18. Februar 2020 / 10:28 Uhr

Vor dem BVB-Kracher gegen PSG: Die Trainer Lucien Favre und Thomas Tuchel im Vergleich 

Vor dem BVB-Kracher gegen PSG: Die Trainer Lucien Favre und Thomas Tuchel im Vergleich 

Jan Jüttner
Lucien Favre und Thomas Tuchel stehen sich am Dienstagabend in der Champions League gegenüber. 
Lucien Favre und Thomas Tuchel stehen sich am Dienstagabend in der Champions League gegenüber.  © 2019 Getty imago/Jan Huebner/Buzzi/Getty/Montage RND Weinert
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BVB-Coach Lucien Favre und PSG-Trainer Thomas Tuchel treffen mit ihren Teams am Dienstag aufeinander. Im Champions-League-Kracher geht es für beide um ihre Zukunft. Der SPORTBUZZER macht den Check, wie es um ihr Standing bei den Klub-Bossen, den Medien und in der Mannschaft steht. 

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Am Dienstag (21 Uhr, so könnt Ihr das Spiel sehen) wartet mit Paris Saint-Germain nicht nur ein echtes Spitzenteam auf Borussia Dortmund, es ist gleichzeitig die Rückkehr von Thomas Tuchel an seine alte Wirkungsstätte. Mit Stars wie Kylian Mbappé, Edinson Cavani und Neymar will der 46-Jährige, dessen Zeit beim BVB im Mai 2017 ein unrühmliches Ende fand, den Signal-Iduna-Park stürmen. Für den ehemaligen Mainzer steht viel auf dem Spiel, denn es könnte sogar um seinen Job gehen. Doch auch die Zukunft von Lucien Favre wird nach dem Spiel gegen die Franzosen neu bewertet werden. Der SPORTBUZZER macht vor dem Duell den Trainer-Vergleich: Wer hat die bessere Lobby innerhalb des Klubs? Wer ist beliebter bei den Fans? Und wie steht eigentlich die Mannschaft hinter ihrem Coach?

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Favre und Tuchel im Vergleich - Der Rückhalt bei den Verantwortlichen:

Lucien Favre musste nach den beiden Pleiten gegen Werder Bremen (2:3) und Bayer Leverkusen (3:4) viel Kritik einstecken. Vor allem die wacklige Defensive machte dem Coach Sorgen. Durch den überzeugenden 4:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt verstummten die Kritiker vorerst. Sportdirektor Michael Zorc nahm Favre in Schutz und warf dem Team mangelnde Zweikampfhärte vor. Auch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke stellte sich bisher immer vor den Trainer und bemängelte fehlende "Reibung" im Team. Allerdings darf sich der BVB unter Favre nicht mehr viele Patzer erlauben, wenn endlich der erste Meistertitel seit 2012 her soll. Der Abstand in der Liga zu Spitzenreiter FC Bayern München beträgt vier Zähler. Sollte er größer werden oder sogar das Mindestziel, die Qualifikation für die Champions League in Gefahr sein, dürften auch die Klub-Bosse unruhig werden.

PSG und die Champions League: Chronologie des Scheiterns

Niemand scheitert in der Champions League so spektakulär wie PSG - das musste auch Thomas Tuchel schmerzlich erfahren. Der SPORTBUZZER blickt auf die heftigsten Niederlagen in der Königsklasse zurück.  Zur Galerie
Niemand scheitert in der Champions League so spektakulär wie PSG - das musste auch Thomas Tuchel schmerzlich erfahren. Der SPORTBUZZER blickt auf die heftigsten Niederlagen in der Königsklasse zurück.  ©
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Seit sage und schreibe 23 Pflichtspielen ist PSG ungeschlagen - und doch scheint der Stuhl von Thomas Tuchel vor dem Spiel beim BVB mehr und mehr zu wackeln. Das liegt an der hohen Erwartungshaltung der Klubeigentümer aus Katar. Qatar Sports Investments übernahm den Verein 2011 und hat seitdem mehr als eine Milliarde Euro in neue Spieler investiert. Seitdem ist PSG zwar sechsmal Meister geworden, doch Klub-Präsident Nasser Al-Khelaifi will endlich den Henkelpott gewinnen. In der Vergangenheit scheiterte PSG trotz der Verpflichtungen von sündhaft teuren Spielern wie Neymar, Kylian Mbappé und Edinson Cavani regelmäßig in der K.o.-Phase der Königsklasse - spätestens im Viertelfinale war Schluss.

Besonders dramatisch war es 2018, als PSG nach einem 4:0-Erfolg im Hinspiel gefühlt schon weiter war. Doch es kam alles ganz anders: Barcelona spielte sich im Rückspiel in einen Rausch, gewann mit 6:1 und demütigte Paris nach allen Regeln der Kunst. Ein Jahr später wiederholte sich das Grauen für PSG: Das Hinspiel bei Manchester United gewannen die Pariser locker mit 2:0, schienen gedanklich auch schon weiter zu sein. Im Rückspiel kam Manchester jedoch nach einer hektischen Schlussphase im Prinzenpark zu einem 3:1-Sieg. Wieder war PSG raus.

