14. März 2020 / 13:01 Uhr

Carlo Ancelotti schimpft über Corona-Krisenmanagement der Briten: "Situation nicht begriffen"

Carlo Ancelotti schimpft über Corona-Krisenmanagement der Briten: "Situation nicht begriffen"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Carlo Ancelotti hat sich über das aus seiner Sicht mangelhafte Krisenmanagement in Großbritannien beklagt.
Carlo Ancelotti hat sich über das aus seiner Sicht mangelhafte Krisenmanagement in Großbritannien beklagt. © Getty
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Aus Sicht von Ex-Bayern-Trainer Carlo Ancelotti wird das Coronavirus in Großbritannien unterschätzt. Der Coach des FC Everton zeigte sich tief betroffen von der "Tragödie", die das Virus in seiner Heimat Italien ausgelöst hat.

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Der frühere Bayern-Trainer Carlo Ancelotti hat sich bitterlich über das in seinen Augen mangelhafte Coronavirus-Krisenmanagement der britischen Regierung um Premierminister Boris Johnson und das sorglose Verhalten der Bevölkerung beklagt. "Ich habe den Eindruck, dass hier in Großbritannien nicht wirklich die gravierende Situation begriffen worden ist", sagte der Chefcoach des FC Everton der Gazzetta dello Sport.

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Das Leben ginge "fast wie gewohnt weiter", wunderte sich der 60-Jährige, der von 2016 bis 2017 auch beim FC Bayern München Trainer war. Ancelotti weiß, was für dramatische Folgen die Coronavirus-Pandemie haben kann. Mit André Gomes ist ein Spieler seiner Mannschaft erkrankt, die Toffees befinden sich deshalb in Quarantäne - und in seiner Heimat Italien hat das Virus das ganze Land praktisch lahmgelegt und über 1200 Menschen das Leben gekostet.

Ancelotti betroffen: "Fußball hat für mich jetzt keine Bedeutung"

Darüber zeigte der Coach sich in hohem Maße betroffen. "Angesichts der Tragödie, die wir erleben, hat Fußball für mich jetzt keine Bedeutung", sagte der frühere Milan-Coach. "Wir müssen uns mit einer Pandemie konfrontieren, einer Situation, die niemand vor uns erlebt hatte. Die steigende Bilanz der Todesopfer in Italien ist schrecklich. Jetzt muss man sich auf diesen Kampf konzentrieren. Der Rest zählt nicht."

Deshalb sei auch der sofortige Stopp der Premier League die richtige Entscheidung gewesen, sagte Ancelotti. "Man konnte so nicht weitermachen. Die Gesundheit ist eine Priorität und zwar für jeden: Mannschaften, Fans, Klubs und Mitarbeiter im Fußballbereich." In Großbritannien sind bislang rund 800 Menschen am Virus infiziert. Forschern zufolge liegt die Dunkelziffer jedoch weitaus höher, demnach könnten bis zu 10.000 Menschen erkrankt sein.

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Premier Johnson hält sich mit Maßnahmen noch zurück

Premierminister Johnson hatte zuvor angesichts der von Regierungsberatern präsentierten Schätzungen von der "schlimmsten Gesundheitskrise in einer Generation" gesprochen, sich mit konkreten Maßnahmen gegen die Krise aber ausdrücklich zurückgehalten. Viele Familien würden Angehörige frühzeitig verlieren. Trotzdem seien Maßnahmen wie Schulschließungen noch nicht angebracht: "Die gefährlichste Situation ist nicht jetzt, sondern in einigen Wochen." Menschen mit Husten oder Fieber sollten sich aber eine Woche lang zu Hause selbst isolieren.