08. Februar 2020 / 13:40 Uhr

BVB-Juwel Youssoufa Moukoko mit Bundesliga-Debüt 2020? Mediziner warnt: Talente "nicht verheizen" 

BVB-Juwel Youssoufa Moukoko mit Bundesliga-Debüt 2020? Mediziner warnt: Talente "nicht verheizen" 

Jan Jüttner
Youssoufa Moukoko könnte noch in diesem Jahr vor der Dortmunder Südkurve auflaufen. 
Youssoufa Moukoko könnte noch in diesem Jahr vor der Dortmunder Südkurve auflaufen.  © imago images/Kirchner-Media
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Die DFL will das Mindestalter für Bundesliga-Spieler auf 16 Jahre reduzieren. Der Plan wird nicht nur innerhalb der Liga kontrovers diskutiert. Der SPORTBUZZER hat mit renommierten Sportmedizinern gesprochen - die ganz unterschiedliche Ansichten zum Thema haben. 

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Robust, schnell, eiskalt vor dem Tor: Wer ein Spiel von BVB-Talent Youssoufa Moukoko gesehen hat, wird kaum glauben können, dass der Mittelstürmer erst 15 Jahre alt ist. In der Bundesliga-West hat er in dieser Saison für die U19 von Borussia Dortmund 26 Tore in 16 Spielen erzielt. Noch in diesem Jahr könnte der Teenager im Profikader des BVB stehen und in der Bundesliga eingesetzt werden, denn am 22. November wird Moukoko 16. Und die Deutsche Fußball Liga (DFL) plant, die Altersgrenze auf 16 Jahre herabzusenken, im März soll darüber auf der DFL-Vollversammlung entschieden werden.

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Doch der Plan wird kontrovers diskutiert. Prof. Hans-Georg Predel von der Sporthochschule Köln sieht eine Senkung kritisch: "Ein 16-Jähriger steckt noch voll in der Pubertät. Der Körper, die inneren Organe und das Herz entwickeln sich. Man darf die Jungs nicht verheizen", sagte der Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin dem SPORTBUZZER: "Wir brauchen Langzeitstudien, um wirklich zu wissen, welche Folgen diese enorme Belastung auf die Jugendlichen hat." Predel kritisiert den Einfluss der Berater. "Ein junger Spieler will natürlich immer spielen, aber man muss diese Jungs vor sich selbst schützen. Die Berater mögen das Wohl der Spieler im Auge haben, sie denken aber auch viel ans Geschäft." Eine Herabsetzung der Altersgrenze hält er für unnötig.

Kölner Mannschaftsarzt: "Eine Senkung ist vertretbar"

Dies sieht Sportmediziner Paul Klein, der für den 1. FC Köln als Mannschaftsarzt arbeitet, anders: "Eine Senkung ist vertretbar, denn Spieler entwickeln sich unterschiedlich. Man muss individuell schauen, ob die körperliche Konstitution des Spielers mitmacht. Die meisten Talente trainieren meist schon in Leistungszentren und haben dort ihre täglichen Einheiten. Die Trainingsintensität unterscheidet sich nicht großartig von der der Profis. Einzig die Spielhärte ist bei den Erwachsenen höher." Laut Klein trage vor allem der Trainer Verantwortung dafür, dass die Jugendlichen rücksichtsvoll behandelt werden. "Es kommt in diesem jungen Alter immer auf die richtige Belastungssteuerung an."

Dass der Veränderung von BVB-Lizenzspielerchef Sebastian Kehl und Nachwuchskoordinator Lars Ricken angestoßen wurde, die in den DFL-Kommissionen "Fußball" und "Leistungszentren" sitzen, überrascht kaum. Sie drängen wohl nicht zuletzt wegen Moukoko auf eine Senkung. Die Klubs wollen ihre Talente früh mit Profiverträgen an sich binden, um sie nicht an zahlungskräftigere Vereine zu verlieren.


Die jüngsten Bundesliga-Debütanten der Geschichte

Jamal Musiala (von links), Youssoufa Moukoko und Florian Wirtz zählen zu den jüngsten Bundesliga-Spielern der Geschichte. Zur Galerie
Jamal Musiala (von links), Youssoufa Moukoko und Florian Wirtz zählen zu den jüngsten Bundesliga-Spielern der Geschichte. ©

Leipzig-Coach Nagelsmann warnt: "Druck nicht zu sehr erhöhen"

Durch die Herabsenkung der Altersgrenze hofft die DFL, dass die Bundesliga im Wettbewerb mit anderen europäischen Topligen konkurrenzfähiger wird. In der spanischen Primera División, der italienischen Serie A und in der englischen Premier League dürfen die Spieler ab 16 Jahren auflaufen. Zuletzt gab Wunderkind Ansu Fati im Alter von 16 Jahren und 298 Tagen sein Debüt für den großen FC Barcelona.

Doch auch in der Bundesliga gibt es unterschiedliche Ansichten zum Thema. Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann will den Druck nicht zu sehr erhöhen: "Es wird sich viel über mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten von Führungspersönlichkeiten beklagt. Wenn ich die Spieler noch früher hochschiebe, sind sie noch mehr Druck ausgesetzt." Eines lässt sich prognostizieren: Sollte die Altersgrenze fallen, könnte Moukoko eine der großen Bundesliga-Attraktionen werden.