15. März 2022 / 17:40 Uhr

Volleys-Macher Kaweh Niroomand: "Härte des Sports - nur Titel zählen"

Volleys-Macher Kaweh Niroomand: "Härte des Sports - nur Titel zählen"

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Hohe Ambitionen: Angreifer Benjamin Patch (r.) und Manager Manager Kaweh Niroomand (kl. B.) von den BR Volleys.
Hohe Ambitionen: Angreifer Benjamin Patch (r.) und Manager Manager Kaweh Niroomand (kl. B.) von den BR Volleys. © imago
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Der deutsche Volleyball-Meister aus Berlin kämpft in der Champions League um eine Viertelfinalsensation. Vorab spricht der Club-Geschäftsführer über die Chance gegen Trentino, Corona, Krieg und Bundesliga-Probleme.

Im Viertelfinalrückspiel der Champions League empfangen die Berlin Recycling Volleys am Mittwoch (18.30 Uhr/Internet-Livestream auf rbb24.de) den Vorjahresfinalisten und dreifachen Königsklassensieger Trentino aus Italien. Nach der 0:3-Niederlage im Hinspiel braucht der deutsche Meister für das Weiterkommen laut Volleyball-Europacup-Arithmetik zunächst ein 3:0 oder 3:1 und müsste dann noch den Goldenen Satz für sich entscheiden. Vor der Partie sprach Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand mit dem SPORTBUZZER.

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Was halten Sie im Sport von der Bezeichnung Wunder?

Kaweh Niroomand: Nicht viel, das ist immer etwas hochgreifend und klingt nach Unmöglichkeit. Sollten wir es als deutsche Mannschaft gegen Trentino, so einen europäischen Top-Verein, doch noch ins Halbfinale der Champions League schaffen, wäre das eine Sensation, an die wir aber glauben. Im Hinspiel waren wir in zwei Sätzen auf Augenhöhe, haben aber insgesamt nicht unser Potenzial abgerufen. Gelingt uns das jetzt, können wir diese Aufgabe trotz schwerer Ausgangssituation bewältigen.

Von Helmut Schön bis Tayfun Korkut: Alle Hertha-Trainer seit 1950.

<b>Von Helmut Schön bis Jürgen Röber:</b> Die Vorgänger von Hertha-Trainer Tayfun Korkut. Zur Galerie
Von Helmut Schön bis Jürgen Röber: Die Vorgänger von Hertha-Trainer Tayfun Korkut. © dpa

Gesellschaftlich würden sich viele Menschen sicherlich Wunder wünschen. Ein sofortiges Ende der Corona-Pandemie, ein sofortiges Ende des Krieges in der Ukraine.

Unbedingt. Für Corona kann ja aber keiner was, nichtsdestotrotz sehnen wir uns alle die frühere Normalität herbei. Dass nun auch noch dieser fürchterliche Krieg angezettelt wurde, ist einfach schrecklich. Flucht, Elend, Tod – die Berichte und Bilder davon beschäftigen einen sehr. Als BR Volleys versuchen wir der Ukraine zu helfen, haben über eine Crowdfunding-Aktion mit unserem Sponsor und Namensgeber 30 000 Euro zugunsten von Waisenkindern in Odessa gesammelt. Der Sport steht für Werte wie Respekt, Toleranz, Fairness – Krieg ist das komplette Gegenteil davon. 

Volleys-Zuspieler Sergej Grankin ist Russe. Wie geht er mit der aktuellen Situation um?


Es geht ihm natürlich nahe, wohl noch mehr als uns anderen, weil es eben sein Heimatland ist, von dem der Krieg ausgeht. Das belastet, aber wir versuchen, dass er durch den Sport etwas davon abgelenkt wird – ohne dabei die Realität zu verleugnen. Unser erstes Viertelfinalspiel in den Bundesliga-Playoffs am Samstag (3:0-Sieg gegen Giesen, Anm. d. Red.) hat uns allen geholfen, auch wieder das Schöne genießen zu können. 2500 Zuschauer waren in der Max-Schmeling-Halle, die Stimmung fantastisch. Gegen Trentino dürfen 5000 kommen. Mit dem Blick auf die Ukraine müssen wir dankbar sein, wie es gerade bei uns hier so ist.

