21. November 2019 / 06:00 Uhr

David Villa über BVB-Star Paco Alcacer, Lukas Podolski und seine Pläne nach dem Karriereende

David Villa über BVB-Star Paco Alcacer, Lukas Podolski und seine Pläne nach dem Karriereende

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Spaniens Rekordschütze David Villa spricht im SPORTBUZZER-Interview über seine Karriere, BVB-Star Paco Alcacer und Lukas Podolski
Spaniens Rekordschütze David Villa spricht im SPORTBUZZER-Interview über seine Karriere, BVB-Star Paco Alcacer und Lukas Podolski © Booking.com
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Der ehemalige spanische Nationalspieler David Villa wird seine Karriere im kommenden Januar beenden. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über das Potenzial von BVB-Star Paco Alcacer, die Zukunft von Lukas Podolski und seine eigenen Pläne.

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Im Januar ist Schluss: Im Alter von dann 38 Jahren wird Top-Stürmer David Villa seine Karriere beenden. Im Abschieds-Interview mit dem SPORTBUZZER blickt der Rekord-Torschütze der spanischen Nationalmannschaft (59 Treffer), der in der Primera Division unter anderem für den FC Valencia, den FC Barcelona und Atletico Madrid auflief, auf seine Laufbahn zurück. Zudem erklärt er, warum er große Stücke auf BVB-Angreifer Paco Alcacer hält und berichtet von privaten Gesprächen mit Lukas Podolski.

Mit dem deutschen Ex-Nationalspieler kickt er derzeit beim japanischen Klub Vissel Kobe zusammen. Auch Villas Zukunftspläne werden in dem Gespräch thematisiert. Langweilig dürfte ihm auch nach dem Karriereende nicht werden: Beim New Yorker Zweitligisten Queensboro FC steigt er als Investor ein. Zudem ist er Markenbotschafter der UEFA und von booking.com. Der Reiseanbieter ermöglicht Fans in einem Gewinnspiel, dass sie das Finale der EURO 2020 gemeinsam mit Villa verfolgen können.

SPORTBUZZER: Herr Villa, Sie sagten, Sie wollen den Fußball verlassen, bevor der Fußball Sie verlässt. Was bedeutet das?

David Villa (37): Ich möchte noch in einer guten Verfassung, mit einem guten Gefühl von der großen Bühne abtreten. Bevor ich mich verletze, oder mit einem Platz auf der Bank vorlieb nehmen muss, weil mir etwa ein besserer, jüngerer Spieler vor die Nase gesetzt wird. Es ist wirklich schwierig, auszuloten, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist.

Auch Ihr ehemaliger spanischer Sturm-Partner Fernando Torres beendete im Sommer seine Karriere in Japan.

Bei ihm war es ähnlich, er wollte aufhören, so lange es noch Spaß macht. Bevor es zu einem Ende kommt, das unseren Karrieren nicht gerecht geworden wäre. Ich bin immer noch gut genug, glaube ich – deshalb ist der Zeitpunkt jetzt perfekt.

15 ehemalige Spanien-Stars und was aus ihnen geworden ist:

Bei der Weltmeisterschaft in Russland gehörte Spanien zu den absoluten Topfavoriten, das Team schied jedoch überraschend im Achtelfinale aus. Die Iberer blicken dennoch auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurück. Wir haben 15 der größten spanischen Nationalspieler aller Zeiten unter die Lupe genommen und uns gefragt: Was machen sie eigentlich heute? Das Ergebnis findet ihr in der Galerie - klickt euch durch! Zur Galerie
Bei der Weltmeisterschaft in Russland gehörte Spanien zu den absoluten Topfavoriten, das Team schied jedoch überraschend im Achtelfinale aus. Die Iberer blicken dennoch auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurück. Wir haben 15 der größten spanischen Nationalspieler aller Zeiten unter die Lupe genommen und uns gefragt: Was machen sie eigentlich heute? Das Ergebnis findet ihr in der Galerie - klickt euch durch! ©

Rückt mit Ihrem Ausscheiden das offizielle Ende der spanischen „Goldenen Generation“ näher?

Diese Zeit liegt fast zwölf Jahre zurück, die Spieler werden älter und älter, da ist es ganz normal, dass eine neue Generation kommt und man abgelöst wird. Aber es gibt auch Spieler wie Andrés Iniesta, der mit mir bei Kobe noch aktiv ist – und nach wie vor ein gutes Level hat.

Villa in der Nationalmannschaft: „Die größte Zeit meiner Karriere"

Ein anderer ehemaliger Mitspieler, Sergio Ramos, schrieb zu Ihrem angekündigten Karriereende: „Wir hängen die Schuhe an den Nagel, aber nie unsere Erinnerungen“. Woran denken Sie am liebsten zurück?

