10. Mai 2022 / 19:02 Uhr

Carlos Alcaraz zeigt's den Top-Stars: Wie ein spanisches Talent die Tennis-Welt in Erstaunen versetzt

Carlos Alcaraz zeigt's den Top-Stars: Wie ein spanisches Talent die Tennis-Welt in Erstaunen versetzt

Klaus Bellstedt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Carlos Alcaraz zeigte zuletzt starke Leistungen auf dem Tennis-Court.
Carlos Alcaraz zeigte zuletzt starke Leistungen auf dem Tennis-Court. © IMAGO/ZUMA Wire (Montage)
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Der 19 Jahre alte Spanier Carlos Alcaraz versetzt die Tenniswelt mit seinem entfesselten Stil in Erstaunen – und ringt den Stars viel Lob ab. Zuletzt verblüffte er bei seinem Siegeszug in Madrid, der mit einem Finalsieg gegen Alexander Zverev und dem Titel endete.

Selten hat der Verlierer eines Finalmatches so entspannt ausgesehen wie Alexander Zverev am Sonntagabend in Madrid. Gerade hatte Deutschlands bester Tennisspieler das Endspiel der Madrid Open gegen den aufstrebenden Carlos Alcaraz verloren, da schüttete er dem jungen Spanier bei der Siegerehrung lächelnd den Champagner über den Kopf. Szenen, die man sonst nur von der Formel 1 kennt.

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Zverev war – mal abgesehen von seinem Ärger über die späten Ansetzungen seiner Matches in Ma­drid – nicht deprimiert. Er sprach auch im On-Court-Interview nach Spielende freundlich zu den Fans – vor allem aber lobte er Alcaraz in den höchsten Tönen. Der hatte dem Weltranglistendritten beim 6:3 und 6:1 in wenig mehr als einer Stunde kurz zuvor eine Lehrstunde erteilt. Nicht den Hauch einer Chance hatte Zverev. Alcaraz war eine Klasse besser an diesem Sonntagabend in der Caja Magica, diesem wunderbaren Centre-Court auf der Anlage des traditionsreichen Masters-1000-Turniers. Zverev hatte sich nichts vorzuwerfen. Vielleicht war seine Laune auch deshalb nicht so schlecht.

Rückblick: Ein Jahr zuvor an selber Stelle verlor der damals noch 18-jäh­rige Alcaraz in Madrid in der zweiten Runde klar gegen Rafael Nadal. Dieser spanische Tennisheilige und 21-malige Grand-Slam-Champion ist nicht unbedingt bekannt dafür, mit Superlativen um sich zu werfen. Aber nun war es so weit: "Er wird sich zu einem der besten Spieler der Welt entwickeln", sagte Nadal über Alcaraz schon 2021. "Auch weil er noch so viel Zeit hat." Der 35-jährige Routinier sollte recht behalten. Zwölf Monate später steht Alcaraz auf Platz sechs der Weltrangliste. Mit dem Event in Madrid hat der Teenager in diesem Jahr schon vier Turniere gewonnen, darunter die topbesetzten Miami Open. Die Art und Weise, wie der 19-Jährige gerade den Tennissport in der Männerkonkurrenz erobert, hat etwas Urgewaltiges.

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In Madrid hat Alcaraz, der in Murcia im Südosten Spaniens geboren wurde und aus einer Tennisfamilie stammt, nacheinander vor seinem Finalerfolg über Zverev zuerst Nadal und im Halbfinale dann auch Novak Djokovic in drei Sätzen bezwungen. Zwei der "Big Three" bei einem Turnier auszuschalten, das ist keinem Spieler zuvor jemals gelungen. Alcaraz schreibt gerade die Tennisgeschichte neu. Sein Weg war aber, siehe Nadals Prophezeiung, in gewisser Weise doch auch vorgezeichnet.

Alcaraz überraschte schon bei den US Open

Schon bei den US Open im vergangenen Jahr drang er bis ins Viertelfinale vor und wurde dort wegen totaler Erschöpfung von seinem eigenen Körper gestoppt. Bis dorthin hatte Alcaraz in der dritten Runde Stefanos Tsitsipas dramatisch in fünf Sätzen besiegt. Der Grieche, die Nummer vier der Welt, sagte hinterher in New York, er habe noch niemals zuvor jemanden gesehen, der den Ball so hart schlagen würde wie Alcaraz.

Mit seinem entfesselten Stil zieht der junge Spanier das Publikum regelmäßig in seinen Bann. Alcaraz spielt im besten Sinne Hochrisikotennis. Mit einem Tempo von durchschnittlich 125 Kilometern pro Stunde donnert er die Bälle mit seiner Vorhand über das Netz. Die Rückhand soll nach Daten des computergestützten Systems Hawk-Eye sogar noch schneller sein. Gegen Nadal und Djokovic gelangen ihm in Madrid unfassbare 88 sogenannte Winner. Die Bilanz wird noch erstaunlicher, weil von diesen direkt erzielten Punkten nur acht durch Asse zustande kamen. Alcaraz ist jetzt schon ein beinahe kompletter Spieler. Dazu zählen auch seine Athletik und Schnelligkeit. Diese besondere Kombination führt in Summe zu einem spektakulären Stil, der die eingesprungene doppelhändige Rückhand genauso umfasst wie das gefühlvolle und ansatzlose Streuen von Stoppbällen.

Ende Mai bei den French Open in Paris steht für Alcaraz nun die nächste große Bewährungsprobe auf dem Programm. Plötzlich geht der 19-Jährige als Mitfavorit ins zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres. Und es ist genau dieses rasante Tempo in der eigenen Entwicklung, das die richtig Guten von den Guten unterscheidet.

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