Dennoch hängt auch die Coronakrise weiter wie ein Damoklesschwert über dem Profisport. Wie ist die Lage bei Ihrem Club?

Wir sind bisher gut durchgekommen – dank zweier Stützen. Wir haben staatliche Hilfen von Bund und Land in einer ordentlichen sechsstelligen Höhe erhalten. Jetzt hoffen wir, dass diese Pakete noch ein oder zwei Jahre fortgeführt werden, weil alle Sportarten merken, dass die Zuschauer nicht wieder an der Tür drängeln. In der Pandemie haben sich Verhaltensweisen geändert, wir müssen die Leute erst wieder für Sportveranstaltungen zurückgewinnen. Dafür braucht es Marketinginvestitionen, zugleich sind eben die Zuschauereinnahmen weiterhin nicht auf dem Vor-Corona-Level.

Was ist die zweite Stütze?

Die Treue unserer Sponsoren. Das sind rund 100 Unternehmen, die uns mit ihrer Unterstützung auffangen, da geht es nicht um 2,50 Euro, sondern um viel Geld. Dafür sind wir dankbar und wollen das mit Leistungen zurückzahlen.

In der aktuellen Saison gelingt das bisher gut. Wie ist Ihr Zwischenfazit?

Es läuft fast optimal. Nur im DVV-Pokal-Halbfinale gegen den VfB Friedrichshafen (2:3, Anm. d. Red.) hatten wir leider einen kollektiven Blackout. Ansonsten haben wir den nationalen Supercup gewonnen, in der Bundesliga nur ein zu diesem Zeitpunkt bereits bedeutungsloses Zwischenrundenspiel verloren und in der Champions League – unter anderem durch zwei grandiose Siege in St. Petersburg – das Viertelfinale erreicht. Das Halbfinale wäre das Sahnehäubchen. Aber – und das ist die Härte im Sport – am Ende zählen nur Titel. Daher wollen wir auch unbedingt wieder die deutsche Meisterschaft gewinnen.

Die 1. Bundesliga ist diese Saison auf nur noch neun Teams geschrumpft, bereits im Vorfeld stand durch das Lizenzierungsverfahren fest, dass der TSV Haching München nicht in die Playoffs darf, sodass für alle anderen das Viertelfinale sicher war. Wie bewerten Sie diese Situation?

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Man darf es nicht schönreden. Eine Bundesliga mit nur acht oder neun Teams ist nicht zukunftsfähig. Der Dachverband, die Liga sind gefordert, Strategien für eine flächendeckende, grundsolide Strukturpolitik zu entwickeln. Es wäre gut, wenn wir irgendwann wieder auf zwölf Teams kommen. Aber die aktuelle Situation hat auch einen positiven Effekt.

Welchen?

Durch die Einführung der Zwischenrunde, bei der die Top 4 und die Plätze fünf bis acht noch mal jeweils untereinander gespielt haben, ist das Niveau für uns BR Volleys höher geworden, wir waren öfter gegen die besten Teams der Liga gefordert. So ein System sollten wir für die Zukunft, auch in einer zahlenmäßig größeren Liga, durchaus im Auge behalten.

Die Netzhoppers KW-Bestensee starten am kommenden Wochenende in ihre Viertelfinalserie gegen Düren. Welchen Blick haben Sie auf den kleinen Nachbarn?

Grundsätzlich müssen wir uns als gemeinsame Volleyballregion verstehen – mit den BR Volleys in Berlin, den Netzhoppers und Frauen des SC Potsdam in Brandenburg. Von dieser Konstellation können wir alle profitieren. Wichtig ist hierbei die weitere Professionalisierung. Ohne belehrend sein zu wollen, braucht es bei den Netzhoppers den nächsten strukturellen Schritt. Sprich, eine andere, modernere Spielstätte. Nur damit lässt sich ein Standort weiterentwickeln. Ich weiß, dass das eine große Herausforderung ist, aber wenn man vorankommen möchte, muss man mit den Gemeinden und Sponsoren investieren. In der Hauptrunde haben die Netzhoppers ihr Heimspiel gegen uns in Potsdam ausgetragen – von der Größenordnung her ist das eine sensationelle Halle dort und die Atmosphäre hat gezeigt, wie toll das Produkt Netzhoppers sein kann.