Die beiden besten Momente für mich waren, als der Schiedsrichter im Finale der EM 2008 und der WM 2010 zu seiner Pfeife gegriffen hat, und das Spiel beendete. Als man realisierte, dass man diese historischen Titel gewonnen hat. Dieses Gefühl ist nicht in Worte zu fassen.

War das spanische Nationalteam die beste Mannschaft, in der Sie gespielt haben?

Definitiv, allein wegen der großen Erfolge, die wir hatten. Wir waren Welt- und Europameister! Aber auch wegen der Art und Weise, wie wir erfolgreich waren. Es war die größte Zeit meiner Karriere.

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Sie sprechen sicher vom „Tiki-Taka“ – hat sich dieser Stil damals wie eine Revolution angefühlt?

Der Fußball zuvor war schon anders, in der Verteidigung ging es um besonders viel Wucht, im Mittelfeld ebenfalls um physische Stärke – und weniger um das Spiel an sich. Für uns ging es immer darum, den Ball zu haben. Wir wollten mit Talent gewinnen anstatt dank physischer Voraussetzungen. Und weil wir damit so erfolgreich waren, veränderten wir damit auch etwas im Weltfußball.

Sie waren dabei der wichtige Mann für die Tore, wie fühlte es sich an, das spielerische Kunstwerk der anderen dann auch zu vollenden?

Das war ganz cool. (lacht) Weil diese Spieler es einem natürlich vergleichsweise einfach gemacht haben. Ich schätze mich wirklich glücklich, ein Teil dieser Generation gewesen zu sein.

Und Sie sind mit 59 Treffern immer noch Spaniens Rekordtorschütze. Wie lautet Ihr Geheimnis?

Man muss mit diesem Talent gesegnet sein. Und dann steigert man diese Fähigkeit, wird besser und besser. Und man muss es wollen. Als ich mir mit vier Jahren das rechte Bein gebrochen habe, wollte ich trotzdem weiterspielen. Ich musste lernen, mit dem linken zu schießen. Und diese Einstellung half mir auch in den Jahren danach.

Halten Sie Ihren Rekord für schlagbar?

Das wird schwierig, weil es natürlich eine ganze Menge Tore sind, ich habe dafür 98 Spiele gebraucht. Aber eines Tages wird es einen neuen Topstürmer geben.

BVB-Stürmer Paco Alcacer weist mit 12 Treffern in 19 Spielen zumindest eine gefährliche Torquote auf.

Er macht es echt richtig gut, nicht nur im Nationalteam, sondern auch in Dortmund. Ich kenne ihn noch, als er 16 war und mit mir in Valencia zusammen trainiert hat.

Und er ist mit 1,75 Meter nur einen Zentimeter größer als Sie.

Es gibt gewisse Parallelen. (lacht) Aber ich glaube, wir sind vom Spielertyp eher unterschiedlich. Er ist mehr der Box-Spieler, der sich gern im Strafraum aufhält. Ich bin immer auch mal auf die Flügel ausgewichen, habe mich fallengelassen. Aber ist definitiv einer der Spieler, der die Möglichkeit hat, meinen Rekord zu brechen.

Podolski und Villa plaudern über Karriereende

Ein in Deutschland ebenfalls bekannter Spieler, ist Ihr Mitspieler Lukas Podolski. Wie erleben Sie Ihn bei Vissel Kobe?

Er ist großartig und hat auch eine außergewöhnliche Karriere hingelegt. In der Kabine treibt er natürlich gern sein Unwesen, macht auch mit 34 immer noch seine Späße. Er ist wirklich wichtig für die Atmosphäre im Team.

Hat er Ihnen bereits verraten, wann er sein Karriereende plant?

Ich habe mit ihm darüber schon mal locker gesprochen, aber das ist privat. (lacht) Er ist auf jeden Fall immer noch stark. Und ich glaube, dass ein Karriereende erst mal noch nicht sein Plan ist – ohne es natürlich 100 Prozent zu wissen.

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Sie steigen nun als Investor beim New Yorker Team Queensboro FC in der zweiten amerikanischen Liga ein – ist das Ihr persönlicher „American Dream“?

Das kann man schon so sehen. In diesem Land wird der Fußball immer größer. Daher ist es eine große Chance für mich, in dieses Projekt involviert zu sein. Ich will ihnen mit meiner Erfahrung, mit der ich mir in den letzten Jahren in Melbourne, New York und Japan den Rucksack vollgemacht habe, helfen.

Wie lautet Ihre Prognose für die EM 2020?

Spanien und Deutschland gehören allein wegen ihrer Geschichte und ihrer fußballerischen Kultur immer zu den Mitfavoriten. Frankreich und England sind zwar im Moment etwas besser drauf, aber wer weiß, was bis dahin noch passiert.