02. Februar 2022 / 23:24 Uhr

"Zwingt uns, auf Sicht zu fahren": BVB-Sportdirektor Michael Zorc erklärt Zurückhaltung im Transfer-Winter

"Zwingt uns, auf Sicht zu fahren": BVB-Sportdirektor Michael Zorc erklärt Zurückhaltung im Transfer-Winter

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Michael Zorc und der BVB hielten in der abgelaufenen Transferperiode die Füße still.
Michael Zorc und der BVB hielten in der abgelaufenen Transferperiode die Füße still. © IMAGO/MIS (Montage)
Anzeige

Wie der FC Bayern München verzeichnete auch Bundesliga-Topklub Borussia Dortmund in der Winter-Transferperiode keinen einzigen Neuzugang. BVB-Sportdirektor Michael Zorc nennt die Gründe dafür und erklärt, warum die Bundesliga im Vergleich mit anderen Top-Ligen Europas im Nachteil ist.

In der Premier League flossen in der Winter-Transferperiode satte 335 Millionen Euro für neue Spieler. Die Bundesliga investierte mit 61 Millionen Euro im Vergleich nur einen Bruchteil. Die beiden Großen, der FC Bayern München und Borussia Dortmund, hielten auf der Zugangsseite in der seit Montag abgelaufenen Wechselfrist sogar gänzlich die Füße still. BVB-Sportdirektor Michael Zorc erklärt das passive Verhalten der Westfalen auf dem Transfermarkt. "Wir haben uns relativ früh entschieden, nicht aktiv zu werden", sagte der 59-Jährige im Kicker-Interview (Donnerstagsausgabe) und betont: "Es gibt immer leichte Unwuchten im Kader, aber wir sind grundsätzlich gut aufgestellt."

Anzeige

Ein großes Manko im internationalen Vergleich sieht der langjährige BVB-Macher in den finanziellen Gegebenheiten in der Bundesliga, die auch von den Folgen der Corona-Pandemie bedingt werden. "Die wirtschaftliche Situation können wir natürlich nicht wegdiskutieren. Sie zwingt uns, auf Sicht zu fahren", erklärt Zorc die Auswirkungen auf den BVB, der im Winter 2020 noch mit Erling Haaland (kam für 20 Millionen Euro von RB Salzburg) einen Top-Transfer eintütete. Diese läge auch in den anhaltenden Fan-Beschränkungen begründet. "Es hat niemand damit gerechnet, dass wir abermals solch dramatische Zuschauerbeschränkungen haben würden. Diese wirken sich insbesondere im internationalen Vergleich sehr nachteilig aus. Denn dort ist viel mehr erlaubt."

Zorc benennt die finanzielle Talsohle mit konkreten Zahlen: "Wir haben nun mal diese Einschränkungen, wir leben aktuell ohne echte Zuschauereinnahmen. Wenn wir pro Heimspiel bis zu vier Millionen Euro weniger umsetzen, summiert sich das – zumal wir schon zwei Geschäftsjahre hatten, die stark von der Corona-Pandemie beeinflusst waren." Dass es beispielsweise zwischen Bundesliga und der englischen Premier League eine Kluft gibt, sei daher wenig überraschend. "Im Ausland sind die Stadien deutlich voller, das erzeugt schon wirtschaftliche Nachteile für die deutschen Klubs."

Zorc: "Müssen immer schneller sein als die ganz Großen"

Dass auch die Ligen aus Italien (Serie A: Ausgaben von 176 Millionen Euro), Spanien (La Liga: 79 Millionen Euro) und Frankreich (Ligue 1: 69 Millionen Euro) aktiver auf dem Transfermarkt zu Werke gingen als die Bundesliga, sei zudem "keine ganz neue Entwicklung", so Zorc weiter. "Die deutschen Klubs haben sich schon immer durch einen etwas anderen Weg definiert, der geprägt ist von wirtschaftlicher Solidität. Aber jetzt schlägt die Pandemie ins Kontor. Aktuell geht es den meisten Vereinen wirtschaftlich nicht gut, das ist ein Fakt." Dennoch sehe er den BVB auch weiter konkurrenzfähig auf dem Markt. Voraussetzung: "Wir müssen immer schneller sein als die ganz Großen".

[Anzeige] Kein Bundesliga-Spiel verpassen: Checke hier die aktuellen Streaming-Angebote von WOW/Sky und DAZN.