Der Druck auf Tuchel steigt: Sollte Paris gegen die Dortmunder ausscheiden, könnten die Bosse unter dem Eindruck des erneuten Scheiterns in der Königsklasse handeln - möglicherweise sofort nach dem Rückspiel am 11. März, vielleicht auch erst im Sommer. Tuchels Ende dürfte bei einem erneuten Scheitern im Achtelfinale jedenfalls besiegelt sein.

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Favre und Tuchel im Vergleich - Der Rückhalt bei den Fans und der Öffentlichkeit:

Viele Dortmund-Fans trauern immer noch der emotionalen Art von Liverpool-Coach Jürgen Klopp nach. Favre gibt sich schmallippig in Interviews und auch den Fans gegenüber legt er eher Zurückhaltung an den Tag. Nicht wenige sind der Ansicht, dass er nicht besonders gut zum Ruhrgebietsklub Dortmund passe. Bei den Medien genießt der Schweizer aufgrund seiner eher wenig ausgeprägten Redseligkeit einen schlechten Stand. Zuletzt griff er die Medien wegen der seiner Meinung nach zu kritischen Berichterstattung scharf an. "Manches von dem, was tagtäglich verbreitet wird, grenzt für mich an Lüge. Es scheint, als ob manche Medien gewissermaßen Gift verspritzen, damit sie keine Leser verlieren", so der ehemalige Gladbach-Coach.

Die Trainer-Karriere von Lucien Favre in Bildern

Von 2000 bis 2002 trainiert Lucien Favre den Schweizer Klub Servette FC Genf. Zur Galerie
Von 2000 bis 2002 trainiert Lucien Favre den Schweizer Klub Servette FC Genf. ©

Auch Tuchel steht nach Niederlagen schnell in der Kritik, denn sein Team gehört mit einem Gesamtwert von rund einer Milliarde Euro zu den teuersten der Welt. Der Druck auf Tuchel ist immens, er muss liefern. Der Titel in der Liga ist fest eingeplant und nicht mehr als eine Pflichtaufgabe. Seit seinem Job-Antritt im Sommer 2018 hat Tuchel die Meisterschaft geholt, doch dies ist nicht genug. Auf kritische Fragen seitens der Journalisten reagiert er oftmals genervt. Er gibt keine 1:1-Interviews, außer die, die in seinem Vertrag verpflichtend verankert sind.

Kritik gibt es jedoch nicht nur von Außenstehenden. "Mit Blick auf die Ergebnisse der vergangenen Saison ist Tuchel der schlechteste Trainer seit dem Einstieg Katars", beklagte zuletzt Ex-Profi Luis Fernandez. Er sieht ihn noch nicht als internationalen Spitzentrainer: "Er ist immer noch weit entfernt vom Niveau eines Jürgen Klopp, Pep Guardiola oder Carlo Ancelotti." Die Fans hingegen mögen Tuchels engagierte Art des Coachings, doch auch sie wollen von Neymar und Co. mehr sehen als Siege gegen FC Metz oder den FC Toulouse.

Favre und Tuchel im Vergleich - Der Rückhalt im Team:

Neuzugang Emre Can stärkte Favre nach dem Sieg gegen Frankfurt demonstrativ den Rücken: "Der Trainer hat uns sehr gut vorbereitet. Er hat uns vor dem Spiel ganz genau gesagt, wie wir anlaufen und vorne pressen sollen". Echte Liebe, wie damals zwischen Klopp und seinen Spielern, scheint es jedoch nicht zu sein. Jubelstürme auf dem Platz in Richtung Favre gibt es nicht. Er ist eher der Taktiker als der Motivationskünstler, das war allerdings bekannt und kein Geheimnis. Dennoch hat der Schweizer ein gutes Händchen mit jungen Spielern. Erling Haaland hat er behutsam aufgebaut und zunächst geschont. Auch ohne Startelfeinsätze schoss der norwegische Neuzugang auf Anhieb Tore am Fließband. Youngster Giovanni Reyna gilt als Riesentalent und bekommt von Favre regelmäßig Spielzeit. Favre gelingt es auch, hochdekorierte Ersatzspieler wie Mario Götze oder Mo Dahoud bei Laune zu halten. Interne Kritik kommt trotz des großen Konkurrenzkampfes nicht auf.

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Tuchel muss in Paris ganz andere Charaktere moderieren. Mit Neymar und Kylian Mbappé kann er zwar auf unglaubliche Kicker zurückgreifen, die jedoch als schwierig gelten. Doch insbesondere der Umgang mit Neymar, der im Sommer unbedingt zum FC Barcelona zurückkehren wollte, gelingt Tuchel ausgesprochen gut. Der 46-Jährige gilt innerhalb des Teams ohnehin als kommunikativer Typ. Beispielsweise räumte er den Disput mit Kylian Mbappé aus der Welt, nachdem dieser ihm nach der Auswechslung die obligatorische Umarmung verweigerte. Sturm-Star Edinson Cavani wollte im Winter gern zu Atlético Madrid wechseln. Doch der Transfer scheiterte auch am Veto des Trainers. Der Uruguayer akzeptierte die Entscheidung des Coaches und wird gegen Dortmund wohl auch in der Startelf stehen.

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