlegen BVB nach Pleite gegen Hoffenheim - Kritik an Favre

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lothar Matthäus und Dietmar Hamann haben scharfe Urteile über die BVB-Leistung gegen Hoffenheim gefällt.
Lothar Matthäus und Dietmar Hamann haben scharfe Urteile über die BVB-Leistung gegen Hoffenheim gefällt. © Ralf Ibing / firo Sportphoto / POOL
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Borussia Dortmund geriet am letzten Bundesliga-Spieltag zum Zünglein an der Waage im Rennen um die Europa-League-Plätze zwischen dem VfL Wolfsburg und der TSG Hoffenheim. Auch weil die Kraichgauer den desolaten Vizemeister mit 4:0 abschossen, müssen die Wolfsburger in die Qualifikation. Die Ex-Nationalspieler Lothar Matthäus und Dietmar Hamann kritisierten die Dortmunder scharf für die schwache Leistung. 

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Jörg Schmadtke konnte seinen Unmut nur mit großer Mühe verbergen. Der letzte Spieltag habe "viel Aussagekraft über jede einzelne Mannschaft", grollte der Manager des VfL Wolfsburg nach der 0:4-Niederlage gegen den FC Bayern. Weil parallel der direkte Konkurrent TSG Hoffenheim mit 4:0 beim Vizemeister Borussia Dortmund gewann, müssen die Niedersachsen in die langwierige Qualifikation zur Europa League und verpassten den direkten Sprung in die Gruppenphase des Wettbewerbs. Die Nicht-Leistung des BVB verhagelte den Wolfsburgern deshalb gehörig die Laune.

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Während auch BVB-Torwart Roman Bürki klare Worte fand und (einmal mehr in Dortmund) eine Mentalitäts-Debatte eröffnete, gingen die ehemaligen Nationalspieler Lothar Matthäus und Dietmar Hamann bei Sky hart mit der Borussia ins Gericht. "Das hat schon einen faden Beigeschmack", konstatierte Hamann und befand: "So wie du heute verloren hast, darfst du nicht verlieren". Der 46-Jährige vermisste bei den Dortmundern "Willen und Hunger", es sei "nicht zuviel verlangt", auch am letzten Spieltag nochmal alles zu geben. Der Vorwurf, "den Jörg Schmadtke gemacht hat, den müssen sich die Dortmunder (...) gefallen lassen."

Matthäus kritisiert Favre: "Hat der Trainer die Mannschaft im Griff?"

Matthäus, spätestens seit der Niederlage gegen den FC Bayern einer der profiliertesten Kritiker von BVB-Trainer Lucien Favre, stellte erneut den Schweizer zur Diskussion. "Hat der Trainer die Mannschaft nicht in Griff?", fragte der Rekordnationalspieler rhetorisch und zog die Startelf des BVB ohne die in dieser Saison oft überragenden Jadon Sancho und Achraf Hakimi (der vor einem Wechsel zu Inter Mailand steht) in Zweifel. Nicht in jedem Spiel bestmöglich aufgestellt zu haben könne man Favre vorwerfen, sagte der 59-Jährige. Weitere Matthäus-Kritikpunkte: der BVB sei "heute nochmal weniger" gelaufen und agierte "disziplinlos". Die zweite Matthäus-Frage schlug deshalb in die gleiche Kerbe wie der erste: "Kann Dortmund seine Ziele mit einem Trainer Lucien Favre erreichen?"

Hamann ergänzte, es sei bezeichnend, dass die Bayern in Wolfsburg auch beim Stand von 4:0 noch den Ball aus dem Netz geholt und sich gepusht hätten, um den Bundesliga-Rekord von 101 Toren zu knacken, der BVB aber eine erschreckend schwache Darbietung zeige. Tenor: Ausrutscher, wie der BVB sie sich regelmäßig leistet, würden dem Rekordmeister unter Trainer Hansi Flick praktisch nie passieren. "Ich würde nie einer Mannschaft unterstellen, dass sie den Wettbewerb verzerrt oder dass sie nicht probiert hat, das beste Ergebnis zu erzielen", sagte Hamann. "Nichtsdestotrotz muss man sagen, dass die Dortmunder gegen Mainz sang- und klanglos verloren haben. Und auch die Art und Weise heute: gefühlt war nur eine blaue Mannschaft auf dem Platz, keine schwarz-gelbe."

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Eine Nicht-Leistung wie gegen Hoffenheim sei "nicht zum ersten Mal passiert", sagte Matthäus. Vor anderthalb Wochen hatte es gegen Mainz (0:2) bereits ein unerklärlich schwaches Spiel der Dortmunder gegeben. Danach hatte der Ex-BVB-Profi Michael Rummenigge in seiner Kolumne für den SPORTBUZZER drastische Wort gewählt. Er war zu einem anderen Schluss als Hamann gekommen. "Die BVB-Niederlage gegen Mainz war Wettbewerbsverzerrung. Da wurde mit angezogener Handbremse gespielt. Natürlich geht es für die Borussia in dieser Saison um nicht mehr viel. 'Vizemeister' kann man sich ja schlecht auf den Briefkopf schreiben", analysierte der ehemalige Nationalspieler.

Anders als Trainer Favre, der erklärte, man werde die herbe Niederlage "ziemlich schnell vergessen", legte Bürki seinen Finger in die Wunde. Dem BVB, der bereits angekündigt hatte, im kommenden Jahr wieder um die Meisterschaft spielen zu wollen, fehle dem Schweizer zufolge die "Sieger-Mentatlität des FC Bayern, die den Rekordmeister in dieser Saison zum achten Mal in Folge zum Titel führte. "Es sind genau die kleinen Spiele, bei denen die Punkte fehlen, um ganz oben zu stehen. Wir müssen vielleicht noch ein bisschen strikter werden", sagte Bürki.