17. Oktober 2019 / 08:20 Uhr

BVB-U19-Trainer Michael Skibbe schwärmt von Youssoufa Moukoko: "Entwicklung war abzusehen"

BVB-U19-Trainer Michael Skibbe schwärmt von Youssoufa Moukoko: "Entwicklung war abzusehen"

Andreas Kötter
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Michael Skibbe trainiert seit Sommer 2019 die U19 des BVB mit Sturm-Juwel Youssoufa Moukoko.
Michael Skibbe trainiert seit Sommer 2019 die U19 des BVB mit Sturm-Juwel Youssoufa Moukoko. © Montage: imago images/Nordphoto/Getty Images
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Der ehemalige DFB-Trainer und aktuelle Coach der BVB-U19, Michael Skibbe, spricht im SPORTBUZZER-Interview über die Nachwuchsarbeit in Deutschland, begangene Fehler und Dortmunds Supertalent Youssoufa Moukoko.

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1987 begann die Trainerkarriere von Michael Skibbe bei den U17-Fußballern des FC Schalke 04. 32 Jahre später ist er nach diversen Stationen wieder im Nachwuchs angekommen - und coacht seit Sommer die U19 von Borussia Dortmund, in der auch Supertalent Youssoufa Moukoko kickt. Derzeit liegt sein Team in der Bundesliga West auf Platz vier. Auch beim DFB arbeitete Skibbe unter anderem in der Jugendabteilung, hat noch guten Kontakt und eine klare Meinung.

SPORTBUZZER: Herr Skibbe, Sie waren Bundestrainer-Assistent und haben unter anderem die griechische Nationalelf, Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund trainiert. Warum der Wechsel zur U19 des BVB?

Michael Skibbe (54): Die Arbeit mit Jugendlichen hat mir immer große Freude gemacht, so hat meine Trainerkarriere auch begonnen, vor rund 30 Jahren bei Schalke 04. Im Nachwuchsbereich eines Bundesligisten gibt es bereits ein hohes fußballerisches Niveau. Aber man hat immer noch die Möglichkeit, Spieler zu formen und zu entwickeln – ohne den ganz hohen Erfolgsdruck wie im Profibereich.

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Wie hat sich die Arbeit im Jugendbereich verändert?

Die Einführung der Nachwuchsleistungszentren Anfang der 2000er-Jahre hat dazu geführt, dass in den Jugendmannschaften der Profiklubs heute ähnlich professionell gearbeitet wie bei den Profis. Das Trainingsniveau mit Spielern wie Marco Reus ist natürlich höher als bei meiner U19. In Inhalt, Intensität und Umfang gibt es aber keinen signifikanten Unterschied im Training. So trainieren auch wir in der Woche zweimal vormittags und fünfmal nachmittags.

Skibbe: Kerngeschäft "optimale fußballerische Ausbildung"

Hat diese Professionalisierung auch Nachteile?

Eine umfassende Leistungsmessung ist zunächst einmal eine gute Sache: Je mehr Informationen man über seine Spieler erhält, desto besser. Deshalb werden auch bei uns in jedem Training alle möglichen Daten ermittelt, sowohl bei der Arbeit auf dem Rasen als auch im Kraftraum. Aber wir dürfen angesichts all dieser technischen Möglichkeiten nicht unser Kerngeschäft aus den Augen verlieren, die optimale fußballerische Ausbildung. Spielintelligenz, Spielschnelligkeit, Passgenauigkeit oder Passschärfe sind die Parameter, die letztlich über die fußballerische Weiterentwicklung bestimmen.

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Hat man diese Parameter in Deutschland zuletzt vernachlässigt?

Deutschland war nach der Neuorganisation des Nachwuchsbereiches Anfang 2000 lange führend. Mittlerweile aber haben andere Nationen zumindest aufgeholt. England etwa hat sehr viel Geld in die Neustrukturierung investiert, Spanier und Portugiesen machen traditionell einen guten Job. In Frankreich und in Belgien wird ebenfalls schon länger sehr gute Arbeit geleistet, die Niederlande scheinen allmählich an frühere Erfolge anknüpfen zu können.

"Der Vorsprung ist aufgebraucht"

Wurde Deutschland überholt?

Ich glaube nicht, dass wir uns verstecken müssen. Spieler wie Serge Gnabry oder Leroy Sané sind erst Anfang 20 und haben sich bereits bei Weltklassemannschaften wie Bayern und Manchester City durchgesetzt. Überhaupt gehören heute sehr viele junge Spieler zum Kader der ­A-Natio­nal­elf, die noch in der U21 spielen könnten. Und obwohl bei der U21-EM somit der komplette Offensivbereich gefehlt hat, kam man trotzdem ins Finale. Wir sind international also weiterhin konkurrenzfähig. Aber der Vorsprung, den wir mal hatten, der ist aufgebraucht.

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Haben Sie noch Kontakt zum DFB, zu Joachim Löw oder Oliver Bierhoff?

Es ist nicht so, dass man regelmäßig telefonieren würde. Aber man trifft sich häufig bei Turnieren wie der U21-EM oder anderen Veranstaltungen. Dort tauscht man sich aus. So spreche ich häufig mit Trainern der verschiedenen Altersklassen, wie U18-Trainer Christian Wörns.

U23-Teams: "Falsch darauf zu verzichten"

Wie wichtig sind auf Vereinsebene U19- oder U23-Teams, die manche Klubs abgeschafft haben?

Ich halte es für falsch, auf eine U23 zu verzichten. Jugendliche, die aus der U19 kommen, haben oft noch weitere Entwicklungsschritte zu gehen. Spieler wie Reus, die sich sofort bei den Profis etablieren, sind eine Ausnahme. Tatsächlich schaffen es die wenigsten direkt in den Profibereich und setzen sich dort dann auch dauerhaft durch. Ein, zwei weitere Jahre im Leitungsbereich einer U23 tun diesen Jugendlichen daher sehr gut. So bringt zum Beispiel der SC Freiburg immer wieder erfolgreich Spieler nach oben.

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Wie oft erkundigt sich Lucien Favre nach Ihren Spielern?

Lucien Favre und ich kennen und schätzen uns aus gemeinsamen Bundesliga-Zeiten und pflegen ein entsprechendes gutes Verhältnis. Selbstverständlich findet ein regelmäßiger Austausch über die Entwicklung der jungen Spieler statt. Zudem trainieren zum Beispiel in den Länderspielwochen die besten Spieler meiner U19 und der U23 bei den Profis mit. Zudem bildet beim BVB Otto Addo ein wichtiges Verbindungsglied zwischen Nachwuchs- und Profibereich. Er schaut sich zweimal die Woche unser Fördertraining für die Spieler an, die für den Profibereich infrage kommen könnten, und berichtet noch am selben Tag dem Trainerstab der Profis.

Moukoko "zu jung" für Profi-Training

Training mit den Profis – das trifft für Youssoufa Moukoko trotz seiner Klasse nicht zu.

Richtig. Youssoufa ist mit seinen 14 Jahren per Reglement noch zu jung, um bereits bei den Profis trainieren zu dürfen.

Wie wirkt sich der mediale Wirbel um Moukoko auf Ihr Team aus?

Er ist völlig auf dem Boden geblieben und bei den Teamkollegen hundertprozentig akzeptiert. Seine Entwicklung ist schon seit zwei Jahren abzusehen, sodass sich jeder daran gewöhnen konnte.

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